Header
30 Juni 2004
Ich fühle mich wie eine gemästete Weihnachtsgans. In mir befinden sich mindestens sieben verschiedene Sushivariationen und eine unglaublich große Portion Häagen Dasz. Das alles habe ich wahllos in mich gestopft, weil ich den halben Abend Luis Figo anhimmeln musste. Das Dramatische daran ist, als ich die Lokalität verließ, führte Portugal. Da ich keinen Fernseher besitze, muss ich jetzt bis morgen bangen, ob ich ihn jemals wieder sehe. Der gute Herr kommt nun ja auch langsam in die fußballuntauglichen Tage. Es gibt eben doch gute Gründe warum Frauen sich für Fußball interessieren. In diesem Zusammenhang existiert eine Statistik, die belegt, dass der Anteil an weiblichen Fußballinteressentinnen um 30% zugenommen hat. Ich partizipiere also lediglich an einem Trend. Die erste Hälfte des Abends habe ich damit verbracht verschiedene Restaurants auf ihre Projektgruppenabschlussveranstaltungstauglichkeit zu prüfen. Es ist immer wieder erstaunlich wie Äußerlichkeiten die Freundlichkeit des Personals beeinflussen. Tauche ich im Anzug auf, werde ich geführt und man reicht mir diverse Menüvorschläge. Erscheine ich indes im zerknitterten Freizeitlook, kann ich gefälligst selbst schauen, ob es angemessene Plätze gibt. Das große Erfolgserlebnis des Monats Juli befand sich heute morgen in meinem Mailfach. Ich bin ab morgen Monatsgroupie des I.Z.E.T.I.T.. Damit kann ich mich entspannt zurück lehnen und mir ein neues Projekt ersinnen. Da mein Nachbar Groupie des vergangenen Monats war, muss ich ihn gleich morgen früh kontaktieren und befragen, wie er mit Autogrammwünschen verfuhr.
29 Juni 2004
Ich bin verwundert, dass manche Kerle schlimmer als Frauen sind (Komparativ). Das soll mal das Statement des Tages sein. Völlig ohne Tiefgang. Einfach nur so. (Muss sich auch niemand angesprochen fühlen, ich meine unter Garantie den anderen.)
28 Juni 2004
Mein schlimmster Alptraum: ein viertel Liter Bier in meiner Hightechtastatur. Erst hat sie so getan, als sei nichts. Dann hat sie beliebige, mir bis dahin unbekannte, Hotkeys aktiviert. Im letzten schmollenden Schritt über mein Unverhalten hat sie mir alle Buchstaben bis auf das „m“ verweigert. Ich war so verzweifelt. Also rufe ich meinen Technikex an, ob er zufällig gerade im Osten ist und eine Tastatur dabei hat. „Nein“ (Eigentlich trägt er die Dinger am Gürtel!) „Und was soll ich jetzt machen?“, wimmere ich. „Pflege soziale Kontakte“ „Scherzkeks, dafür brauche ich die Tastatur“ „Ruf deinen Nachbarn an.“ Grandiose Idee! Ich wähle die Nummer und muss es gar ewiglich klingeln lassen, endlich nach ca. fünf Minuten meldet sich mein verschlafen klingender Nachbar. Er ist ein Mann und besitzt keine Ersatztastatur. Ich glaube ihm nicht und versuche es erst charmant, dann etwas nachdrücklich. Nicht mal seine eigene will er mir geben. Ich wußte schon immer, dass er ein Egoist ist. Etwas ernüchtert setze ich mich also auf meinen Schreibtischstuhl. Ich muss noch eine haben, da bin ich mir sicher. Folglich durchwälze ich alle Schränke. Nichts! Ich laufe in den Keller. Einen Kellerraum aufzusperren ist immer ein Graus. Ich räume das Fahrrad raus, die Rollerblades, vier Regale, einen auseinandergelegten Schrank. Vor mir türmt sich ein Kistenberg. In Kiste Nummer neun finde ich endlich eine. Das unnütze Zeug lasse ich verstreut vor dem Kellerabteil stehen und laufe überglücklich nach oben und das erste was mich jemand fragt „addicted to the net, my dear?“ Das mag so scheinen. In Wirklichkeit ist es ein weiterer konsequenter Schritt in meinem Plan Männer zu verstehen. Ich wußte bis jetzt nie, warum Männer ihre Keller mit Elektrokram vollstopfen, den man irgendwann mal brauchen könnte. Jetzt weiß ich: es ist ein sehr kluges Verhalten.
27 Juni 2004
Don't des Tages: Mit den selben Fingern, mit denen man sich gerade Enthaarungscreme aufs Bein gepinselt hat, ins Auge fassen.
