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31 Mai 2004
Es ist vollbracht. Der Countdown beträgt 15,5 Stunden. Ich bin der Präsentator. Ab morgen kann ich hoffentlich wieder mit Schlagpferdigkeit über meine pfingstlichen Erlebnisse berichten.
29 Mai 2004
AküFi sucks. Und warum fällt mir bloß keine Nutzenargumentation ein. Ich hab das undeutliche Gefühl, dass das wichtig sein könnte. Es gibt also doch schlimmeres als ein Wochenende in Mayschoß zu verbringen. Notiert.
Die Königin hat sich zurückgezogen. Gemeinsam mit meinen Gefährten (rote Gauloises, Fanta und mehrere Tafeln Schokolade) ergebe ich mich meinem Schicksal. Ich tue, was ich am besten kann. Folien produzieren. Mein Zeitplan gibt vor, dass ich heute Nacht meine Arbeiten beenden werde. Gehe ich nach der Faustregel, pro Folie drei Minuten zu präsentieren, reichen hoffentlich zehn. Traditionell müssen dann vierzig ins Back-up. Eine Folie zu produzieren beansprucht zwanzig Minuten. Herrlich. Ich fiepe wie ein Meerschweinchen vor Begeisterung.
28 Mai 2004
In den letzten Tagen fühle ich mich an mein Bewerbungsgespräch bei dem Topmodelabel H&M erinnert. Da wollte ich mal als studentische Aushilfe arbeiten. Hoch komplexe Aufgaben, wie das Zurückhängen von Kleidung übernehmen. Nachdem ich meine Bewerbung abgegeben hatte, wurde ich tatsächlich zum Gespräch geladen. Da ich davon ausging, dass es sich lediglich um eine Formalität handelte, habe ich Lohnsteuerkarte und Sozialversicherungsausweis gleich mitgenommen. Das Gespräch zog sich über eine Stunde hin. Mir wurden weltbewegende Fragen gestellt. „Mit welchem unserer Labels können sie sich am meisten identifizieren?“ „Was würden sie machen, wenn ein Kunde unzufrieden ist?“ Einige Male dachte ich, ich sei bei Verstehen Sie Spaß gelandet. Ich bin aber ein ausdauernder Mensch und habe nicht gelacht. Zwei Tage nach dem Gespräch wurde ich telefonisch kontaktiert. Die Botschaft lautete: sie sind in die zweite Runde vorgerückt. Also trabe ich da wieder hin, der festen Überzeugung, dass ich diesmal endlich eine Zusage bekomme. Die Benefits waren einfach nicht abzulehnen. Für 50 Euro im Monat verbilligt einkaufen. Wow! In der zweiten Gesprächsrunde fiel es mir schon schwerer nicht in wieherndes Gelächter auszubrechen. Erneute zwei Tage später der Anruf: Gratulation, sie sind in der dritten Auswahlrunde. Ich habe dann sicherheitshalber nachgefragt, ob sie mich als Filialleiterin einstellen wollten und ob sie vielleicht mißverstanden hätten, dass ich lediglich niedere Assistenztätigkeiten übernehmen wollte. Die Dame am Telefon war etwas humorlos. Ich habe ihr dann gesagt, dass ich ihnen für ein angemessenes Beratergehalt gerne erklären könne, wie Auswahlprozesse ökonomisch und effizient zu gestalten seien, dass ich aber kein drittes Mal zum Gespräch erscheinen könne. Hochbedauerlicherweise.
26 Mai 2004
Das Rätsel mit den verschwundenen Socken habe ich nach nur 27 Jahren lösen können. Jetzt gibt es ein neues Mysterium. Wieso materialisieren sich Zahnpastareste grundsätzlich an wichtigen Tagen auf nagelneuen Anzügen?
23 Mai 2004
Bedarf es da noch Worte? Image Hosted by ImageShack.us
21 Mai 2004
21. Mai 2321: ein junger abenteuerlustiger Cardassianer besuchte die Krotomag-Region (Qootmagh Sep). Der Cardassianer, auf Kronos per Anhalter unterwegs, hatte im letzten Raumschiff sein Handtuch liegenlassen. Um den herben Verlust zu ersetzen, suchte er in aller Eile den nächsten intergalaktischen Schnellshop auf. Der Inhaber, ein massiger, einarmiger klingonischer Kriegsveteran begrüßte ihn: „blboH. YlbuS!“, was so viel heisst wie „Du machst einen ungeduldigen Eindruck. Konzentriere Dich“ (boH= ungeduldig sein; BuS= sich konzetrieren, yl=Imperativ). Was der Cardassianer, des Standardklingonisch durchaus mächtig, nicht wußte, war, dass im Dialekt der Krotomag-Region die Laute b und m identisch (nämlich wie m) ausgesprochen werden, während sie sich im Hochklingonisch deutlich voneinander unterscheiden. Der Cardassianer verstand also: „mlboH. YlmuS!“, was übersetzt „Du bist häßlich. Ich hasse Dich!“ bedeutet. Angesicht zu Angesicht mit dem klingonischen Exkrieger, dessen Missgunst er offensichtlich auf sich gezogen hatte, versuchte der Cardassianer sich möglichst schnell der gefährlichen Situation zu entziehen. Dabei unterlief ihm aufgrund seines niedrigen Auflösungsgrades ein folgenschwerer Fehler bei der Handhabe der Taschenversion seines Easy-Travel-Computers der Marke Newton. Anstatt sich in einen gebührenden Abstand zum aufgesuchten Geschäft zu beamen, aktivierte er die Time-wrap-Funktion und wurde im Jahr 1984 rematerialisiert. Der Kulturschock, den der Caradassianer erlitt, löste einen irreparablen psychischen Defekt aus. Er übernahm die Identität eines terranischen Rennfahrers und gründete eine Fluggesellschaft.
