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30 November 2004
Hach, es gibt soooo schöne Blogs!
Sonntag Abend ging ich in ein Restaurant. Wir bestellten: Kalb mit Pommes, Schwein mit Rosmarinkartoffeln und Lamm mit Kroketten Gebracht wurde Kalb mit Kartoffeln, Schwein fast tief gefroren und Schwein mit Kroketten. Der Kellner wird gerufen und beharrt stur darauf, dass das Schwein ein Lamm ist. Dann lenkt er in Hinblick auf die Hoffnungslosigkeit seiner Argumentationskette ein und behauptet, man hätte schließlich Schwein bestellt und das stünde doch auch auf dem Tisch. Weitere zehn Minuten später verkündet er großzügig, dass er nun das Lammgericht bringe und auch Pommes, das sei alles gar kein Problem. Die Pommes kommen geschmückt mit einem 15 cm langen schwarzen Haar in der Mitte des Tellers. Ich schnaufe durch die Nase. Weitere zwanzig Minuten später kommt das Lammfilet bei dem es sich augenscheinlich um Lammrücken handelt. Wir mäkeln jedoch nicht und essen, was auf den Tisch kommt. Geistig händereibend (also eher sowas wie gehirnlappenreibend) freue mich auf die Frage des Obers, ob es uns gemundet hätte. Ich überlege mir einen durchgängigen Text mit ansteigender Dramaturgie bis hin zur offenen Verkündung meiner Unzufriedenheit. Ziel ist es, mindestens drei Tiramisu rauszuschlagen oder alternativ eine aufsehenerregende Szene für die anderen Gäste zu inszenieren. Wahrscheinlich hat mein Auge leicht gezuckt, denn mein Freund wußte gleich, dass ich das vorhatte und bat mich uns nicht zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu machen. Da ich ein sehr braves Mädchen bin, schaute ich bei der Frage "Waren Sie zufrieden?" stur auf die Tischdecke und grummele etwas in meinem metaphorischen Bart. Nachts hat sich mein Unterbewußtsein in einem Rundumschlag befreit. Im Traum stehe ich in einer Kunstausstellung und fordere Streuselkuchen. Der Museumswärter schaut mich hilflos an und sagt mir, dass es keinen gibt. Ich schreie ihn an: "Ich will jetzt sofort Streuselkuchen!" Er hebt ratlos die Schulter. Ich haue ihm mit meiner Handtasche wütend auf den Kopf. Relativ beherrscht bittet er mich zur Besinnung zu kommen. Woraufhin ich ein Messer auspacke und damit beginne die ausgestellten Bilder zu zerstören. Im Hintergrund brüllt es: "Jetzt hole ich den Chef!" und ich kreische zurück "Na endlich, den will ich schon die ganze Zeit sprechen!". Der Chef kommt, wir debattieren. Ich drohe ihm die Römer aussterben zu lassen und alle Dinosaurier dazu. Das beunruhigt ihn sehr. Ich keife noch ein bißchen, stampfe mit den Füßen auf den Boden, bekomme am Ende meinen Streuselkuchen gebracht. An dem nuckele ich glücklich, als ich aus dem Traum erwache.
Wie ich gestern Abend dem Bastian Sick sein Buch gelesen hab' (das ist der wo "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" geschrieben hat), bin ich sehr überrascht gewesen, dass der schreibt, dass ich ziemlich viele Fehler machen tu. Das ist sonderbar. Denn ich hab schon viele Bücher gelesen gehabt, wo die Leute auch so schreiben, wie ich spreche.
Mein Lieblingskapitel ist das wo er behauptet der Singular von Zucchini sei Zucchina, weil er vorher nämlich erklärt hat, dass alle italienischen Wörter, die im Singular mit "a" enden ein "e" im Plural bekommen und alle die mit "o" enden, ein "i" in der Mehrzahl erhalten. Da wo der Bastian wahrscheinlich noch ein Babie gewesen ist, habe ich schon viel klügere’s über Sprache geschrieben.
Zu meinen Prüfungsthemen gehörten Anglizismen und Wortneuschöpfungen, die in dem Buch an mehreren Stellen als Beispiel für den Verfall der Hochsprache herangezogen werden. Ich kann meinen Impuls nicht unterdrücken einen Teil meines Prüfungsskriptes als Gegendarstellung zur Schau zu tragen.