Jetzt verstehe ich, warum Männer Frauen nicht verstehen. Dem Rat meines Nachbarn folgend machte ich mich heute morgen an die Defragmentierung meines Kleiderschranks. Ich dachte, ich könnte Platz sparen, wenn ich beispielsweise alle Röcke auf einen Bügel hänge, statt jeden einzeln zu drapieren. Also fange ich an Röcke aus meinem Schrank zu holen. Spätestens beim zweiundzwanzigsten war glasklar: die bekomme ich definitiv nicht auf einen einzigen Bügel. Da ich zum thematischen Vagabundieren neige, war mein nächster Plan: alle Anzüge hintereinander ordnen. Auch diese Zahl war irgendwie, sagen wir, ernüchternd. Von Blusen und T-Shirts gar nicht zu sprechen. Nehmen wir also an, ich würde jeden Tag einen neuen Rock anziehen und danach alle Hosen, dann könnte ich mehr als einen ganzen Monat jeden Tag etwas Neues anziehen. Das hat mir wirklich zu denken gegeben. Jetzt stellt sich also auch mir die Frage: warum stehe ich jeden Morgen vor diesem Ungetüm und denke „Menno, ich hab nix zum anziehen“? Außerdem habe ich beim Aufräumen eine geniale Erfindung gemacht, um reich zu werden. Zur Umsetzung fehlt mir lediglich ein Grafikdesigner. Da werde ich mal bei Finya schauen. Schließlich sind dort alle Designer... Nun. Jedenfalls habe ich ein neues Produkt erdacht, welches vor allem in Mitte reißenden Absatz finden wird: The marvellous Ponystraightener. Das ist ganz normaler Haarschaum in einer ansprechenden Dose, welches eigens dafür konzipiert ist, wie der Name schon sagt, Ponys zu glätten. Wenn ich morgens aufstehe, würde ich für ein solches Produkt alles Geld der Welt investieren. Und abschließend noch ein Rat: Niemals – wirklich nie, nie in einem vollen Staubsaugerbeutel nach irgendeinem Gegenstand wühlen. Nie! Auch wenn man versehentlich die gesamten Diamantenvorräte des Haushalts weggesaugt hat. Es ist das kalte Grauen.
26 Juni 2004
Ach ja: und wenn hier jemand bei einem großen Bekleidungsvertriebshaus tätig ist ... bitte, bitte - stellt das Unkleidungskabinensystem endlich auf englische Verhältnisse um. Dafür die dämlichen Einzelkabinen gegen Großkabinen wechseln. Dann fällt das Anstehen weg. Erster Vorteil. Zweiter Vorteil: Ich muss mich in öffentlichen Gebäuden nicht immer ausziehen oder mir mehrere Schichten Klamotten übereinander anziehen und dann Unbeteiligte bitten, dass sie mir doch bitte wieder aus dem Oberteil helfen, weil ich leider feststecke. Alternativ kaufe ich den halben Laden leer und muss den viertel Laden am nächsten Tag leider zurück bringen. Das spart doch Arbeit für alle. Also habt Verständnis.
Es hat genau ein Jahr gedauert bis ich meine ganzen Kosmetikavorräte aufgebraucht habe. Nachdem ich das Stiftung-Warentest-Heftchen zu diesem für Frauen lebensentscheidenden Thema gelesen habe, bin ich auf eine Ökopflegeserie umgestiegen. Alles ohne Tierversuche, Erdöl, Farben, Konservierungsstoffen und künstliches Parfüm. Jetzt muss ich leider feststellen, dass dieses Unterfangen nicht angemessen für mein Alter war. Wenn ich mich im Spiegel betrachte, entdecke ich Falten um die Augen. Sprüche wie „wer keine Falten hat, hat nichts erlebt“ helfen da nicht weiter. Ich will diese Furchen nicht. Also creme ich wie wild die Naturprodukte in mein Gesicht. Weitere zwei Wochen später erkenne ich: ohne Chemiebomben keine Schönheit. Bevor ich also zu Botox greifen muss, verbringe ich lieber eine Stunde in der Drogerie und lese mir aufmerksam die Beschreibungen der Anti-Falten-Produkte durch. Es ist ziemlich schwer sich zu entscheiden, ob ich eher Kupfer oder Zellbooster benötige. Warum gibt es nicht ein Produkt, welches alle Zusatzstoffe vereinigt? Am Ende entscheide ich doch wieder nach ansprechendster Optik. Immerhin muss die Verpackung mit meiner Badezimmereinrichtung harmonieren. Früher hab ich mich für die Art von Verhalten ein bißchen geschämt. Seitdem ich weiss, dass mein Mitbewohner Handcreme benutzt, habe ich alle Scheu abgeworfen.
25 Juni 2004
Befremdend. Da geh ich zum Frisör zum Ponynachschneiden und die wollen kein Geld dafür. Ich hab gesagt: "Das geht nicht". Alle schauen mich verdutzt an. Ich ergänze: "Wir sind hier in Deutschland. Servicewüste Deutschland. Da bekommt man nichts umsonst." Die Frisörin wirkt hilflos. Sie hat alles verpatzt. Ich gehe da doch hin zum Frustabbau. Das funktioniert nur wenn ich dabei Geld ausgebe. Ich drücke ihr irgendeinen Schein aus meinem Portemonnaie in die Hand. Ich komme mir dekadent vor, überlege kurz, nehm ihr den Schein wieder weg und sage: "Danke."
