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31 Juli 2004
Pack die Badehose ein ... und die Lomo ... und das Peng-Peng-Spiel und ab an den See. Meine Putzfrau ist heute wieder aus der Versenkung aufgetaucht. Sie hat mich zugegebenermaßen ein wenig vorwurfsvoll angesehen was den Zustand meiner Wohnung angeht. Mein Mitbewohner hat einen Kasten Wasser geholt bevor er nach Bayern verschwunden ist. Die Sonne scheint. Ich habe ekelhaft gute Laune!
29 Juli 2004
Hallo, ich suche dringend jemanden mit Datenbankprogrammierkenntnissen. Ich kann es wirklich nicht mehr ertragen, jeden Morgen zu denken, ich hätte nichts zum Anziehen. Rational weiss ich, dass es nicht stimmt - aber emotional ist es Tag für Tag das selbe erschütternde Erleben. Folgendes Projekt muss umgesetzt werden: Ich fotografiere alle meine Kleidungsstücke und benenne passende mit dem gleichen Buchstaben. Beiger Anzug mit hellen Streifen = A, weisse Blusen und weisse T-shirts = a0, weisser Gürtel = A, weisse und silberne Ohrringe = A0, grüner Anzug = B (wobei 0 eine Art Universalkombinat darstellt) etc. Die Fotografien gebe ich alle in eine Datenbank ein und ein Zufallsgenerator sucht mir auf Knopfdruck ein komplettes Outfit aus. Das wär ein Traum! Ich muss nur aufpassen, dass ich zwischen Ober-, Unterteilen und Assesoires zuverlässig unterscheide. Ich denke, drei Gürtel und vier Paar Ohrringe kombiniert mit einem Rock sind kein angemessenes Bürooutfit.
Bei diesem Wetter sollte ich das Büro gar nicht erst verlassen. Es kostet unmenschliche Überwindung wieder an den Ort des Grauens zurückzukehren. Manchmal bewundere ich meine Willensstärke! Außerdem, wenn ich vergleiche, was mir früher peinlich war und wie abgehärtet ich heute bin ... z.B. setze ich mich ohne mit der Wimper zu zucken mit meinem Mittagessen im Anzug mitten auf den Marlene-Dietrich-Platz. Früher wäre das undenkbar gewesen! Es gibt auf diesem Platz genau zwei Arten von Menschen - meine, die Büroschnepfen und -hengstekategorie und die hippe Jugend. Wenn ich die Jugendlichen von heute näher betrachte, so springt mir lediglich ein Detail ins Auge: acht von zehn sind tätowiert. Ich bewundere Menschen, die so lang anhaltende Entscheidungen treffen können, aus der tiefsten Faser meines Herzens (bis aufs Myosin!). Andererseits macht mich der Anblick auch sehr traurig. Ich werde niemals die Kindergeneration dieser Jugendlichen erleben. Eine ganze Generation von Kindern mit tätowierten Eltern, die nicht im Knast waren. Ob das schwerwiegende psychologische Beeinträchtigungen nach sich zieht?