Saßen Sie heute schon an ihrem Rechenknecht oder Schoßrechner? Haben Sie sich in das weltweite Netz eingewählt und haben bei dieser Gelegenheit gleich eine Drahtpost verschickt?
Wie aktuelle Diskussionen zeigen, plädieren strikte Retter der deutschen Sprache, für die Ausmerzung englischer Begriffe, sie fürchten den Virus des Denglisch. Dabei argumentieren sie, daß deutsche Wörter treffender seien als Fremdwörter. Fremdwörter würden eine Bildungsmauer durch das Volk ziehen, sie seien schwammig und unbestimmt. Die deutsche Sprache verarme. Die Verwendung von Anglizismen sollte konsequenterweise mit Geldstrafen unterbunden werden.
In Frankreich bewahrt die Académie Française die Landessprache. Seit dem Sommer 1994 gibt es Unterstützung durch den Gesetzgeber. Der damalige Kulturminister Jacques TOUBON erließ ein strenges Sprachgesetz. Das „Loi Toubon" verbietet die Benutzung ausländischer Wörter in Werbung, Radio und Fernsehen. Bei Nichtbeachtung drohen Gerichtsprozesse und Geldstrafen. Englische Wörter, die in Deutschland zum Alltag gehören, sind in Frankreich tabu. Mit eigenen Wortkreationen sollen englische Begriffe verdrängt werden. So heißt der Walkman "balladeur", Ketchup wird "tomatine" genannt und das Fax heißt "telecopie".
Ähnliche Versuche die deutsche Sprache zu retten, laufen, wie im Eingangsbeispiel demonstriert, schnell Gefahr ins Lächerliche abzugleiten. Auch schon zum Anfang des 19. Jahrhundert hat es ähnliche Bemühungen gegeben. Hier mußte die deutsche Sprache allerdings von französischen Ausdrücken bewahrt werden. Auch hier war man bestrebt französische Wörter durch deutsche zu ersetzen. Als unglückliche Neubildungen erwies sich beispielsweise die Umbenennung von "Perücke" (frz. perruque – Haarschopf) in Kahlkopfverlegenheitsabhelfer.
Neue Begriffe sind v.a. in "neuen Bereichen" nötig (z.B. Internet - download, E-mail, surfen, Online-Banking). Von einer Verarmung kann hier nicht gesprochen werden. Das Gegenteil ist der Fall. Die Einführung solcher Begriffe stellt eher eine Bereicherung des Wortschatzes dar. Ähnlich verhält es sich mit wissenschaftlichen Fachausdrücken. Denn die Verwendung neuer Ausdrücke verdeutlicht, daß dem Begriff eine spezielle Definition oder Operationalisierung zugrunde liegt.
Darüber hinaus verbessern Wortneuschöpfungen die Gedächtnisleistung. Auf diesen Effekt setzt beispielsweise die Werbung, indem Begriffe wie "Klimabündchen", "Aromaporen" und "Aprilfrische" einsetzt werden. Entgegen einiger Gedächtnistheorien (z.B. BROADBENT) werden nicht alle Informationen gleichberechtigt abgespeichert. Beispielsweise lassen sich Wörter an bestimmten Stellen im Text besonders gut merken (Primacy, Recency). Gleiches gilt für ungewöhnliche Wortkombinationen. Sie wecken Aufmerksamkeit und werden unter Umständen als wichtig eingestuft. Das geschieht v.a. dann, wenn sie bedürfnisrelevant sind. So können Werbebegriffe unter die FECHNERischen assoziativen Faktoren fallen, da sie die Befriedigung bestimmter Bedürfnisse versprechen. Auch Werbung, die Menschen zum Lachen bringt, kann besser abgespeichert werden. Es wird zunächst Unbestimmtheit aufgebaut, die dann durch die Pointe wieder reduziert wird. Die Reduktion eines entstandenen Bedürfnisses ist mit Lust verbunden und wird ebenfalls besser abgespeichert.