24 Juni 2004
Das Grillen war deutlich erfolgreicher als das deutsche Nationalteam. So viel ist sicher. Ich will nur ungern in offenen Wunden bohren (höchstens mit salzigen Fingern) ABER so wie die spielen, ist es wahrscheinlich, dass ich a) nach der Entlassung von Tante Käthe als Nationaltrainer eingesetzt werde oder b) für eine beliebige Position als Spieler rekrutiert werde. Bislang konnte ich jedem Fußballschauen aus dem Weg gehen. Gestern musste (<-- wer nach Durchlesen des Satzes das Prädikat sucht: da ist es!) ich ja im Rahmen unseres Teamevents. Dabei fielen mir einige Details auf. Die rosa Krawatte des Sportkommentators passte nicht zu dem braunen Anzug. Der Torwart des tschechischen Teams gefällt den Damen meiner Abteilung (ich will mich da nicht aussparen) am Besten. Günther Netzer lacht nie, es sei denn Rudi Völler wird bald entlassen. Die erste Hälfte der Halbzeit erweckte bei mir den Eindruck, dass irgendjemand den Spielern die Information hat zukommen lassen, dass sie bereits 7:0 führen. Die zweite hingegen erinnerte mich sehr an Frauenschulsportbasketball. Mindestens fünf Leute hauen zeitgleich auf einen Ball ein, aber niemand bekommt ihn rein, wobei weiter hinten einige engagierte Spieler frei stehen und sich die Haare bürsten. Desweiteren haben sich alle meine Hypothesen über den prätentiösen* Charakter** von Herrn Kahn bestätigt. Das wirkt sich positiv auf mein Psychologinnengemüt aus. Ebenso wie der Umstand, dass ab heute Abend fast alle Männer für jegliche Verabredungen wieder zu haben sind. Besser noch: ich kann Sympathien erwecken, indem ich mich verständnisvoll und empathisch gebe. Alles in allem also ein gelungener Grillabend. *Achtung! Prätentiös ist mein neues Lieblingswort. Wer noch ein deutsches Wort mit zwei Umlauten kennt, der möge es mir sagen. ** Will meinen, wer mit gebrochendem Daumen eine WM vergeigt, der kann sich auch ruhig sieben Meter vors Tor legen und entspannt warten, dass der Ball doch endlich in selbigem landet.
23 Juni 2004
Das Wetter ... es ist ... zum Weinen. Heute Abend ist Grillabend. Das sieht dann so aus: Einer steht mit Schirm draußen und grillt und die anderen schauen Fußball. Hätte die Sonne geschunen bzw. schünte die Sonne, hätte ich wenigstens in selbiger liegen können und blinzelnd ab und zu ein Paar unqualifizierte Kommentare zum Fußballspiel von mir geben können. Vielleicht fällt der geplante Grillevent aber auch aus. Schade wäre es nur um den Kuchen, die Blumen und den guten Rotwein, den wir dem Gastgeber als Zeichen unseres Danks spenden wollten. Wobei. Mein Kollege sagte gerade, wäre doch super. Ich könnte den Rotwein trinken, wir teilen uns die Torte und bewerfen uns im Anschluss mit den Blumen.
22 Juni 2004
Wenn einer meiner englischen Geschäftspartner mir auf deutsch zurückschreibt, kann das nur zwei Dinge bedeuten: 1. Engländer sind überaus höflich oder 2. Engländer haben Sinn für schwarzen Humor und teilen mir auf eine sonderbare Art und Weise mit, dass ich mein Englisch aufpolieren sollte. "Hallo, Dank für lädt ein werde zu ich besuchen treffend. Könnten Sie bitte ein Hotelzimmer für den 28. Juni buchen? Könnten Sie bitte einen Flug von Gatwick Flughafen London auf der 28. Rückkehr auf dem 29. zu Gatwick Flughafen buchen? Wenn Sie unfähig sind, ist einen Flug zu arrangieren, es möglich, durch Zug zu gehen? Dank sehr! Name des Geschäftspartners Kopf von Erwachsenem Lernen und Fähigkeiten Lernend Fähigkeitrat"
20 Juni 2004
Hilfe. Ich war gestern wieder im Schulalter. Marshall Brainstorm spielte im Bassy. Falls es tatsächlich Menschen geben sollte, die diese Band nicht kennen sollten: Sie wurde vor zehn Jahren in Forchheim (Zentrum der Welt) gegründet. Der Aufstieg ist seitdem unaufhaltsam. Elf Uhr war angesagt und als wir ankamen, waren wir exakt Gast fünf, sechs und sieben. Eine halbe Stunde später war halb Franken versammelt. Ich war noch nie in Berlin weg und kannte fünfzig Prozent der Anwesenden. Das Erstaunliche: alle sahen exakt so aus wie vor zehn Jahren nur pro Jahr ein Kilo mehr. Ich kritzel mir Emailadressen auf den Arm bis gar nichts mehr geht und frage junge Männer, ob sie mich heiraten wollen. Durchweg war die Antwort ein völlig erschrockenes „nein“. Erschütternd. Zumindest dass so etwas ernst genommen wird. Nächstes Traumata: Jemand fragt mich, ob ich die von Finya mit dem Dreck im Gesicht bin. Zwischendrin springt eine andere wildgewordene Partykanone (auch von Finya) durch die Gegend und grölt „Franken ruuuules“. Ich verliere langsam den Überblick. Dann sucht die Partykanone mir tolle Männer aus und ich muss smalltalken, meine Königsdisziplin (jedenfalls seitdem ich das Buch „Erfolgsfaktor Smalltalk“ gelesen habe). Alles in allem (und ich erspare hier weitere Details) mal wieder ein Abend nach dem ich mir selbst Hausarrest verpasse.