20 Mai 2004
Neben meinem jetzigen Arbeitgeber war ich noch für andere, über die Maßen beliebte Unternehmen tätig. Ein Highlight war mein Job bei einem hier namentlich nicht zu erwähnenden Telekommunikationsanbieter in der Abteilung Weckdienst. Für diese Tätigkeit sind lediglich drei goldene Regeln zu beachten: 1. Legen sie sich ein Pseudonym zu. Melden sie sich nie mit ihrem eigenen Namen, sonst können Beschwerden weitergeleitet werden. 2. Wenn sich jemand trotzdem beschwert sagen sie: „Ja, aha, hm, natürlich, ich verstehe, ja. Vielen Dank für ihre Anregung. Ich werde das an meinen Gruppenleiter weiterleiten.“ Anmerkung des Autors: Gruppenleiter sind so real wie der Weihnachtsmann. Nur Kunden glauben daran. 3. Wenn die Kunden nerven, bitte einfach auflegen oder ins Nirwana verbinden. Während der Arbeit kann man essen, rauchen und Radio hören, wenn jemand möchte, kann er seinen Fernseher mitnehmen. Wer sich gerade unterhält, muß das Gespräch nicht unterbrechen, er wartet einfach bis der Kunde wieder nach Hamburg oder Frankfurt weitervermittelt wird. Die Personalabteilung des Telekommunikationsanbieters hatte ebenfalls ganze Arbeit geleistet. Mit mir am Telefon: Kerstin, ausgebildete Opernsängerin mit 0190er Stimme. Andreas, Architekt, von Geburt aus besserer Mensch, spricht deswegen nicht. Tina, vertraut nur Kaninchen. Wolfgang, oberwichtiger Publizist und Presseoberhaupt, kennt Herbert, Claire und Hans, ist mit allen wichtigen Persönlichkeiten der Nation auf Du und Du. Meinen Liebling habe ich liebevoll Orang-Utan-Klaus genannt (und das obwohl er nichts katzenhaftes an sich hatte). Klaus ist grob geschätzt drei Meter groß. Er hat viele Haare und ein Organ, das einmal in Schwung gekommen, Erdbeben der Stärke sieben auslöst. Dialekt: unbestimmt. Sprachfehler. Hobby: Kunden anschreien. Was außerdem brennend interessiert: Wer läßt sich in Deutschland wecken und warum? Eine Antwort darauf habe ich nie gefunden. U.a. gibt es in Deutschland 50 Millionen angemeldete Handyverträge (davon schätzungsweise 30 Millionen Handtelefone mit Weckfunktion) ... die feil gebotene Dienstleistung kostet bei meinem ehemaligen Arbeitgeber 1,35 € wenn der Automat weckt und das Doppelte wenn persönlich geweckt werden soll. Plus Steuer, versteht sich von selbst. Wie viele lassen sich wecken? Meine Hochrechnung: Ich habe ca. 720 Anrufe in einer Fünf-Stunden-Schicht bewältigt. In Berlin waren wir zehn, in Frankfurt und Hamburg telefonierten je fünfzig. (Man rechne bitte selbst nach) Auch das Klientel war vielseitig. Es gibt ein Frau, die läßt sich jeden Tag zweimal wecken, seit 10 Jahren, macht 9.855 €. Besonders mochte ich Daniel. Der rief jeden Tag 20 mal an und erkundigte sich, ob wir Vampire in den Büros haben. Er ist 19, seine Mutter 102. Sie ist Amerikanerin und wohnt in Cottbus. Er wohnt in Stuttgart und fährt am Wochenende mit dem Mofa zu ihr. Er mag Blusen und wenn man ein T-shirt anhat, legt er auf. Erstaunlich ist auch, wie viele Menschen tatsächlich Kuckucksuhren besitzen. Die hört man nämlich im Hintergrund. Ich frage mich gerade, warum ich diesen Job eigentlich gekündigt habe ...
19 Mai 2004
Noch 11 Tage und ich mache Fortschritte.
17 Mai 2004
Nulla quaggiù diletta e dura. 14 Tage und ich werde wieder vernünftig.