Zunächst nehmen neue Begriffe also mehr Zeit bei der Verarbeitung in Anspruch. Führen wir uns den Textverständnisprozeß vor Augen: Zu Beginn wird ein Schema aufgebaut. Beim Schemaaufbau kommt es dann zu Schwierigkeiten, wenn die grammatikalische Struktur unbekannt oder ungewöhnlich ist; gleiches gilt für unbekannte oder ungewöhnliche Wörter und lexikalische Mehrdeutigkeiten. Läßt sich das aufgebaute Schema nicht mit im Gedächtnis verankerten Schemata verbinden, muß ein Schemaumbau stattfinden. Ist das nun entstandene Schema nicht mit dem gelesenen Vortext vereinbar oder bleibt der rote Faden unklar, wird es weiter ausgebaut und es werden Details, Antezendenzen und Konsequenzen ergänzt. All dies kostet Zeit, da beispielsweise der sprachliche Input in eine bildliche Vorstellung umgewandelt werden muß. Bilder sind im Vergleich zu Sprache zwar weniger flexibel, bieten aber einen größeren Inhaltsreichtum und eine größere Plastizität. Neue Begriffe können also das Gedächtnis umstrukturieren. Es werden neue Schemata aufgebaut, vorhandene Schemata werden um- und ausgebaut und es entsteht eine größere Vernetzung, was letztendlich das Denken flexibler macht.
Ein anderes Problem stellt sicherlich die Strukturierung von Texten dar. Sprachstilratgeber wie beispielsweise die Stilfibel von Ludwig REINERS behaupten: "Wer seinen Stil verbessert, schult auch sein Denken". Der Autor fordert (neben der Rettung des Genitivs, der Einhaltung des Komparativs und der Ächtung des Nominalstils) das Vermeiden von Fremdwörtern. Außerdem plädiert er für Verständlichkeit und Knappheit. Auch zahlreiche Vertreter der Pädagogischen Psychologie wie AUSUBEL oder BRUNER plädieren für eine klare Gliederung von Texten. Unter psychologischer Perspektive betrachtet, lassen sich für diese Forderungen einige Argumente aufzählen. Beispielsweise spricht die begrenzte Kapazität des Kurzzeitgedächtnisses dafür, Formulierungen möglichst knapp zu halten. Ein durch die grammatische Form klar hervorgehobener roter Faden erleichtert ebenfalls das Verständnis.
Den deutschen Kritikern des Sprachverfalls liegt wahrscheinlich eine ganz andere Sorge am Herzen. Diese Sorge wurde beispielsweise in einem französischen Artikel des Figaro aufgegriffen:
"Sprachliche Einflüsse aus dem Ausland werden in Deutschland, bedingt durch die Geschichte, gern aufgenommen. Sprache ist eine Form des nationalen Gefühls. Und seit Hitler ist alles, das eine Beziehung zur nationalen Identität hat, in Deutschland tabu."
Diese Beobachtung repräsentiert wahrscheinlich die Furcht der Kritiker des Sprachverfalls in Deutschland verbunden mit einem Verlust der "deutschen Nationalidentität".
Nichtsdestotrotz sollte man bei der Sorge um den Verfall der deutschen Sprache nicht übertreiben. Kritikern sei entgegengebracht daß zu jeder Zeit und in allen Sprachen Entlehnungen zum ständigen Erneuerungspotential gehören. Das wichtigste Korrektiv einer Sprache ist ihr täglicher Gebrauch. Was ihr fremd ist, wird irgendwann wieder abstoßen, dagegen wird das, was der Sprache bekömmlich ist, im Laufe der Zeit integriert. Der Fremdwortanteil unserer Lexik wird auf 25 Prozent geschätzt. Aufgrund der Schnellebigkeit vieler Entlehnungen bleibt dieser Anteil seit Jahrzehnten relativ konstant.

29 November 2004
"Ich bin Jacks Prostata. Wenn ich Krebs kriege, bringe ich Jack um." Aus der Rubrik herzige Filmzitate.