28 Juli 2004
In letzter Zeit ... mit dem unaufhaltsamen Fortschreiten meines Alters sozusagen ... mache ich mir öfter Gedanken über Schönheit. Dies ist zudem ausgelöst durch den Sachverhalt, dass ich stets als "nicht schön aber ganz interessant" kategorisiert wurde. Wohl wissend, dass jegliche Schönheit und wahrscheinlich auch optische Interessantität irgendwann schwindet, habe ich mich bereits in meiner frühsten Teenagerzeit daran gemacht nach gewissen Auswegen zu suchen. Sei es drum. Mir ist aufgefallen, dass bestimmte, alsgemeinhin für sehr attraktiv gehaltene Frauen leider in den meisten Fällen indirekt proportional zu ihrer Schönheit ein gewisses Defizit an Bildung und Abstraktionsvermögen aufweisen. Meine These ist jene: Es handelt sich um ein schnödes Zeitproblem. Ich, die es mangels organisatorischerFähigkeiten nicht mal schafft, regelmäßig den Müll rauszutragen, habe das mal ausgerechnet. Zu bewältigen ist folgendes Programm: zwei bis drei Mal mindestens eine Stunde Fitnessstudio (Anfahrt, umziehen, duschen, Heimfahrtmit einer weiteren Stunde berechnet), zwei Mal pro Woche Solarium (pauschal je eine Stunde), einmal monatlich Frisör (mit Strähnchen pro Sitzung 4 Stunden), einmal pro Monat Nagelstudio (2 Stunden), shoppen und Sonderangebote erjagen (weitere pauschale 6 Stunden pro Woche), Frauenzeitschriften lesen, im Internet nach Trends und Tipps suchen (3 Stunden pro Woche), mit Freundinnen austauschen (6 Stunden pro Woche), schminken und Haare waschen (täglich 2 Stunden), Kosmetikerin aufsuchen (3 Stunden monatlich) ... macht also insgesamt 157 Stunden pro Monat, die in Schönheit investiert werden. Zum Vergleich, die 38 Stunden-Woche kostet nur 152 Stunden im Monat. Nun: wann sollen diese wunderhübschen Dinger denn Zeit haben sich um etwas anderes als ihr Aussehen zu kümmern?
Wenn ich von meinem Arbeitsplatz schräg nach unten sehe, erblicke ich den Potsdamer Platz. Das ist zugegebenermaßen bisweilen recht ablenkend. Oft muss ich ob meiner Fehlsichtigkeit länger als durch meinen Arbeitgeber beabsichtigt aus dem Fenster starren. Genau in der Mitte der Betonwiese stehen mehrere als amerikanische Polizisten verkleidete Herren. Sie haben Glück. Heute scheint die Sonne, sonst müssten sie mit ihren schwarzen Sonnenbrillen zweifelsohne wie Maulwürfe auf ihr Klientel zurumpeln. Nun denn. Ich erblicke also die uniformierten Männer und lese "Probesitzen". Hm. Worauf? Auf einem der Cops? Ich spiele kurz mit dem Gedanken nach derArbeit probesitzen zu gehen. Sicherlich ist es möglich, sich einen der jungen Herren auszusuchen. Ich konzentriere mich wieder auf meine Arbeit. Einige Zeit später streift mein Blick wieder den Stand in Sichtweite. PROBESITZEN. Für was mögen sie wohl werben? Weitere vier Stunden (!) später fällt mir ein weiteres Detail auf. Neben den freundlichen Herren steht einstilisiertes Gefängnis. Hab ich glatt übersehen. Uniformierte Jünglinge interessieren mich anscheinend mehr als gegitterte Hohlräume. Probesitzen im Gefängnis also. Ich kneife meine Augen zusammen und versuche das Rätsel zu entschlüsseln. Neue IKEA-Werbestrategie? GEZ-Warnstand? Wirbt hier die BVG gegen schwarzfahren? Ich werde es wohl erst erfahren, wenn ich 13. Stockwerke und 500 Meter zu dem Stand überwinde ... in der Zwischenzeit bin ich dankbarfür weitere Hypothesen.
27 Juli 2004
Manchmal wenn ich von der Arbeit nach Hause komme und den ganzen Tag die Fenster geöffnet hatte, habe ich das Gefühl, dass der ganze Lärm der Straße in meiner Wohnung gefangen ist. Ich frage mich, wie ich ihn wieder rausscheuchen könnte. Wahrscheinlich kann auch hier nur die Technik helfen und ich muss ihn mit meinem Staubsauger einsaugen.
25 Juli 2004
Am Freitag Abend habe ich zwei Entdeckungen gemacht: Erstens ... meine einzige ernstzunehmende Problemzone ist mein Gehirn und zweitens ... wer in Kreuzberg mal wirklich einen ungewöhnlichen Ort aufsuchen möchte, der begebe sich umgehend in das "zum schwarzen Eber". Der Laden wird in kürzester Zeit die In-location in Berlin. Sie verkaufen dort chilenischen Rotwein mit Drehverschluß und die Musik spendet MTV. Die Tätowierungen der Mittrinker sind wirklich originell und einzigartig. Keine Tribals, keine Arschgeweihe. Die sanitären Anlagen zeichnen sich durch ohrenbetäubenden Zironengeruch aus. Die Barhocker haben endlich mal Rückenlehnen und der Barkeeper kann mit seinem Zahnarzt per Mail Termine machen. Es wird reichen sein enormes Gebiß zu fotografieren und an selbigen zu schicken. Schade, dass das Etablissement bereits gegen ein Uhr schließt.