19 Juni 2004
Morgens beim Brötchen-aus-dem-Ofen-holen, habe ich mir ein weiteres hippes Branding verpasst. Hoffentlich ist das gerade in! Von meinem Mitbewohner habe ich zum Frühstück fortwährend nur den Hintern gesehen, da die Polizei sich entschlossen hatte, genau vor meiner Haustür eine Autokontrolle zu errichten. Wie ein Rentner lehnte er also aus dem Fenster und murmelte stetig die neusten Beobachtungen vor sich hin. Z.B. empörte er sich, dass die Verbandskästen nicht kontrolliert wurden. Ich vermutete, dass es daran lag, dass ein neuer EU-Erlass die Verbandskastenpflicht gegen eine Arztmitsichführpflicht getauscht hat. Die Autos waren jedenfalls immer mit mindestens vier Menschen gefüllt, was die Mutmaßung nahe legt, dass es sich bei einem der Insassen um einen Mediziner handeln muss.
18 Juni 2004
Beim abendlichen Bügeln hab ich mir wieder ein cooles Branding verpasst. Es ist so beruhigend in diesem fortgeschrittenen Alter zu sein. Mein Feierabend sah so aus: ein Schläfchen, der Mitbewohner kocht, wir essen zusammen und schauen ein Video. Dafür bügel ich seine Hemden. Höhepunkt des Tages: Ein Fotoshooting für den Personal- und Sozialbericht. Wir stellten dynamische Mitarbeiter dar. Meine Kollegin war leider ansehlicher als ich und durfte in die erste dramaturgische Reihe. Ich immerhin in die zweite. Wir laufen 37 mal durch ein Drehkreuz und der Fotograf repetiert: "Ahhh, das war sehr gut. Einmal noch". Nach dem vierten Mal hat er an Glaubwürdigkeit verloren. Fotosessions sind eine merkwürdige Sache. Man macht total merkwürdige Dinge, wie elefantengroße Ausfallschritte und der Mann mit der Kamera behauptet, hinterher sähe das natürlich aus. Das ist ungefähr so wie das was die Kommentatoren bei Dressurreitwettbewerben von sich geben, wenn der arme Gaul seitwärts schreitet und man das Gefühl hat, gleich verknoten sich die Beine und das Pferd kippt wie ein gefällter Baum um: "Es ist erstaunlich mit welcher Natürlichkeit der Reiter das Pferd zu lenken vermag". Ach: und ich hab mich als Groupie des Monats Juli bei I.Z.E.T.I.T beworben. Wehe, die nehmen mich nich. Noch mal klettere ich nicht in das Ding. Image Hosted by ImageShack.us
Nachtrag: Gestern habe ich ein grandioses Geschenk bekommen. Ein Buch. Auf den ersten Blick mag dies nicht das Herz erwärmen. Beim genaueren Hinsehen entpuppt es sich jedoch als Highlight. Ich drehe das Buch um und an der Stelle wo meine anderen Freunde stundenlang mit Kulli versuchen den Preis unkenntlich zu machen, steht ein großer Pfeil auf die 3,60 € mit dem Hinweis "So viel bist Du mir noch wert". Ich habe schallend gelacht. Es ist so ergreifend, wie sich in den kleinen Dingen des Alltags, die Zuneigung und der Charakter meiner Mitmenschen offenbart.
Nachdem ich in einem anderen Blogg einen merkwürdigen Traum gelesen habe, hatte ich heute Nacht auch einen sehr bizarren. Da ich bei Traumdeutung nie in der Uni war, frage ich mich, was mein Unbewusstes mir sagen wollte. Szene 1: Ich wohne in einem Apartment mit Wandfresken. Meine Freundin klopft diese in großen Stücken von den Wänden und ich versuche sie wieder aus dem Mülleimer zu holen und zusammenzusetzen. Leider sind sie in Staub verwandelt. Szene 2: Ich muss in einem Minipanoramaglasflugzeug einen Walt Disneyfilm schauen. Szene 3: Ich lande mit dem Flugzeug im Dschungel an einem Holzsteg. Mir fällt ein blauer Haarclip ins seichte Wasser. Immer wenn ich versuche danach zu angeln, kommen von allen Seiten riesige pelikanartige Vögel und kreischen ganz laut "nak, nak". Letzteren kann ich zuordnen. Mein Nachbar hat gestern beim Didgeridoospiel in meiner Küche schlimme "nak, nak"-Geräusche von sich gegeben. Das hat Eindruck gemacht. Festzuhalten bleibt, ich muss an meiner Zirkularatmung feilen. Außerdem war ich heute morgen beim Finanzamt und wollte einen Bogen für meine Steuererklärung 2000 abholen. Als ich die Frage formuliert hatte, brachen alle in schallendes Gelächter aus. Diese Bögen gibt es nicht mehr. Ich soll einfach eins von 2003 nehmen und das Jahr durchstreichen, ... und die Währung - 2000 war schließlich noch die Ära der deutschen Mark. Naja und alles andere was nicht stimmt, soll ich auch einfach durchstreichen. Aber ganz wichtig: Das Formular muss benutzt werden. Ich kann nicht einfach einen handschriftlichen Zettel abgeben.