15 Mai 2004
Als Albert Camus sich Gedanken zum Absurden gemacht hat, war er zweifelsohne dort, wo ich mich gerade befinde. In einem mir namentlich nicht bekannten Dorf eine Stunde HINTER Bonn. Genauer gesagt im Hotel „Weißes Kreuz“. Es gibt hier kein Telefon. Es gibt ein Bett. Das ja. Alles andere ist Schein. Wie beispielsweise die Wände. Wenn ich genau hinsehe, kann ich sehen, wie mein Zimmernachbar sich in seinem Raum bewegt. Die Hinfahrt war ebenfalls kafkaesk. Es hieß „You’ll be picked up at the station“. Bepackt wie eine Ameise (sprich, ich habe ca. das fünfzigfache meines Eigengewichts getragen) stehe ich am Bahnhof und werde „abgeholt“. „Hallo, bitte folgen Sie mir!“ und so folge ich dem Mann, 2750 kg schleppend, bis wir am schönen Hotel ankommen. Dort darf ich ob meiner niederen Hierarchiestufe nicht bleiben. Mit anderen Unwürdigen werde ich mit dem so called Bustransfer in das naheliegende namenlose Dorf gebracht. Der Fahrer kennt sich leider nicht aus und entschließt sich nach einer halbstündigen Suche an einer Tankstelle zu halten und nach dem Weg zu fragen. Wir bekommen das Hotel gezeigt, halten aber nicht an. Denn der durch die Organisatoren vorgegebene Plan lautet: die Leute zum Bahnhof bringen. Dort werden wir ausgesetzt und müssen unserer Orientierungsvermögen in einem 30 Einwohner umfassenden Einstraßenort unter Beweis stellen und den ganzen ver******** Weg zu Fuß zurück zum Hotel gehen. Die Überlebensstrategie für alles Folgende habe ich aus dem Sisyphosbuch: Ich muss der Situation eine angemessene Verachtung entgegen bringen, dann kann sie mir nichts anhaben.
Der zweite Tag beginnt mit einem pompösen Frühstück. Am Büffet befinden sich zwei Platten. Die Frage lautet: Mettwurst oder Käse. Über etwas anderes muss ich mir zum Start des Tages keine Gedanken machen. Ob ich Kaffee oder Tee zu mir genommen habe, ist bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht geklärt. Das ist ein Kontaktseminar. Also muss ich bereits um 7.30 Uhr mein Namensschild tragen. Wir duzen uns alle. Manche Teilnehmer reden bereits um diese Uhrzeit so viel, dass ich meine Hand immer wieder abhalten muss in den Serviettenstapel vor mir zu greifen und selbigen als Dämmmaterial zu entfremden. Die Finnin, die bereits am gestrigen Abend einen Sprung in ihrer Schallplatte hatte, sitzt auch am Frühstückstisch. Seit über 16 Stunden wiederholt sie ihren einstudierten Satz: „Hello,areyoufromacraftsandartschoolnoohthatsapityohhelloareyoufromacraftsandartschoolnooh“ tbc Den Rest des Tages hänge ich mich an einen Esten mit dem landestypischen Namen Giancarlo. Wir trinken finnischen Lakritzschnaps und ein norwegisches Gebräu, das mich stark an Hustensaft erinnert. Giancarlo sagt, dass man in Estland dazu „Kleber“ sagt. Estnisch ist übrigens so kompliziert, dass die Esten es auch nicht so gut beherrschen.
Am Morgen des dritten Tages erfahre ich, dass Estnisch und Finnisch oft identisch klingen - der Sinn mitunter große Differenzen aufweist. Jedem Esten sei das Buch „Was ich in Finnland besser nicht sage“ ans Herz gelegt. Hier ein kleines Beispiel. In Estland kommt die Putzfrau aus dem Raum und verkündet „Das Zimmer ist fertig aufgeräumt“. Sagt sie das selbe in einem finnischen Hotel, so versteht der Landsmann: „Die Leiche liegt fertig präpariert im Zimmer“. Kein Wunder, dass Europa noch einige Hürden zu überwinden hat. Da kann ich mich mit meinem Deutsch entspannt zurücklehnen. Ich verstehe mindestens 20 Sprachen gar nicht. Mit einer Dame von einem großen europäischen Flugzeughersteller schwänze ich die sinnlosen Nachmittagsseminare und unterhalte mich angeregt über unsere Eindrücke der dörflichen Gegend. Sie wohnt, wie ich, in einem Jugendgästehaus und Minibar bedeutet dort einmal über die Straße laufen, sich ein Glas Wein kaufen und mit diesem wieder quer über die Straße in den 5. Stock des Wohnhauses laufen. Die Nacht über wurde sie mit Fetenkaraoke gefoltert. Sie war kurz davor im Pyjama in den Kristallspiegelsaal zu gehen, um sich dort von einem Vertreter der Kategorie (O-Ton) Jurassic Park zum Tanz auffordern zu lassen. So weit war ich zum Glück noch nicht. Exotische Erzeugnisse wie Milchkaffee sind in dem Café in welchem wir plaudern noch nicht erhältlich. Außerdem gibt es nur ein einziges Taxi. Da meine Begleiterin bereits drei Mal von dem Transportservice Gebrauch gemacht hat, ist sie namentlich bekannt. Als sie anruft, um uns eine Rückfahrtgelegenheit zu organisieren, meldet sich die Frau an der Zentrale mit: „Hallo Frau Gumble, sollen wir sie wieder ins Hotel zurück fahren?“ Wir fahren direkt zum Flughafen.