22 Juli 2004
Super! Ich dachte schon, die Geschichten gehen mir aus. Aber neeeeein! Mein Leben kann einfach nicht normal verlaufen. Also: mein Mitbewohner/Kollege/Alles-in-einem und ich steigen in der 18. Etage in den Aufzug und drücken Etage 13. Der Aufzug setzt sich in Bewegung, hält in der 13. Leider geht die Tür nicht auf. Stattdessen geht das Lichts aus, der Aufzug sackt ab. Während der Fahrt geht der Alarm los, aber das hat meinen Schrecken nicht wirklich zusätzlich verstärkt. Mein Mitbewohner hatte auch so etwas Beunruhigendes im Blick und als er dann auch noch seine Hand auf meine Schulter legt, dachte ich wirklich: super, jetzt sterbe ich. Nein! Eigentlich dachte ich: SCHEISSE! Die Geschichte ist insofern nicht wirklich spannend, weil man das Ende erraten kann. Der Aufzug kam im Erdgeschoss quitschend zum Stillstand. Ich lebe. Unten wusste ich lange nicht, ob ich jetzt weinen oder lachen soll. Ich hab mich dann entschlossen einfach gar nichts zu tun und wie eine Statue rumzustehen und den Fahrstuhl vorwurfsvoll anzusehen. Was mich erschüttert ist, mein letzter Gedanke wär also ein Schimpfwort gewesen. Mehr nich. Nix mit mein Leben zieht an meinem geistigen Auge vorbei oder hach plötzlich ist mir klar, was wichtig ist und was nich. Meine Freundin fragte mich ungerührt: Was hast Du denn vorgehabt? Noch ein abschließendes Wort zum Weltfrieden zu verfassen?
Schon wieder Geld beim Wetten verloren und zudem noch mein Weltbild aus der Verankerung gerissen. Ich dachte immer Junikäfer seien die hübschen, roten, schwarz gepunkteten Käferlein, über die sich alle freuen, wenn sie einem beispielsweise ins Auge fliegen. Dem entgegen hielt ich Marienkäfer für die dicken, unsympathischen Brummer. Die Hummeln unter den Käfern. Gleichzeitig dachte ich Marienkäfer und Maikäfer seien das selbe Insekt. Leider verhält sich alles ganz anders. Marienkäfer sind die Lieben. Maikäfer die braunen Dickerchen. Und um es abzukürzen: meinen Recherchen zufolge, habe ich in meinem Leben noch nie einen Junikäfer gesehen. Nachdem ich das jetzt ein für alle Mal geklärt habe, bin ich bereit mich zu vermehren. Meinen Kindern werde ich zumindest nicht mehr solche Halbwahrheiten vermitteln. Die bekommen gleich zur Geburt eine Insektenenzyklopädie. P.S. Ich arbeite übrigens gerade an einer ausgefeilten psychologischen Theorie, wieso man manche Krabbeltiere niedlich findet und andere abscheulich.
20 Juli 2004
Das Mittelalter wölbt sich über den Gürtel der Geschichte wie ein Bierbauch. Heute ist es zu spät für Aerobic oder Hüttenkäse-Diät, um das Mittelalter abzuspecken. Die Geschichte wird auf alle Zeiten Shorts in Größe 48 tragen müssen. (auch geklaut) Fiel mir aber so ein, weil ich heute meinen ersten halben Tag im neuen Job hatte. Dieses "siezen" ist ein merkwürdiges Ritual und ich muss mich immer so zusammenreißen, um nicht zu kichern. Wir sind alle gleich alt und es ist ziemlich absehbar, dass wir uns nicht ewiglich mit diesem komischen Wort auf Distanz halten werden – warum also antiquiert an dem Ritual festhalten? Noch merkwürdiger ist bei genauerem Nachdenken, das Phänomen, dass Männer sich im Geschäftskontext dünne Stoffstücke um den Hals knoten.