17 Juni 2004
Wieso? Diese Frage stellt sich v.a. im Zusammenhang mit unangemessener Kleidung. Also wieso habe ich zu allen Gelegenheiten grundsätzlich das Falsche an. Gestern Besichtigung Cargo-Bahnhof. Ich: total schlau. Diesmal nicht in den hochhakigen Schuhen, neeee, ich packe Turnschuhe ein. In meinem Kopf war aber leider Hochsommer. D.h. Rock und keine Jacke. Als der Bahnhofsleiter sich dann sein neonorangenes Fleece-Jäckchen überzog und mir eine dünne Weste reichte, schwante mir Schreckliches. Die ersten zwei von vier Stunden in den Gleisen war noch total aufregend. "Nicht auf die Schienenköpfe treten, nicht auf die Schienenköpfe treten", murmel ich heiter vor mich hin, denn einen Kieferbruch würde ich gerne vermeiden. Ich finde es absolut grandios, dass ich ständig Gleise übertreten darf - sonst warnen Schilder davor und ich darfs immer und immer wieder tun. Der freundliche Cargobahnhofchef ist sichtlich irritiert warum eine in der Interessentengruppe permanent von Schiene zu Schiene hüpft. Meine Kolleginnen und ich versuchen uns als nächstes im Hinweisschilderdechiffrieren. Aha, dieser Wagon darf nicht schwarz-weiß gestrichen werden. Ein Kollege widerspricht: nein, das heisst, er darf nicht einseitig beladen werden. Wir stimmen ehrfürchtig zu. Herr Bahnhofchef klärt uns auf: Dieser Wagon darf nicht mit offenen Türen gefahren werden. Schilderlesen fällt offensichtlich nicht in jedermanns Kompetenzgebiet. Ein Bildchen vor dem Kohlesäurewagon und eins noch vor dem Holzwagon, ach und eins noch bitte vor dem hübschen roten, dessen Lichtraumprofil so groß ist, dass er nicht für den internationalen Verkehr zugelassen ist. Lichtraumprofil ist überigens eine Sache, die ich in meinen aktiven Wortschatz aufnehmen werde. Das ist die maximale räumliche Ausdehnung von Güterwagons, so dass er gerade noch alle Strecken im Netz abfahren kann, ohne an Masten oder Brücken anzuecken. Je kleiner, desto besser, denn desto mehr Strecken können befahren werden. Das ist dann quasi wie mein eigenes Lichtraumprofil. Ich sollte auch einen möglichst geringen Teil meines tatsächlich möglichen Lichtraumprofils ausfüllen. Zum einen hat das rein ästhetische Gründe, zum andern passe ich so viel besser durch Türen aller Art. Dabei fällt mir ein (wenn wir denn schon mal beim Eisenbahnerjargon sind), ein Herr hat mir mal bescheingt, dass meine Beine schöner seien als die von einem speziellen Güterwagon, dessen Baureihe mir gerade nicht einfallen will. Das finde ich sehr erfreulich - zumal mir bis dato nicht mal bewußt war, dass Wagons Beine haben. Bei der Eisenbahn lernt man nie aus. Zumindest weiss ich jetzt, dass ich Bremsschuhe nicht anziehen kann ... Image Hosted by ImageShack.us
15 Juni 2004
Manche Tage sind schräg. Ich wache müde auf und wenn ich den Entschluß fasse, mich nach der Arbeit eine Stunde hinzulegen, schlafe ich innerhalb von drei Minuten ein und wache exakt zehn Minuten später auf. Mir hat heute jemand eine Frage gestellt, die ich nicht beantworten kann. Die Frage ist erschreckend einfach und dennoch weiß ich keine Antwort. Das verwirrt mich. Eigentlich glaube ich nicht an Kausalitätsketten. Aber wahrscheinlich lässt sich keine Antwort finden, wenn ich in diesem Fall keine Ausnahme mache. Und das ist das Paradoxon. Hätte ich nicht gegen eine grundlegende Regel verstoßen – also eine Ausnahme gemacht, dann müßte ich jetzt nicht nach einer Antwort suchen. Definition von Paradoxon: „Scheinbar falsche Aussage, die aber bei genauerer Analyse auf eine höhere Wahrheit hinweist.“ Wahrheit? Daran glaube ich ja leider auch nicht. Vertrakte Situation. Und lustig ist das auch nicht. Ich wünschte, ich würde mich für Fußball interessieren, dann hätte ich heute eine großartige Beschäftigung.