13 Mai 2004
Mein Gehirn hat einen Knoten. Für vier Tage werde ich jetzt in die ehemalige Bundeshauptstadt ausgelagert. Beileidsbekundungen bitte unter der bekannten Telefonnummer, gerne auch per Mail. Derweil denke ich über Zahlen nach, deren aufsummierte Teiler die Ursprungszahl mal zwei ergeben. Herr Spock würde sagen: Faszinierend! Ich sage: lieber würde ich meine Zeit in einer großen, bekannten Supermarktkette verbringen. Im übertragenen Sinne. Kryptik ist mein Wahlpflichtfach. Ach ja: Der Mann mit dem für deutsche Banksysteme zu kurzen Namen, möge bitte Details zu unserer Teilnahme an KB3 bekannt geben.
11 Mai 2004
Neulich, als ich über Primzahlen nachgedacht hab, ist mir folgendes eingefallen: Image Hosted by ImageShack.us
10 Mai 2004
Am Wochenende durfte ich als Zuschauer an einem seltsamen Ereignis teilnehmen. Ich war Gast auf einer Hochzeit. Mit mir mindestens zwanzig andere Singlefrauen. Als es zu dem traditionsreichen Spektakel „wirf-den-Brautstrauß“ kommt, versammeln sich alle in mehreren Reihen gruppiert an der dafür vorgesehenen Stelle. Die Braut strahlt, der Strauß fliegt. Wir werden nervös. Der Wurfwinkel passiert den Wendepunkt, alle werden flatterig. Die Blumen segeln in meine Richtung und pfffft alle Damen machen gleichzeitig einen beherzten Schritt nach hinten. Das Bouquet ist zu Boden gefallen. Verlegen schauen die Damen auf die Blumenpracht. Ich blicke auf die leicht verwirrt wirkende frisch Vermählte, nehme ich mir ein Herz und kicke das Ding weg.
09 Mai 2004
Eines Morgens, es war noch nicht mal fünf, mußte mein Mitbewohner aufstehen, um mit dem Sprinter nach Frankfurt Main zu fahren. Selbstverständlich habe ich noch geschlafen, als er den Tag begann. Genauer gesagt, habe ich so lange geschlafen, bis ich ein mir bis dato völlig unbekanntes Geräusch vernehme. Es war nicht sehr laut und wiederholte sich in ignorierbar weit auseinander liegenden Intervallen. Ich entschließe mich weiter zu schlafen. Leider wurden die Abstände kürzer und der Ton allmählich störend. Zuerst nehme ich an, daß es sich um einen nicht abgestellten Wecker handelt. Nach wenigen Minuten hatte mein Unterbewußtes ohne mein Zutun eine alternative Lösung erarbeitet: Es handelt sich um die obere Türklingel, die ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie gehört hatte. Ich stehe also schlaftrunken auf, wanke zur Tür und öffne selbige. Völlig hektisch rennt mein Mitbewohner in die Wohnung und ruft mir beim Hinaushetzen zu: „Die Krawatte ist gerissen!“ Alles klar, denke ich, und lege mich wieder in mein Bett. Ich mache mich schlafbereit und vor meinem geistigen Auge setzt sich eine Krawatte zusammen, die im Anschluß genau in der Mitte zerreißt. Ich bekomme Alpträume. Den ganzen Tag frage ich mich, wie es zu diesem Malheur kommen konnte. Mein Mitbewohner klärt mich weit nach Sonnenuntergang auf: Die Krawatte war nur am hinteren Teil gerissen. Genau an der Stelle, an der normalerweise das dünnere Ende einsteckt wird. Eigentlich kein Problem, wenn man genügend Zeit hat es wieder anzunähen. Hat er aber nicht. Ankleben? Ich besitze keine Heißklebepistole. Um ehrlich zu sein, nicht mal Panzertape. Mein Mitbewohner steht also verzweifelt in meiner Küche und sucht nach Lösungswegen. Ein aus einer weihnachtlichen Bastelaktion übrig gebliebener Tacker ziert den Tisch vor ihm. Er tut, was jedem das Naheliegenste gewesen wäre. Er tackert ohne Zögern die Rückseite der Krawatte. Zufrieden betrachtet er das Resultat. Zumindest bis er seinen wiederhergestellten Binder von der anderen Seite betrachtet. Unansehlich kräuselt sich der Stoff. Seine Stirn tut es ihm gleich. Für den Einsatz in einem konservativen Unternehmen modisch zu gewagt, lautet die Schlußfolgerung. Krawatte tauschen, bedeutet Hemd wechseln. Der Minutenzeiger kommt gefährlich nahe in die Zone der Abfahrt des Buszubringers. Neunzig Sekunden später rennt mein Mitbewohner mit neuem Hemd zur Haltestelle, um dort festzustellen, daß er die zugehörige Krawatte vergessen hat. Also zurück. Verzweifelt klingelnd verbringt er weitere fünf Minuten an der oberen Tür, die er nicht öffnen kann, weil der Schlüssel von innen steckt. Als ich endlich öffne, greift er sich den neuen Schlips und rennt zur nächsten S-Bahn, die ihn pünktlich zum Zug bringt. Life is no picnic.