17 Juli 2004
Dieser Samstag begann mit einer Katastrophe. Nach nur vier Stunden Schlaf klingelte mein Wecker, weil ich meine Putzfrau erwartete. Dem Tode näher als dem Leben, quäle ich mich aus meinem Bett, um meinen ganzen Krempel im Schrank zu verstauen (damit sie überhaupt Platz zum Putzen hat). Eine halbe Stunde später fällt mir ein: sie hat Urlaub. Leider hab ich mir nicht gemerkt wann sie wiederkommt. Da ich schon mal wach war, wollte ich die Zeit nutzen und ausnahmsweise einkaufen gehen. Einkaufen um diese Uhrzeit ist eine böse, böse, böse Idee. Zwischen zehn und vierzehn Uhr gehen nämlich nur frustrierte Karrierefrauen mit Arschlochkindern einkaufen (Tschuldigung, das mußte ich von einem anderen Blog klauen, aber es ist so unsäglich passend). Da wird man halbverschlafen angerempelt oder immer und immer wieder mit dem Kinderwagen angefahren. Wenn man die Dame irritiert ansieht, erntet man Todesblicke. Sie zicken sich gegenseitig an und vergiften die Luft. Ihre Kinder schreien schrill und sitzen in den Einkaufswägen wie in kleinen Gefängnissen und rütteln an den Metallgittern. Schrecklich! Ich bin schnell wieder nach Hause und dann sofort ins Bett. Heute Abend treffe ich mich mit jemanden, den ich fünf Jahre davon überzeugen musste, dass er mich unbedingt mal kennen lernen will. Er bringt seine Freundin mit und hat sich gewünscht, dass wir uns ununterbrochen anzicken. Ich werde mir einfach vorstellen, dass sie eine dieser Frauen von heute morgen ist. Ich sollte Vorschläge für die Abendgestaltung machen. Da ich nicht kreativ bin, muss ich auf eine externe Anregung zurück greifen: Ringbahntrinken. Das geht so: Man nimmt zwei Würfel und eine Münze mit und steigt an einer beliebigen Station in die Ringbahn ein, würfelt und fährt so viele Stationen wie Augen gewürfelt wurden. Man verlässt den Bahnhof, wirft eine Münze. Kopf bedeutet rechts und Zahl links. Daraufhin kehrt man in die erste Kneipe ein, die einem begegnet und trinkt ein Bier. So fährt man fort bis man irgendwann an der Ausgangsstation wieder angekommen ist. Ich hab ein bißchen Angst, dass ich nie mehr zurück komme.
16 Juli 2004
Kann das sein? Scissor Sisters in Deutschland und dann spielen die nur bei Radio Fritz und auf dem Melt Openair in Grafenhainichen? Is ja naheliegend. Grafenhainichen, Toronto, Vancouver, Seattle, San Francisco, Los Angeles, New York .... Das is doch total gemein. Wenn ich auf die Uhr sehe, dann habe ich eigentlich genau noch acht Stunden, um jemanden mit Auto, Zelt und Zeit am Wochenende kennen zu lernen, der mich dorthin begleitet. Der Kerl aus der 7. Etage hat bestimmt ein Gefährt. Schade, dass er sich so Mühe gibt, mir aus dem Weg zu gehen.