In meiner Wohnung stapeln sich völlig unberührte Zeitungen, die mir ein ehemaliger Stipendiengeber als Alumniprivileg kostenlos zukommen läßt. Der Stipendiengeber verhält sich trotz seines mittlerweile 5jährigen Bestehens noch so dilettantisch wie in seinem Gründungsjahr. Als letzte Aktion setzte er zahlreiche E-mail-Account/s/se/ti/e (?) lahm, da er dem Stipendiatennetzwerk erst eine 7 MB, dann zwei 5 MB und im Anschluß eine 10 MB große Präsentation an einem Tag zu Informationszwecken zusendete. Nachdem ich alles auf dem Server ungelesen gelöscht hatte, legten sie noch eine 2 MB fassende Zusammenfassung mit den entschuldigenden Worten "Aufgrund der zahlreichen Beschwerden über die Größe der versendeten E-mails, schicken wir ihnen ein PDF" drauf. Was bei analog surfende Menschen wie mir, den Humor bedauerlicherweise nicht ansprechen konnte. Nun ich schweife ab. In meiner Eigenschaft als Alumni erfreue ich mich an dem Privileg die FAZ zugesendet zu bekommen. Über ein Bildzeitungsabo hätte ich mich deutlich mehr gefreut. Ich benutze die Zeitung ausschließlich dazu bunte Seiten auszuschneiden und damit CD-Cover zu gestalten. Die Artikel überfliege ich gelegentlich kopfschüttelnd. Statt der Inhalte verläßt man sich auf Fremdwörterschlachten oder zitiert andere Quellen ohne Angabe derselben. Während der Stapel wächst, frage ich mich, wie viele Artikel täglich fleißig von Autoren geschrieben werden und leider von keinem einzigen Leser gelesen werden.
28 November 2004
Bei meinen Recherchen bin ich heute auf einen Umstand gestoßen, für den ich keine Erklärung finde. Wieso ist man bislang nur auf der Vorderseite des Mondes gelandet? Ist es auf der anderen Seite zu dunkel?
Für Attila Ilkin: Ich stand atemlos und glücklich im Zwischenabteil des Zuges nach Hamburg. Adrenalin durchströmte meinen Körper und ich fand es ziemlich belustigend, wie die Möglichkeit eines verpassten Zuges, der ohnehin stündlich fuhr, mich so in Panik versetzen konnte. Ich hatte bis 17 Uhr einen Termin gehabt, war zur U-Bahn gelaufen und kam genau 2 Minuten vor der Abfahrtzeit des Zuges an. Mit meinem albernen Rollköfferchen hatte ich mindestens 10 Leute halb umgefahren und schaute mich jetzt ängstlich um, ob ich einen der Betroffenen im Zug wiedersah. Als ich mich halbwegs beruhigt hatte, begann ich mir einen Platz zu suchen. Der Zug war ziemlich voll und ich war froh im Raucherabteil noch eine Sitzgelegenheit zu bekommen. Als ich saß, kramte ich begierig aus meiner Handtasche meine Gauloises. Mir gegenüber saß ein Typ, der die gesamte Fahrt über seine Freisprecheinrichtung mit seiner Freundin Judith telefonierte, die offensichtlich großen Stress damit hatte, aus den im Kaufrausch erstandenen Kleidungsstücken das richtige für den heutigen Abend auszusuchen. Judith hatte ein ausgesprochen lautes und grelles Organ, was mir erleichterte ungewollt das komplette Gespräch zu verfolgen. Dabei wollte ich über Details wie beispielsweise die ihrer Pediküre gar nichts wissen. Die Fahrt war eine einzige Qual und ich setzte die Kopfhörer auf und versuchte der lautstarken Telefondebatte zu entkommen, indem ich aus dem Fenster starrte. November ist der schlimmste Monat im Jahr. Die andauernde Dunkelheit und Nässe machen mich depressiv und ich versuchte an den Frühling zu denken. In Hamburg holte mich eine langjährige jiddische Freundin ab, die sich vor Jahren entschlossen hatte, Künstlerin zu werden. Alle hatten ihr gesagt, dass dieses Unterfangen äußerster Unsinn sei, aber sie hatte sich davon nicht abbringen lassen. Sie hatte ihren Willen durchgesetzt, und heute war ihre erste Vernissage und da wollte ich auf keinen Fall fehlen. Die Ausstellung fand nicht in einer Galerie statt sondern in einem Industriepark, in einer großen, leerstehenden Produktionshalle. Die Gäste waren gebeten worden, möglichst elegant zu erscheinen. Meine Freundin verschwand gleich wieder als sie mich dort abgesetzt hatte und so gesellte ich mich zu den anderen Wartenden und wunderte mich, wo genau die Bilder seien. Ich sah nur die große Halle, in deren