Joggen ist rein objektiv gesehen völliger Blödsinn. Subjektiv bewertet ist es lediglich deprimierend. Letzte Woche habe ich es mal wieder versucht. In der Regel geht ein durchzechtes Wochenende voraus. Dann packt mich das schlechte Gewissen, weil ich so ungesund lebe. Von Freitag bis Sonntag morgen habe ich grob geschätzt fünf Flaschen Rotwein getrunken und deutlich mehr als zwei Packungen Zigaretten geraucht. Eine ähnliche Bilanz weist mein Bekannter auf, mit dem ich von Bar zu Bar gezogen bin. Als wir uns Sonntag morgen gegen vier Uhr verabschieden, verabreden wir uns deswegen zum mittäglichen Joggen. Soweit so gut. Pünktlich zur vereinbarten Uhrzeit erscheine ich in Turnschuhen und Laufoutfit am Parkeingang. Eigentlich bin ich schon dort zu erschöpft, um das was folgt ernsthaft als Sport bezeichnen zu können. Dafür muss man wissen, dass die Grünanlage ganze fünf Gehminuten von meiner Wohnung entfernt ist. Das sage ich meinem hochmotivierten Mitläufer natürlich nicht. Wir traben los und fühlen uns nach weiteren zehn Minuten, wie erhofft, gesund und vernünftig. Während ich also gedankenverloren durch die Gegend, nennen wir es: zügig schreite, erscheint wie aus dem Nichts ein Landstreicher in der Mitte des Weges und fragt mit belegter Stimme: „Ey, ihr da! Habt ihr mal ne Kippe?“ Entsetzt antworte ich: „Wie? WIR? Wir sind Sportler, das sieht man doch!“ Wir laufen noch weitere zehn Minuten bis wir aus Sichtweite des Clochards sind und ergeben uns unserem Schicksal indem wir in das nächste Café einkehren, einen Milchkaffee bestellen und über die mit hochroten Gesichtern vorbeilaufender Jogger lästern.
08 Mai 2004
Berlin ist tatsächlich anders als das Dorf aus dem ich komme. Unmittelbar nach meinem Umzug hatte ich ein Schlüsselerlebnis. Nachdem wir die Holzdielen abgeschliffen haben, möchte ich rauchen und freue mich über den Anblick des Zigarettenautomaten gegenüber meines Wohnzimmererkers. Ich bewaffne mich mit einem Fünfmarkstück und laufe auf die Straße. Als ich die 5 DM rein stecken will, sehe ich, dass der Kasten nur Zwei- und Einmarkstücke annimmt. Ich entschließe mich, das Geld in der nächsten Kneipe zu wechseln. In eben dieser sitzen mehrere Männer an der Theke aufgereiht. Jeder hat ein Bier vor sich und eine Zigarette in der Hand. Eine solariumgeröstete Barfrau steht am anderen Ende des Raumes. Ich steuere auf sie zu und während ich diese sieben Meter laufe, dreht sich ein Mann nach dem anderen zu mir um. Sie starren mich an, als hätten sie noch nie einen Menschen gesehen. Draußen am Automaten stelle ich fest, dass in dem einer der beiden Münzannahmeöffnungen ein Geldstück klemmt. In der Hoffnung einen weiteren Automaten zu finden, gehe ich die Straße ein Stück weiter und komme an einer entsetzlich laut schreienden Frau vorbei. Nach ein Paar Metern entschließe ich mich umzudrehen und zu fragen, ob ich behilflich sein kann. Sie beginnt sofort wieder zu krakeelen: „Jaaaa jaaaaaa! Da vorne da (sie deutet an die Straßenecke und ich sehe einen Mann entschwinden) deeeer, ja deeeer, der macht mich immer an und dann lässt er mich nicht in Ruhe, nur weil ich einmal mit ihm mitgefahren bin, als ich getrampt bin. Da hat er mich nach Hause gefahren und ... und ja das is ja ganz nett, aber nü lässt er mich nicht in Ruhe und kommt ständig wieder her und will ficken. Aber ich will ihn gar nich ficken. Weil, guck mal wie der aussieht. Ich meine, ich bin doch so dick und groß (das war sie wirklich) und der, der ist klapperdürr und keine 1,70 groß und dann will der ficken ... (sie hat die Geschichte dann bestimmt noch fünf mal paraphrasiert zum Besten gegeben)“ Ich, ratlos. „Kann ich denn irgendwas für Dich tun?“ Ihr Vorschlag lautet, ich solle sie beschützen und nach Hause begleiten. Also gehe ich mit. Is klar. Ich bin einen ganzen Kopf kleiner und mindestens 100 Kilo leichter – aber hey, wenn sie sich besser fühlt, eskortiere ich den Koloss. Auf dem Weg erzählt sie mir noch, dass in ihrem Haus ein Typ wohnt, der sie ebenfalls andauernd ficken will und den wöllte sie auch nicht, denn der hätte die vertrocknete Flötistin im ersten Stock gevögelt. Vor ihrer Haustür angekommen, lädt sie mich zum Kaffee ein, den ich dankend ablehne. Auf dem Weg zu ihrer Wohnung war mir ein weiterer Automat aufgefallen. Ich werfe meine Geldstücke ein. Die Münzen fallen durch. Von hinten kommt ein kleiner Junge, nimmt mein Geld aus dem Fach und läuft weg. Ich drehe mich fassungslos in seine Richtung und rufe etwas geschwächt durch die vorangegangenen Ereignisse „Hey!“ hinterher. Da steht grinsend ein Mädchen und sagt: „Brauchst gar nicht zu rufen. Das ist mein Bruder und der ist taub.“ Willkommen in Berlin.