15 Juli 2004
Kurzentschlossen eine neue CD zu erwerben, betrete ich nach der Arbeit ein großes, kommerzielles Musikgeschäft. Nach halbstündiger Suche unter allen mir naheliegend erscheinenden Kategorien, gebe ich auf und laufe zum Informationsschalter: „Guten Tag, ich suche eine CD von Tomte. Können sie mir vielleicht sagen unter welcher Kategorie sie zu finden ist?“ „Nä“ Kaufwillig ziehe ich die Augenbraue hoch. „Bedeutet das, sie können es mir nicht sagen oder bedeutet es, sie haben keine CDs von Tomte?“ „Wie?“ Ich räuspere mich, setze erneut zum Sprechen an. Bevor das erste Phonem meinen Sprechapparat verlässt, werde ich unterbrochen. „Hamma nich.“ „Wären sie wohl so freundlich in ihrem eigens zu diesem Zweck zur Verfügung stehenden Rechner nachzusehen?“ Zähneknirschen. „Wie solln die heißen?“ „Tomte“ „Wieee?“ „Tomte“ „Könnense dit ma buchstabieren?“ „T – O – M – T – E“ Verkäufer tippt „T – o – l – t – e“ „Sehense, hamma nich“ Ich atme tief ein. „Wenn sie es vielleicht T - O - Marta – T - E schreiben würden, wäre unser Unterfangen evtl. mit Erfolg gekrönt“ Verkäufer schnaubt doppelt so laut, hämmert die gewünschten Buchstaben ein. „Die jibbet ja wirklich!“ „Tatsächlich? Wie unerwartet. Können sie mir denn nun sagen, WO ich diese CD finden kann?“ „Nä.“ Ich bekomme ein nervöses Zucken in meinem rechten Augenlid. Mit zuckersüßer Stimme frage ich erneut nach: „Und wieso nicht?“ „Hammwa nich.“
12 Juli 2004
Aufzugtriologie Jeden Morgen gehe ich mit meinem Mitbewohner zusammen in die Arbeit. Wir betreten gerade das Gebäude als ich sehe, dass „der schöne Mann“ meines Unternehmens das Drehkreuz passiert und auf den geöffneten Aufzug zusteuert. Eigentlich unterhalte ich mich gerade mit meinem Mitbewohner. Kurz entschlossen breche ich das Gespräch mitten im Satz ab, hechte zum Drehkreuz und werfe mich zwischen die sich schließenden Lifttüren. Dabei erleide ich ein weiteres Mal mittelschwere Quetschungen. Ich quieke und drücke mich durch die Öffnung. Durch den Schwung rempel ich ihn fast an. Ich grinse verlegen. Er mustert mich wie ein seltenes Insekt. Um seinen Hals hängt vorschriftsgemäß sein Konzernausweis. Leider verdreht. Während er sich mit einem Kollegen unterhält, versuche ich durch verschiedene Schiefstellungen meines Kopfes den Namen zu lesen. Vergebens. Immerhin erfahre ich zwei elementare Dinge: er arbeitet in der siebten Etage und seine Stimme klingt angenehm. Eine Woche später stehen wir in der Etage unseres Cafés vor dem Aufzug. Wir drücken beide auf die Aufzugruftaste. Leider führt mich mein Weg nach oben und er strebt die entgegengesetzte Richtung an. Der erste Aufzug ist für mich. Ich steige ein, will mich lässig an der Stange zu meiner Rückenseite abstützen und ihn anlächeln. Leider greife ich daneben. Auch diesmal ist sein Blick eher als verständnislos als als flirtbereit zu deuten. Wieder ein Paar Tage später. Gleicher Ort. Nur dass wir diesmal beide schon im Aufzug sind und er in der Caféetage aussteigt und ich im Aufzug bleibe. Der Aufzug geht auf, er verlässt ihn und da ich rechts in der Ecke stehe und ihn nicht mehr sehen kann, mache ich einen Ausfallschritt nach links, um ihm hinterherzuschauen. Während ich mich also in besagte Richtung biege und erwarte ihn entschwinden zu sehen, steht er spiegelbildlich zu mir und macht die selbe Bewegung. Ich erschrecke mich zu Tode, hüpfe hektisch in Deckung und schlage nach dem Türen-Schließen-Knopf. Ich fürchte, ich werde ihn nie kennen lernen. Eigentlich müßte es eine unauffällige Strategie geben. Allein in der letzten Woche sind wir uns zufällig vier Mal begegnet. Exakt um 10.30 Uhr geht er Kaffee trinken. Mein Nachbar meint, ich solle meinen Mitbewohner überreden um die selbe Zeit mit mir Kaffee trinken zu gehen und warten, dass sich eine Gelegenheit ergibt. Auf meinen Einwand, dass der schöne Mann so denken könnte, wir seien ein Paar, erwidert er: „Nein, das macht ihr so. Beim Kaffeetrinken springst Du vom Tisch auf und rufst: Versteh doch endlich, es ist Schluss! Mein Mitbewohner soll dann sagen: Wie kannst du mir das antun? Du bist so schön und so ein wundervoller Mensch und im Bett bist du auch so eine Kanone...“ Ob diese dezente Vorgehensweise tatsächlich sein Interesse weckt?