13 Juni 2004
Zwillinge bei der Geburt getrennt? Image Hosted by ImageShack.us und Image Hosted by ImageShack.us
Irgendwo in meiner Wohnung muss sich ein Müllmaterialisierer befinden. Andauernd werfe ich Tonnen von Krempel weg und kaum drehe ich der eben aufgeräumten Stelle den Rücken zu, steht da was Neues. Ein Elend. Den Tag habe ich mit Festplattenaufräumen begonnen. Seitdem ich eine Digitalkamera besitze, neigt sich der Speicherplatz bedrohlich dem Ende zu. Ich überlege, ob es genügt lediglich mehr Speicher zu kaufen oder ob ich mich am Ende auch noch von meinem wunderbaren Pentium I trennen sollte. Den habe ich erst fünf Jahre. Mein 3-86er hat immerhin acht Jahre überdauert ... Nach dem virtuellen Aufräumen, bin ich zu meiner Wohnung übergegangen. Dabei musste ich feststellen, dass im Kleiderschrank nicht mal mehr vierzig Kilobyte zur Verfügung stehen. Ich befürchte, die nächste Bluse, die ich auf die Kleiderstange hängen möchte, wird zu einem Totalzusammenbruch führen. Es muss betont werden, dass dieser Umstand nicht von meinem Kleidungsrepertoire rührt. Es sind vielmehr die ganzen Anzüge meines Mitbewohners, die den Kollaps herbei führen. Ferner ist er krawattensüchtig. Ich habe in der Schranktür zwei Stangen für meine Gürtel. Leider sind diese Hängevorrichtungen komplett ausgelastet. Nach einer mehrminütigen Aktion gelang es mir lediglich einen meiner zwei Gürtel an den dafür vorgesehenen Platz zu drapieren. Eben wollte ich mich mit meinem Nachbarn zum Wählen verabreden, aber der tut wieder ganz wichtig und gab vor arbeiten zu müssen. Dafür werde ich die drei Bücher, die er mir geliehen hat, dem Sonnwendfeuer zuführen.
12 Juni 2004
Da jetzt nicht mehr widersprochen werden kann, wie angekündigt, optische Eindrücke für Australien: Image Hosted by ImageShack.us Ansonsten macht mir nur meine Nasolabialfalte Sorgen. Ich muss auf die besungene Insel. "Auf dieser Insel behandeln sie das Altern mit Hypnose und behexen deine Falten. Hinterher sind sie nicht mehr, nach dem Schreck sind sie weg." Im Übrigen habe ich heute noch einen Meilenstein in meinem Lebensprojektplan bewältigt. Nach nur 14 Monaten im Osten habe ich einen neuen Schneider ausfindig gemacht. Der ist nicht nur billiger als der im Westen sondern er kann auch dieses unnütze Stück Stoff wegzaubern, welches bei Hosen hinten immer absteht. Irgendwie weltbewegend.
Bis vor Kurzem war ich in meiner Arbeit als „todesmutig“ bekannt. Das lag mit unter an meinem unerschütterlichen Glauben an Otis und der Sicherheit des deutschen TÜVs. So habe ich in jeden noch so kleinen Aufzugtürschlitz ein beliebiges Körperteil gehalten um die Türen zu einem Wiederöffnen zu bewegen. Füße, Hände, Beine, Arme, Schultern – sogar meinen Kopf habe ich in den Schlund gehalten. Eine wagemutige Bewegung und die bewundernden Blicke meiner Mitfahrer im Innenraum waren mir sicher. Bis gestern. Da war die Aufzugtür im Grunde eigentlich noch offen als ich den Lift betreten wollte. Plötzlich springen mich synchron die beiden Seitentüren an und versuchen mich zu erquetschen. Nach einem kurzen Kampf befand ich mich dann innen und ich könnte schwören, dass ich ein bösartiges Kichern vernahm. Glücklicherweise gab es für diesen Vorgang keinerlei Zeugen. Seitdem ist mir der Aufzug unheimlich. Zusätzlich bin ich heute Morgen mit den merkwürdigsten blauen Flecken aufgewacht, die ich je mein eigen nennen konnte. An meinen beiden Armen zeichnen sich die Spuren zweier zehn Zentimeter dicken Metalltüren ab. Das hat mich kurz überlegen lassen, ob eine Hämatom-Fotosammlung nicht eine aufregende Bereicherung für meinen Blog sein könnte.
10 Juni 2004
Heute hab ich ES getan. Ich habe mich entschieden. Drei Jahre habe ich dafür gebraucht. Aber jetzt ist es soweit: In acht Wochen bekomme ich ein Sofa. Es heisst Fago. Wenn ich das Sofa habe, werde ich mir einen Fernseher kaufen und nie mehr meine Wohnung verlassen. Nie mehr. Wahrscheinlich werde ich bis dahin sowieso verhaftet sein. Ich habe Post vom Finanzamt bekommen. Es wurde festgestellt, dass ich meine Steuererklärung für 2000 noch nicht eingereicht habe. Das möge ich nachholen. Innerhalb von drei Wochen. Sehr lustig. Das einzige was ich noch sicher weiß ist: 2000 habe ich gelebt und ich wohnte in Bamberg. An weitere Details erinnere ich mich nicht. Ob das vom Finanzamt anerkannt wird? Außerdem hatte ich heute meinen weissen Blazer an. Meine Kollegen benutzten schon wieder das Wort „retro“. Ich finde ja eher Enterprise. Mein Nachbar hat mir nach mehrmaligen Nachhaken zugestimmt. Ich scheine also im Recht zu sein. Außerdem sagt er zu meiner neuen Frisur „Irgendwie interessant, man muss sich wohl erst dran gewöhnen“. Das sind die Worte des Todes. Dann lieber dumm stellen und so tun als habe man nichts bemerkt. Männer! Mein Mitbewohner hat gerade „Element of Crime“ angestellt. Das macht mich sentimental. Hoffentlich ist bald September oder März.