07 Mai 2004
Vor genau drei Jahren hatte ich meine letzte Diplomprüfung. Ich muss dazu sagen, meine letzte Prüfung war keine eins. Seit 1.095 Tagen kann ich deswegen nicht mehr schlafen. 07. Mai 2001 1. Akt (Die Prüfung) Herr Professor John Doe macht die Tür auf und schaut wie der böse Wolf. Prüfling: „Oho! Herr Prof. Dr. Doe, sie schauen aber sehr angespannt, sollten so nicht lieber die Prüflinge schauen?“ Die Miene von Herrn Prof. Dr. Doe verfinstert sich. Wir sprechen über feministische Theorien. Prüfling: „Ich finde feministische Thesen etwas monokausal, ich denke nicht, dass psychische Störungen ihren ausschließlichen Ursprung in der Unterdrückung der Frau haben. Außerdem haben Männer auch psychische Störungen [...].“ Prüfer: „Also ich werde ihnen jetzt bestimmt nicht die Thesen des Feminismus näher bringen, wenn sie es bislang versäumt haben sich mit diesem durchaus wissenschaftlich fundierten Themenkomplex auseinander zusetzen“ Prüfling: „Nun, zumindest wäre das doch was Neues, wenn ein Mann versucht, eine Frau vom Feminismus zu überzeugen.“ Prüfling und Beisitzer lachen, Herr Prof. Dr. Doe schaut als verschlingt er gleich die sieben Geißlein. 2. Akt (Bekanntgabe der Note) Prüfer: „Sie haben eine 2,0“ Prüfling: „Aha.“ Prüfer: „Sind sie etwa nicht zufrieden?“ Prüfling: „Wenn ich ehrlich bin, nein - ich denke, man muss die Note in Relation zum Aufwand sehen.“ Prüfer: „WAAAS? Sie denken ernsthaft, sie können eine eins haben?“ Prüfling (steht auf): „Ja, ich maße mir so was an.“ Seitdem hege ich Phantasien der folgenden Art: der Lieblingsforscher des Profs heißt Kanfer (wird ausgesprochen: "Kenfer"), also trage ich zur Prüfung ein T-shirt mit dem Aufdruck "Ich kanfer für eine eins". In meinem Traum nimmt die Prüfung zudem einen anderen Verlauf. Zurück zu Akt 2: Prüfer: „Sie haben eine 2,0. Passt ihnen die Note?“ Prüfling: „Das werde ich sie durch meine sizilianische Familie erfahren lassen.“ Meine Freundin wartet mit übergezogener Strumpfmaske auf der Toilette. Ich öffne die Tür und rufe in den Gang: Marleeeene, es ist eine zweiiiiiiii! Sie rast aus den sanitären Anlagen, ich ziehe ebenfalls meine Strumpfmaske über. Wir nehmen den Beisitzer als Geisel und stellen ein Ultimatum. Meine anderen Freunde erfahren in den 20 Uhr Nachrichten vom Ausgang meines Diploms. Da Geiseldramen sich gelegentlich länger hinziehen, habe ich uns morgens in weiser Voraussicht ein Paar Käsebrötchen vorbereitet. Mein Prof bekommt nur Rindermark zum Abendessen. Im Fernsehen halte ein Transparent in die Kamera: GERECHTIGKEIT FÜR ALLE WOHLVERDIENTEN STREBER
06 Mai 2004
Heute Abend als ich durch die Einkaufspassagen nahe meiner Arbeitsstätte lief, ist mir etwas Merkwürdiges aufgefallen. Es ist Frühling und jeder gutaussehende Mann hat an seinem Arm bereits eine Frau hängen. Das mag auf den ersten Blick nicht zu Verwunderung führen. Wenn man sich jedoch, wie ich, gerne Gedanken über Evolution und Emanzipation macht, gibt dieser Anblick doch Rätsel auf. Damals, als Frauen noch nicht selbst für den eigenen Lebensunterhalt sorgen konnten, war es sicherlich erforderlich sich ein passendes, selbigen garantierendes Männchen zu suchen. Aus meinem reichhaltigen Erfahrungsschatz kann ich nun aber ableiten, dass wohlhabende Männer in der Regel nicht gut aussehen. Aus meinen Internetrecherchen ist mir zudem bekannt, dass heutzutage nur 37% aller Frauen genug verdienen, um sich lebensnotwendige Utensilien wie Handtäschchen und fünfzig Paar Schuhe selbst zu kaufen. Daraus lässt sich ableiten, dass die überwiegende Mehrheit des weiblichen Geschlechts weiterhin nach den wohlhabenden Männchen Ausschau halten müssen. Wenn ich der Einfachheit halber davon ausgehe, dass es ungefähr gleichviel Frauen wie Männer gibt und finanzielle und optische Attraktivität sich ungefähr die Waage halten, dann müsste es – rein logisch – doch in Berlin genau 170.580 gutaussehende Singlemänner geben, die darauf warten, dass ICH mich an ihrer Seite anhänge. Und das ist das Mysterium. Denn heute hat mir schon wieder keiner der eben Erwähnten seinen Arm angeboten ... (Immerhin erklärt es, warum wohlsituierte Männer zur Polygamie neigen.)