„Hallo Herr Doktor, ich habe ein unangenehmes Gefühl, welches durch ein Neurotransmitterungleichgewicht ausgelöst wird. Was kann ich dagegen tun?“ „Setzen sie sich auf ihr Sofa. Starren sie Wände an und suchen sie sich ein Lied, das sie mindestens vierundsiebzig Mal hintereinander hören. Essen sie dazu große Mengen Schokoladeneis.“ „Ah. Und was mache ich, wenn ich kein Sofa habe?“ „Das ist ein Problem. Sie können alternativ übermäßig viel arbeiten.“ „Klingt gut. Arbeit habe ich.“ „Gratulation.“ „Danke!“
Also falls sich jemand über das Wetter beschweren will. Heute bin ich schuld. Ich hab gestern das Brunchbuffet nicht aufgegessen und dann habe ich mir beim Abendgebet noch passendes Wetter für meine Laune bestellt. Konnte ja nicht ahnen, dass es so einfach funktioniert.
11 Juli 2004
Projekttreffen überstanden und mal wieder die Geschichte des Hundes meines Vaters zum Besten gebracht. Der furchtbare Hund heisst "Lady" (was es unglaublich erniedrigend macht, ihn im Park zu rufen). Zu allem Überfluss hat der Hund Fleischallergie. In der ersten Woche, in der er mir anvertraut wurde, habe ich alle Anweisungen befolgt und dem Köter täglich frische Zucchini, Möhren und Reis gekocht. In der zweiten Woche verfütterte ich versuchsweise das bewährte Chappi. Leider bekam Lady davon Haarausfall. In der dritten Woche nahm mein Vater schweigend einen nackten Hund in Empfang. Ich hätte das nicht tun sollen, denn der Hund mutierte nach Absetzen seines gewohnten Diätprogramms zur Kuh. Ich hatte ihn zum Lernen in der Wiese angepflockt. Die Töle hatte nichts anderes zu tun, als die Wiese zu mähen und dann kiloweise halbverdautes Gras in meine Wohnung zu kotzen. Was für ein herzallerliebstes Haustier.
05 Juli 2004
Wieso bekommt man ab einem gewissen Alter Lebenshilferatgeber und Glückwunschkarten mit Sprüchen wie: "Wahre Schönheit kennt kein Alter"?
02 Juli 2004
"Am Spielstand wird sich nicht mehr viel ändern, es sei denn es schießt einer ein Tor." Zitat Franz Beckenbauer Wem es noch nicht aufgefallen sein sollte ... Otto Rehhagel ist auch auf dem Retrotrip. Es scheint mir ein wenig als verfolge er diesen Trend schon seit einigen Jahrzehnten. Aber seine Frisur finde ich zeitlos schick. Auch hat mich gestern der Kommentar des völlig aufgelösten Fußballreporters bewegt: "Otto Rehhagel sieht nicht aus als ob er sich freut! Nein, es sieht aus als wenn er mit beiden Händen Glühbirnen eindreht!!!" Ich wünschte, es gäbe eine Seite auf der die ganzen Spiele der EM transkribiert sind... Ottoooooo!