09 Juni 2004
Im Zuge meiner Bemühungen ein ordentliches Mädchen zu werden, gibt es nach wie vor leichte Entgleisungen, die ich aber auf die Dopplung meines X-Chromosoms schieben kann. Ich habe mir heute schon wieder was gekauft: einen weissen Anzug. Weisse Anzüge üben eine zauberhafte Anziehung auf mich aus. Wie hätte ich also widerstehen können? Beim Probetragen musste ich mir die Hosenbeine um ca. 35 Zentimeter nach oben klappen. Dabei stellte sich mir folgende Frage: Welche Frau, die an der Hüfte Größe 36 trägt, hat bitte 1,40 lange Beine? Meines Wissens nach nicht mal Julia Roberts. Warum also schneidern Kleidungshersteller Hosenbeine in dieser unsäglichen Länge. Das muss eine Verschwörung sein. Nicht so eine lapidare wie die mit dem ganzen Überwachungsdatenschutzquatsch. Nein, ich glaube ernsthaft ich bin hier auf eine echte Verschwörung gestoßen. Es muss was mit der unauffälligen Gilde der Schneider zu tun haben. Sie verschanzen sich in kleinen, unscheinbaren Geschäften und sehen völlig harmlos aus. In Wirklichkeit sind es die Keimzellen einer weltweiten Verschwörung der Bekleidungsindustrie. Sie sammeln Daten über Beinlängen. Aus den Beinlängen lässt sich das Kaufverhalten erschließen. Durch eine komplizierte Gleichung lässt sich das Einkommen des Kunden bis auf den Cent genau errechnen. Danach berechnet sich der Preis der Kürzung und dieser wiederum ist so angelegt, dass er den Käufer an das Existenzminmum bringt. Eingefädelt wurde das Ganze noch während des Kalten Krieges von einem russischen Geheimagenten, der sich als Schneider ausgab. Ziel ist es, die westliche Welt schrittweise – präzise formuliert zentimeterweise an den wirtschaftlichen Zusammenbruch zu bringen. Die westlichen Arbeitslöhne brechen ein und der gesamte Ostblock verlagert seine Industrie in die erste Welt ... Einen kleinen Hinweis findet man bei Star Trek im Charakter von Garak. Gut dass ich sowas schaue, sonst wäre mir dieser Komplott verborgen geblieben.
Manchmal muss man mit Versprechungen aufpassen. Meine letzte ist mir wieder zum Verhängnis geworden. Meinem bevorzugten Kinobegleiter habe ich dummerweise im Vorfeld beteuert an der nächsten Filmwahl nicht rumzumeckern und schweigend mitzukommen, sofern (das war die einzige Ausnahme) ich den Film nicht schon kenne. Ergo hieß es gestern Klappe halten und in "The Day after Tomorrow" gehen. Der letzte große Emmerichfilm führt noch unangefochten die Liste worst-movies-ever-seen. Wie vermutet, wurde mir im Kino trotz der sommerlichen Außentemperaturen ziemlich kalt und ich folgte der Handlung leicht angespannt, da ich Merkwürdiges erwartete. Genauer gesagt, ich rechnete zu jedem Zeitpunkt mit dem plötzlichen Erscheinen eines Mannes im schauderhaften Hasenkostüm. Dass Donnie Darko in "The Day after Tomorrow" mitspielt, irritierte mich durchgehend bis zum Schluss. Ich bin dann etwas verwirrt und bibbernd in die nächstgelegene Bar geschwankt, um noch ein alkoholisches Getränk zu mir zu nehmen. Bei dem eben genannten Etablissement, handelte es sich um „Möbel Olpe“. Auch hier fehlt mir mal wieder jedes Verständnis. Was ist an diesem grauenhaften Laden bitte so hip? Es gibt durchaus Gegenstände (sprich Einrichtungsgegenstände) die ob ihrer Unansehnlichkeit einen gewissen Reiz versprühen. Das Interieur dort kann jedoch nicht anders als schlicht und ergreifend HÄSSLICH bezeichnet werden. Als dann noch ein glückliches Paar gemeinsam auf die Behindertentoilette verschwand, war meine Konfusion komplett und ich bin zügig nach Hause gegangen.