05 Mai 2004
An dieser Stelle möchte ich eine Lanze für die Mannheit brechen. Mindestens einmal am Tag vermisse ich ein männliches Wesen in meinem Leben und das in schmerzlicher Regelmäßigkeit. Der Versuch ein Hohes-C-Tertrapack zu öffnen führt mir diese Lücke jedes Mal wieder vor Augen. Entweder ich muss doch auf Leitungswasser zurückgreifen oder aber ich reiße den gesamten Verschluss ab und starte damit den Versuch anderthalb Liter Saft in dreißig Millisekunden auszutrinken. Es ist ein Elend! Seit mein Mitbewohner vor zwei Monaten ausgezogen ist, hat niemand mehr den Müll runter gebracht. Milch kann ich nur in kleinen Vorräten in meine Wohnung transportieren und die in der Wand klaffenden Löcher zeugen von fach-männischem Mangel und meiner genetischen Unfähigkeit mit Bohrmaschinen umzugehen. Auch wird mein Alltag ohne die kleinen Küchenexperimente öde. Ich hab selber mal eines versucht, bin aber kläglich gescheitert. Vor drei Wochen habe ich mir eine Tütenlinsensuppe gekocht. Wie jedes ordentliche Mädchen habe ich nicht mal die Hälfte gegessen und den Rest mit verschlossenem Deckel auf dem Herd stehen lassen. Eine Woche später will ich mir eine zweite Tütensuppe kochen und entdecke den verloren geglaubten Topf. Ich öffne ihn und oh Schreck! ... die Suppe sieht aus wie frisch zubereitet. Ich schließe den Tiegel erneut. Eine weitere Woche später schaue ich abermals hinein. Der Frischezustand unverändert. Ich halte meine Nase an die Suppe. Nichts. Ich klappe den Deckel zu. Weitere sieben Tage später gebe ich das Experiment auf. Tütensuppen habe ich abgeschworen.
Kürzlich (08:16 Uhr) im Aufzug: Bei bester Laune trete ich den Fahrstuhl. Außer mir nur ein weiterer Fahrgast. "Einen wunderbaren guten Morgen", grüße ich. Stille. Der Herr drückt Etage 22. Ich bewege meine rechte Hand leicht Richtung Fahrkorbtableau. Mein Gegenüber hebt erst genervt die Augenbraue und dann dröhnend die Stimme: "Sie wollen mich doch nicht aufhalten, oooder?" Ich gebe mein Bestes, lächle ihn an: "Ich befürchte ich muss, denn mein Büro ist in der 11. Etage." "Ganz großartig, das kann ja wohl nicht wahr sein!", poltert der Anzugträger. Der Ton ist dermaßen unfreundlich, dass ich ihm noch mal prüfend in die Augen blicke: "Ist das ihr Ernst?" "Natürlich, was denken sie denn ... [...]" Er schimpft munter vor sich hin, während ich alle Knöpfe von Etage 2 bis einschließlich 21 drücke und den Aufzug verlasse. Die Tür schließt sich hinter mir und leider kann ich ihm nicht mehr schöne Fahrt wünschen.
Letzte Woche in einem der neuen EU-Beitrittskandidaten: sieben Stunden Projektmeeting, Stadtrundfahrt mit einer Stadtführerin, welche die Zirkularatmung beherrscht und dies zu einem mehrstündigen Dauervortrag nutzt. Ein Essen in einem Restaurant der gehobenen Klasse (ich wollte schon immer kalte Rote Beete essen) und dann wieder ein Katastrophenabend. Das Einkommensgefälle in Europa zeigt hier fatale Auswirkungen. Wer kann schon in Deutschland in einer Gruppe von zwölf Leuten kund geben: „Die Runde geht auf mich!“ In den ehemaligen Ostblockländern kann das jeder, v.a. bei hochprozentigen Alkoholika. Eine Flasche Rotwein, sieben Wodka und drei Lokalitäten später entziehe ich mich der geschäftlichen Arbeitsgruppe durch Tanzen. Ich war bereits auf Cola umgestiegen und selbst in meinem mehr oder minder umnebelten Zustand war mir klar, dass die Jungs mit denen ich tanze, die Volljährigkeit gerade erst überschritten hatten. Gemeinsam mit der Englischübersetzerin und der gepiercten und tätowierten Österreicherin inszenierte ich das ein oder andere gewagte Tänzchen. Das Ganze kommt so gut an, dass wir unser Nichtangegrabschtwerdenwollen durch das Vortäuschen von ausschließlich auf das weibliche Geschlecht ausgerichtete Sexualität entkräften versuchen. (Dem gewillten Nachahmer sei gesagt: sehr schlechte Taktik, um Männer abzuwehren.) Unterm Strich lässt sich jedoch nichts dagegen einwenden wenigstens einen Abend lang die ungeteilte Aufmerksamkeit eines ganzen Pulks tanzwütiger Männer zu haben. An dieser Stelle spare ich aus strategischen Gründen alle vergleichsweise wilderen Eskapaden meiner Projektpartner aus und konzentriere