Als ich im Spiegel zufällig den Biltzerzeuger gegen Demonstranten (nur 50.000 Volt) sah, fiel mir eine weitere Geschichte ein. Vor einem Jahr wohnte ich noch im pittoresken Moabit. Die wildesten Geschichten wurden mir über die Gefährlichkeit dieses Bezirks von allen Seiten zugetragen. Passiert ist nie etwas. Experimentellerweise haben wir beispielsweise nach Einzug in die Wohnung (alles stand schön verpackt in den Innenräumen) vier Stunden lang die Tür offen gelassen. Als wir wiederkehrten, saß unsere Nachbarin im Klappstuhl vor dem Eingang und berichtete uns stolz, dass niemand etwas entwendet habe. So viel als Vorspann. Ich habe mich deswegen zu allen Tages und Nachtzeiten stets ungezwungen durch diesen Stadtteil bewegt. An einem Wochenende im November entschloss sich eine Freundin mich spontan zu besuchen. Da sie aus dem Süden Deutschlands anreiste, wurde es sehr spät. Es war bereits dunkel, als sie ihren Appetit kundtat. Wir liefen also die Turmstraße entlang um dort eine nächtliche Pizza zu verspeisen als sie plötzlich hell begeistert ruft „OHHHH! Schau mal da!“ Ihre Stimme legte nahe, dass sie gerade eine Sternschnuppe oder aber das Christkind gesehen hatte. Ich blicke also in die angedeutete Richtung und was sehe ich? Dreißig schwer bewaffnete Polizisten, mit Helm und allen anderen erdenklichen Schutzaccessoires. Sie rennen genau auf uns zu und biegen mit Geschrei rechts vor uns ab, treten eine Tür ein und ... die ersten Schüsse fallen. Ich packe also meine Freundin an der Hand und rufe: „Los! Lauf!“ Als wir also die Turmstraße wie die Irren entlang rennen, repetiert sie: „Nicht weglaufen, wenn wir weglaufen, denken die wir haben was damit zu tun, dann schießen sie uns bestimmt in den Rücken.“ Klar, so macht das unser Schutzdienst. Schießt grundsätzlich auf weglaufende, junge Mädchen. Sie liegt mir bis heute in den Ohren, dass wir aufgrund meiner Fahrlässigkeit fast erschossen worden wären. Das ist also der Dank dafür, dass ich ihr Leben rettete.
01 Juli 2004
Achtung. Das ist eine Werbeunterbrechung für eine fremde Seite -> mein zukünftiger Ehemann schrieb folgendes /Hm. Eben bin ich durch die Wilmersdorfer gelaufen und höre schon von weitem die üblichen Geschäftseröffnungsgeräusche: Eine mittelschlechte Band, ein Glücksradkommentator und Propagandisten, die irgendwas zu verticken versuchen. Ach ja, fällt mir da ein, FIELMANN eröffnet heute seinen "MEGASTORE". Wie man mit ein paar blöden Brillen einen Megastore aufziehen will, habe ich mich schon nach der dauernden Ankündigung im Radio gefragt. Meine Vermutung: Wir haben unterschiedliche Vorstellungen von MEGA~, der Herr Fielmann und ich. Aber. Jetzt wollte ich diese meine Annahme überprüfen. War aber nix mit überprüfen. Vor dem Laden befanden sich nämlich drei Schlangen (in Worten: 3!) - und zwar nicht Reptilien, sondern hintereinander in Wartehaltung anstehende Menschen, jeweils etwa 40m, also jeweils ca. 60 Leute (hab nicht gezählt). Fragezeichen??? Unsereiner versteht ja schon nicht, was an irgendeinem blöden Laden so interessant sein soll, daß man überhaupt dafür anstehen würde. Aber gleich DREI Schlangen? Bei genauem Hinsehen ergibt sich: Nur eine Schlange führt überhaupt zur Tür des Geschäfts. In einer Schlange warten die Leute nur darauf, an einem Glücksradspiel teilnehmen zu dürfen. An der dritten ist überhaupt nichts zu sehen, sie endet vor einem runden Stehtisch mit ein paar blauen Anzugträgern auf der anderen Seite (also: Die Anzüge waren blau), deren Tätigkeit nicht erkennbar ist. Haben die Leute nix zu tun? Oder besser: Haben