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12 Juli 2004
Aufzugtriologie Jeden Morgen gehe ich mit meinem Mitbewohner zusammen in die Arbeit. Wir betreten gerade das Gebäude als ich sehe, dass „der schöne Mann“ meines Unternehmens das Drehkreuz passiert und auf den geöffneten Aufzug zusteuert. Eigentlich unterhalte ich mich gerade mit meinem Mitbewohner. Kurz entschlossen breche ich das Gespräch mitten im Satz ab, hechte zum Drehkreuz und werfe mich zwischen die sich schließenden Lifttüren. Dabei erleide ich ein weiteres Mal mittelschwere Quetschungen. Ich quieke und drücke mich durch die Öffnung. Durch den Schwung rempel ich ihn fast an. Ich grinse verlegen. Er mustert mich wie ein seltenes Insekt. Um seinen Hals hängt vorschriftsgemäß sein Konzernausweis. Leider verdreht. Während er sich mit einem Kollegen unterhält, versuche ich durch verschiedene Schiefstellungen meines Kopfes den Namen zu lesen. Vergebens. Immerhin erfahre ich zwei elementare Dinge: er arbeitet in der siebten Etage und seine Stimme klingt angenehm. Eine Woche später stehen wir in der Etage unseres Cafés vor dem Aufzug. Wir drücken beide auf die Aufzugruftaste. Leider führt mich mein Weg nach oben und er strebt die entgegengesetzte Richtung an. Der erste Aufzug ist für mich. Ich steige ein, will mich lässig an der Stange zu meiner Rückenseite abstützen und ihn anlächeln. Leider greife ich daneben. Auch diesmal ist sein Blick eher als verständnislos als als flirtbereit zu deuten. Wieder ein Paar Tage später. Gleicher Ort. Nur dass wir diesmal beide schon im Aufzug sind und er in der Caféetage aussteigt und ich im Aufzug bleibe. Der Aufzug geht auf, er verlässt ihn und da ich rechts in der Ecke stehe und ihn nicht mehr sehen kann, mache ich einen Ausfallschritt nach links, um ihm hinterherzuschauen. Während ich mich also in besagte Richtung biege und erwarte ihn entschwinden zu sehen, steht er spiegelbildlich zu mir und macht die selbe Bewegung. Ich erschrecke mich zu Tode, hüpfe hektisch in Deckung und schlage nach dem Türen-Schließen-Knopf. Ich fürchte, ich werde ihn nie kennen lernen. Eigentlich müßte es eine unauffällige Strategie geben. Allein in der letzten Woche sind wir uns zufällig vier Mal begegnet. Exakt um 10.30 Uhr geht er Kaffee trinken. Mein Nachbar meint, ich solle meinen Mitbewohner überreden um die selbe Zeit mit mir Kaffee trinken zu gehen und warten, dass sich eine Gelegenheit ergibt. Auf meinen Einwand, dass der schöne Mann so denken könnte, wir seien ein Paar, erwidert er: „Nein, das macht ihr so. Beim Kaffeetrinken springst Du vom Tisch auf und rufst: Versteh doch endlich, es ist Schluss! Mein Mitbewohner soll dann sagen: Wie kannst du mir das antun? Du bist so schön und so ein wundervoller Mensch und im Bett bist du auch so eine Kanone...“ Ob diese dezente Vorgehensweise tatsächlich sein Interesse weckt?

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