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30 Oktober 2004
Es ist 20 Uhr, seit mehr als einer Woche freute ich mich schon darauf ins Kino zu gehen. Fazit: der Film sollte in „The Boring Supremacy“ umbenannt werden. Sogar der gute Matt ... in einem Wort: UNSEXY. Zum Glück war ich von der Arbeit noch so erschöpft, daß ich an den langweiligsten Stellen ein kleines Nickerchen halten konnte. Wann immer deutsche Polizisten im Film auftauchen schreien sie: Polizei, Polizei! Im Hintergrund, im Vordergrund, alle zusammen, hintereinander und einzeln. Am Telefon sagt Matt tapfer auf deutsch: Kann ich bitte (Namen der CIA Tante einsetzen) sprechen? Die Dame am Telefon sagt: Nein, tut mir leid mein Herr. Den Inhalt kann man wie folgt zusammen fassen: Jason, der in dem Film die Maße eines kleinen Wohnzimmereinbauschrankes einnimmt, rennt dämlich durch Goa, Berlin, Neapel und Moskau und findet raus, dass er ein böser, böser Killer ist. Ich bin wirklich kein pedantischer Regiefehlerzähler, ganz ehrlich nicht. Aber dieser Film ist wirklich die Krönung. Da ich während des Flims mehrere Male einschlief, dachte ich mir, für ein weiteres Selbstexperiment sei es erforderlich Notizen zu machen. Also gehe ich nach dem Abspann aus dem Kino raus, hole mir eine neue Tüte Popkorn und setze mich gleich wieder in die 23 Uhr Vorstellung. Ich bringe zu Papier: Jason ist am Kudamm und rennt in zwei Minuten zum Bahnhof Zoo, beamt sich an den Lehrter Stadtbahnhof und springt dann vom Gleis der Friedrichstraße auf ein Schiff. Die CIA-Tante braucht nach Aussage ihres Mitarbeiters mit dem Auto vom Alexanderplatz zum Zoo drei Minuten. Das ICC befindet sich am Flughafen Tegel. [...] Schön auch, dass drei Viertel der Szenen in Moskau ebenfalls Berlin zeigen. Vom Moskauer Bahnhof einmal links abgebogen und man ist in der Karl-Marx-Allee in Berlin. Vom Potsdamer Plattenbauviertel entkommt man im Fall einer Verfolgung über die Fischerinsel. Es war grauenhaft. Bei Notiz 86 falle ich erneut in den Tiefschlaf. Das aller, aller, allerschlimmste: Sie erfinden einen Zug, der direkt von Berlin nach Moskau fährt. Ohne in den Fahrplan zu schauen, weiß ich aber: Den Zug gibt es nicht. Man muß in jedem Fall in Warschau umsteigen. Kurz nach eins verlasse ich das Kino und stelle fest, daß ich jetzt zu ausgeschlafen bin, um nach Hause zu gehen. Also fahre ich zum Alexanderplatz, laufe zu den leerstehenden Gebäuden, die anscheinend vor allem von Geheimdiensten benutzt werden und setze mich aufs Dach gegenüber des Tagesspiegelgebäudes an die Stelle, an der Jason saß, starre in den Himmel und streiche Matt feierlich von der Liste meiner erotischen Phantasien.

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