so viele Leute nichts zu tun? Oder noch genauer: Haben so viele Leute nichts sinnvolles zu tun? So langsam erschließt sich mir die Zuschauerschicht der Nachmittagstalkshows und Vorabendserien. Und ich hatte das für ein Phänomen meiner sehr abgelegenen Heimatstadt in der Provinz gehalten, wo wirklich nichts anderes passierte, als daß vielleicht alle drei Jahre mal ein Supermarkt eröffnete und sich die Leute davor drängelten, weil die sich zwischen Hausputz und Einkauf kaum andere sinnvolle Beschäftigung ausdenken konnten. Das waren allerdings andere Zeiten: Damals, zu Beginn der siebziger Jahre, gab es noch keine Fernsehprogramme around the clock, und selbst von diesen nur drei, es gab keine Computerspiele, nicht mal einen vernünftigen Buchladen in der Ortschaft, keine Handys, CDs und auch die Individual-Motorisierung war nur halb so weit wie heute, es gab keinen Zoo, keine Museen, und nur zwei mäßig gute Cafes, in denen sich wohlhabende Rentnerinnen trafen. Jetzt stehe ich also hier, mitten in der Großstadt, anfangs des 21. Jahrhunderts, vor einer Menschenschlange, die dringend Einlaß in einen Brillensupermarkt begehrt und dafür die Zeit aufwenden will, mit der sie wirklich nichts besseres anzufangen weiß. Ob Herr Fielmann und ich unterschiedliche Vorstellungen von MEGA haben, werde ich nicht erfahren. Zum einen handelte es sich um einen freudschen Hörfehler meinerseits - in der Werbung war nämlich nur ein SUPER-Store angekündigt, nix MEGA. Und außerdem ist es mir zu blöd, mit diesen Dummbeuteln so lange anzustehen, bis genug andere Hohlbrote den Laden verlassen haben, damit Platz für uns wird. Der Laden wird ja nächsten Montag auch noch existieren./
Oh. Muss ich jetzt sterben? 17 meiner 25 Flip-Flops sollen laut ÖKO-Test giftig sein. In manchen soll sogar Zinn enthalten sein. Ich frage mich gerade, ist Zinn nicht auch in meiner überteuerten Antifaltencreme enthalten? Dann muss ich die Dinger also gar nicht entsorgen sondern ich reibe sie mir so lange ins Gesicht bis sie aufgebraucht sind. Sollte es nicht Zinn gewesen sein, verursacht das regelmäßige Insgesichtreiben der Schuhe sicherlich einen schnellereren Tod als wenn ich die Schadstoffe nur durch kleine Stelle zwischen den Zehen aufnehme. Was wird auf meinem Grabstein stehen?
Der Tag danach ist immer ein Graus. Sojasoße scheint den Flüssigkeitsanteil im Körper um weitere 40% zu erhöhen. D.h. ich bin mehr Wasser als Mensch und meine Augen sind so geschwollen, dass es an ein Wunder grenzt überhaupt noch etwas sehen zu können. Dennoch konnte ich durch meine kleinen Guckluken in der U-Bahn Sonderliches beobachten. Da sitzt eine aufgetakelte junge Dame und liest irgendein Schundblatt (Berliner Kurier?). Neben ihr ein seriöser Herr in Anzug. Er hält vor sich doch allen Ernstes einen Sammelband "Kritik der reinen Vernunft. Kritik der praktischen Vernunft. Kritik der Urteilskraft". Da starrt er also drauf und ganz ehrlich, er sieht sehr gelangweilt aus. Seine Augen bewegen sich auch gar nicht mit den Zeilen. Nach einigen Minuten bemerkt er die Lektüre seiner Nachbarin und beginnt aufmerksam darin zu lesen. Sein Gesicht hellt sich auf. Als die Frau nach ca. fünf U-Bahnstationen (!) endlich die Doppelseite gelesen hat und umblättern will, schnellt reflexartig die Hand des Mannes nach vorne und ihm entfährt ein "Hey! Aber ich bin doch noch gar nicht fertig!" Das kommt davon wenn man Kant liest. Man sollte sich an die Engländer halten, wenn sie sagen: traue keinem Philosophen wenn er [KANT] heißt.

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