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12 September 2004
Neulich, als ich mal wieder halb schlafend im Rossmann an der Kasse stand, rempelt mich die Verkäuferin von hinten so an, dass ich fast mit dem Kinn vorne auf die selbige knalle. Erbost will ich sie gerade lautstark anmeckern, als ich erstaunt registriere, dass sie an mir vorbei gelaufen ist, um die Eingangstür abzusperren. In den Regalreihen hinter mir, rennt ein kleiner Vietnamese im Kreis und eine weitere Angestellte ihm die Worte: „Haltet den Dieb!“ schreiend hinter her. Schlagartig werde ich wach, sehe schon Live-Fernsehteam und Sondereinheiten der hiesigen Polizei anrücken. Ich ärgere mich, weil ich um 08.30 Uhr morgens auf meinen ersten Fernsehauftritt natürlich nicht angemessen vorbereitet bin und überlege, ob ich schnell zur Schminkware laufe und mich ein bißchen auf Vordermann bringe. Bürsten und Haarspangen gibt es glücklicherweise auch. Während ich also gedankenverloren vor mich hin plane, rennt im Hintergrund immer noch der mutmaßliche Dieb, gefolgt von der zweiten Verkäuferin, im Kreis. Ein großer, junger Herr wird aufgefordert, sich an der Jagd zu beteiligen und den Strolch zu stellen. Sogleich schnappt er sich den Verdächtigen und hält ihn an einem Arm fest. Dieser windet sich und kreischt, dass ich denke, gleich hat er sich beide Arme ausgekugelt. Das geht einige Minuten so, bis schließlich der Helfer keine Lust mehr hat und der Missetäter in die andere Ecke des Geschäfts flüchtet und sich dort versteckt. Die Angestellte ruft: „Los, gib die Creme sofort wieder zurück!“ Ich denke: Mein Gott, so ein Theater um einen einzigen Cremepot? und schaue mitleidig in seine Richtung. In diesem Moment öffnet der Mann seine Jacke und (ich schwöre, diesmal übertreibe ich nicht) ca. VIERZIG Cremepötte rumpeln zu Boden. Ich muss schallend lachen, denn der Mann sah klein und spindeldürr aus und ich frage mich, wo er diese ganze Ladung an Kosmetika versteckt hielt. Er muss tatsächlich das komplette Regal ausgeräumt haben. Die Situation zieht sich minutenlang hin. So stehen wir da. Der Dieb ohne Gut in der Ecke, der Helfer peinlich berührt links neben mir, die eine Verkäuferin an der Tür, die andere an der Kasse und ich fange an mich zu langweilen. Endlich wird die Tür wieder geöffnet, der Dieb rennt ins Freie. Wir tun alle so, als sei nichts passiert, ich kann endlich zahlen und nach Hause.

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