mich auf den Fortgang meiner eigenen Geschichte. Weitere fünf Stunden später habe ich nach Anweisung durch meinen Vorgestzten die Projektgruppe so weit, dass wir Richtung Hotel aufbrechen. Frankreich, England und Österreich gehen auf dem Heimweg verloren und tauchen erst am nächsten Tag mit Baßstimmen und Alkoholfahne im Meeting auf. Ich selbst begebe mich um exakt 6 Uhr morgens in mein Bett, um 120 Minuten später wieder aufzustehen. Nein, aufzukriechen ist der passendere Begriff. Ich habe einen Wadenkrampf, stelle mich unter die kalte Dusche und bewundere anschließend im Spiegel meine blutunterlaufenen Augen. Es bleibt nur die Hoffnung, dass die anderen einen ähnlichen Anblick bieten. Ich gehe also ins Hotelrestaurant, entscheide mein Frühstück auf eine Tasse Kaffee zu begrenzen und setze mich an den Tisch mit meinen Geschäftspartnern. Schräg gegenüber ein Tisch Schüler. Das Kopfende, besetzt durch sechs junge Männer starrt mich an. Ich schaue verstohlen zurück und wundere mich. Die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung gleicht dem eines Tintenfischaxons. Als mir das Licht aufgeht, bekommt mein Kopf die Farbe eines Feuermelders. Die jungen Herren schräg gegenüber, bestenfalls 14 (und da verfalle ich in meine Neigung zu übertreiben), sind die selben an denen ich den Abend zuvor meinen Hintern beim Tanz gerieben hab. Großartig! Mein Vorgesetzter, meinem erstarrten Blick folgend, dreht sich ebenfalls in Richtung Schulklasse. „Ahhhh! Drei von denen ergeben ungefähr ihr Alter!“ Ich möchte im Boden versinken und verfluche leise europäische Projektmeetings.
04 Mai 2004
Ich bin eine von 50. Endlich mal. Schade, dass es kein Gewinnspiel war ... Eichel scheitert mit Plan zur Steuervereinfachung Online-Steuererklärung kommt bei Bürgern nicht an (Tagesspiegel vom 03.05.04) Berlin. Den Plänen von Finanzminister Hans Eichel (SPD) zur Vereinfachung des Steuersystems droht ein Rückschlag. Weil sich die Bürger für das neue System der elektronischen Steuererklärung kaum interessieren, haben sich Eichels Beamte mit den Steuerbehörden der Länder darauf geeinigt, die Pilotversuche in sieben Bundesländern dazu zu beenden. [blabla] Das Ergebnis des Feldversuches: Von Millionen Steuerpflichtigen haben nicht einmal 50 die neue Möglichkeit genutzt – in Berlin waren es nur vier.
Neulich, Freitag Abend (30.April) im Mauerpark: Nein, nein, ich muss anders anfangen. EIGENTLICH hatte ich ein Date. Versehentlich habe ich es wegdiskutiert. In so einem Fall tritt automatisch Plan B in Kraft. Bedeutet in diesem Folgendes: Bamberg-Connection aktivieren und sich willenlos allen geplanten Aktivitäten anschließen. In meinem Frust über das geplatzte Date war ich wild entschlossen an diesem Abend unkompliziertere Männerbekanntschaften zu machen. Deswegen habe ich meine erst vergangene Woche neu erworbenen hohen Schuhe als Fußkleid für den Abend gewählt und meine restliche Garderobe entsprechend angepasst. Ich kann mich noch erinnern, wie ich mich zufrieden über das Resultat meiner Bemühungen im Spiegel betrachte. Ursprung allen weiteren Übels – eine kleine Verwechselung der Wörter „Weinberg“ und „Mauerpark“. Orthographisch kaum auseinander zu halten ist das zweifelsohne verständlich. Ich also total aufgetakelt in die U-Bahn. Pro Abteil ca. vier BVG-Ordnungskräfte, zwei Polizisten in Kampfmontur und zwanzig Autonome. Ich, immer noch frohen Mutes. Ich steige aus dem Wagen und suche nach meinen Freunden. Müßig zu sagen, dass SIE keine hochhackigen Schuhe an hatten. Es gibt Phasen, da stelle ich keine Fragen. So an diesem Freitag Abend. Ich dackel der Gruppe also gutgläubig hinterher. Hey, aber in dem Aufzug bin ich an jeder Polizeibarrikade vorbei gekommen. Man muss auch mal die positiven Aspekte meines kleinen Fauxpas sehen! Ehrlich, ich wohne erst vier Jahre in Berlin. Woher soll ich denn wissen was die Stichworte Walpurgisnacht + Mauerpark bedeuten??? Als die ersten Flaschen und Steine flogen und ich im Kopf kurz überschlagen hatte in welcher Geschwindigkeit ich mit 6cm-Absätzen in nigelnagelneuen Schuhen laufen könnte, verließ ich den Schauplatz.

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