08 Juni 2004
Ich kann mich einfach nicht entscheiden. Das blockiert mich. Ich kann nichts mehr schreiben. Ob ich einen merkwürdigen Männergeschmack habe? Gul Dukat oder Jason
07 Juni 2004
Samstage mit den Beastie Boys. Dass die noch leben. Toll! Image Hosted by ImageShack.us
Bilanz einer weiblichen Tiefphase: ein Paar neue Schuhe, 5 Oberteile, 5 Röcke, ein Blazer, 4 Paar Ohrringe, 5 Haarspangen und der Frisör natürlich. Dann habe ich gütigerweise meine Wohnung meinem freundlichen Mitbewohner überlassen und bin für vier Tage zu einer Freundin nach Kreuzberg gezogen. Das war großartig. Ich wurde bekocht und durfte täglich 12 Stunden vor dem Fernseher verbringen. Dabei merke ich, wie gut es ist, dass ich keinen eignen besitze. Ich starre stundenlang wie hypnotisiert auf die Kiste und bekomme schon ein nervöses Zucken im Auge, wenn jemand während der Werbung im Bild steht. Nach zwanzig Minuten Werbung, möchte ich alles kaufen was ich zuvor gesehen habe. Im Übrigen habe ich mich auch schwer verliebt. Der Glückliche heißt Jason Statham und ich bin mir sicher, dass er sein ganzes Leben schon darauf wartet mich endlich kennen zu lernen. Jason und ich passen auch total gut zusammen, denn er ist nur 3 Jahre älter als ich. Bestimmt sind unsere Sternzeichen auch kompatibel. Da ich am Sonntag Doppelkopf gelernt habe, werde ich ihn bald mal zum Karten spielen einladen. Mein Plan ordentlich und sittsam zu werden, ist also aufgegangen. Deswegen passieren auch keine merkwürdigen Dinge mehr.
04 Juni 2004
Argh!
Spiegelschlagzeile - Angela Merkel, die mächtigste Frau der Welt (Ich verbitte mir spitzfindige Verbesserungen). Fand ich sehr lustig. Fast hätte ich mir den Spiegel gekauft, um mir das Titelbild einzurahmen. Also erzähle ich einem Freund von dieser Headline. Und er? "Naja, wer ist denn mächtiger?" Hmmmm ... so hab ich das noch nie gesehen. Britney Spears vielleicht? Ich bitte um Alternativvorschläge zur Rettung meines Weltbilds. Es MUSS einfach noch jemanden geben, der mächtiger als Frau Merkel ist!
03 Juni 2004
Grossartig. Jetzt sehe ich aus wie ein Romulaner. Das entspricht auch viel mehr meinem Charakter. Ich bin zufrieden.
Deprimiertheitsfaktor so hoch, dass ich jetzt zum Frisör gehe. Und rückwärts einkaufen, d.h. ich bringe Schuhe in Geschäfte. Ich kann die Sonne heute irgendwie nicht leiden.
02 Juni 2004
Die ersten Sonnenstrahlen konnte ich nutzen, um eine neue Berliner Attraktion zu begutachten. Eben besagter Ort, genannt „das Badeschiff“, rief mir nach langer Zeit mal wieder verschiedene psychologische Theorien ins Gedächtnis. Z.B. jene der Proxemik von Hall. Bislang habe ich es mein ganzes Leben vermieden an Orten zu verweilen, an denen der nächste Sonnenhungrige genau drei Zentimeter von mir entfernt liegt. Wenn sich der erste in der Reihe entscheidet von der Bauch- in die Rückenlage zu wechseln, drehen sich 700 Menschen simultan. Überall liegen Menschen in meiner intimen Zone (0 bis 50 cm). Ich bin tapfer und weine nicht. Es fällt mir mit steigender Temperatur schwer einzelne Menschen auszumachen. Ich sehe nur ein Körperheer. Genauer gesagt ein Körperkultheer. Gleichzeitig fühle ich mich wie meine eigene Großmutter. Nicht mal ein klitzekleines Tatoo oder wenigstens ein an einer exotischen Stelle angebrachtes Piercing ermöglichen mir die unauffällige Integration in die Körpermasse. Während ich in die Sonne blinzele, frage ich mich, wie viele der hier zu begutachtenden Tätowierungen, vornehmlich identisch aussehende Tribals oder chinesische Schriftzeichen, von einem Eingeweihten auf ihre Tauglichkeit geprüft wurden. Wahrscheinlich stolziert jeder zweite mit dem ewiglichen Aufdruck „Nudeln süß-sauer“, „Nummer sechsunddreißig“ oder „diesen Hund bitte nicht verspeisen, er ist mein Haustier“ mit stolz geschwollener Brust über den eigens dafür angelegten Holzsteg. Die Körper finden sich selbst so sehenswert, dass sie zum Wechseln ihrer Kleidung keine Handtücher oder sonstige Verdeckungsmöglichkeiten nutzen. Nein, sie entkleiden sich gemächlich, rubbeln ihre Geschlechtsteile minutenlang trocken, halten eine Weile Ausschau nach den anderen hippen Freunden und ziehen dann endlich ihre Garderobe wieder über. Ich werde konservativ.
01 Juni 2004
Sommer ist doch was schönes ... Image Hosted by ImageShack.us

kostenloser Counter Check Page Rank