Mitte schätzungsweise zwanzig Stühle für die geladenen Gäste standen. Nirgends war ein Bild zu sehen. Gedankenverloren nahm ich Platz und grübelte woher eigentlich das Sprichwort "jemanden ein X für ein U vormachen" herkommt. Nach einiger Zeit wühlte ich in meiner chaotischen Handtasche nach meinem Handy, um nach der Uhrzeit zu sehen und ärgerte mich dabei, dass Frauenblazer aus unerfindlichen Gründen im Gegensatz zu Männerjackets keine Innentaschen hatten, in denen man Dinge aufbewahren könnte, die man ohnehin andauernd sucht. Ich stieß dabei auf die Einladungskarte und las gerade den Beginn "Liebe Nuf, wenn es der Zufall will und Du Zeit hast, freue ich mich auf Dein Erscheinen zu meiner ersten Ausstellung am Freitag, den 26. November 2004" als mehrere Damen und Herren mit Instrumenten im Raum erschienen. Sie platzierten sich genau vor uns und begannen ein klassisches Stück zu spielen. Einige Minuten später erschien meine Freundin, gefolgt von zehn nackten Frauen. Die Damen waren alle schlank und sehr groß. Alle hatten sehr ernste Gesichter und ich hatte großen Respekt vor ihrem Mut - nicht nur weil sie nackt waren, sondern auch, weil es wirklich ausgesprochen kalt war. Nach dieser kleinen Gruppe kamen mehrere Männer, die überdimensional große Leinwände trugen und diese im Raum vor uns ausbreiteten. Meine Freundin begann damit Farbeimer über den Damen zu entleeren, und eine nach der anderen sprang im Takt der Musik auf eine der Leinwände und wälzte sich. Ich musste mir das Lachen unterdrücken, weil ich die ganze Szenerie doch etwas bizarr fand. Die anderen Gäste machten jedoch sehr ernste Gesichter. Die so entstandenen Bilder wurden aufgehängt und man machte sich daran durch den Raum zu schreiten und sie näher zu betrachten. Während ich vor einem der Bilder stand, erschien meine Freundin vor mir und flüsterte mir ins Ohr, dass sie lieber verschwinden würde. Das kam mir sehr entgegen. Wir suchten uns ein kleines Café und während ich von meinem Latte Macchiato den Milchschaum löffelte, erzählte sie mir, dass sie sich mit dieser Aktion um die Vergabe eines Stipendiums beworben hatte. „Das Geld des Stipendiums ist lediglich eine Ybergangslösung, du weißt, dass ich eigentlich lieber richtig male“, ließ sie mich wissen. Das beruhigte mich, denn Aktionskunst war mir schon immer ein wenig suspekt.
27 November 2004
Gestern fiel mir wieder eines meiner Lieblingserlebnisse mit meinem Ex-Freund ein. Um meine Freude zu verstehen, müssen zwei Dinge voran gestellt werden. Erstens wir wohnten zusammen und zweitens ich habe Schuhgröße 39 und er so was um die 44 (46?). Naja, in jedem Fall größere Füße eben. Es ist kurz nach acht, wir ziehen uns gerade an, um in die Arbeit zu gehen. Er sitzt auf einem Stuhl und versucht gewaltsam sich einen schwarzen Socken über den Fuß zu stülpen. Gerade mal über die Zehen passte er, für ein weiteres Vorankommen half dann auch kein gewaltsames Zerren mehr. Wutentbrannt zieht er den ersten Socken vom Fuß, greift den zweiten Socken und donnert beide in die Mülltonne. Ich hatte die Szene etwas verwundert und sehr interessiert beobachtet: „Sag mal, was machst Du denn da?“ „Ich schmeiße die Socken weg!“ „Ja, das sehe ich. Machst Du das öfter?“ „Klar, ich werfe alle Socken weg, die mir zu klein sind.“ Damit war dann ein für alle Mal das Rätsel der verschwundenen Socken gelöst.
25 November 2004
Und außerdem, das ist in den Kommentaren untergegangen. Das Antlitz dieser wunderhübschen Seite entspringt der großartigen Frau Zuckerziege. Ich habe wirres Zeug geredet und sie hat es umgesetzt. Würde sie auch gegen Geld machen. Jobangebote bitte direkt an sie.
Für braflik: Gelegentlich stelle ich mir die Frage, warum manche Weibchen sich so furchtbar quälen. Eines der mir bis heute unbegreiflichen Phänomene ist die Essensunlust mancher Damen, die sich täglich geißeln, um Idealen zu entsprechen, die ihnen der übermäßige Konsum von Modezeitschriften in den visuellen Cortex gebrannt hat. Wenn ich mittags mit mehreren Frauen essen gehe und alle Salat bestellen (ohne Dressing!) und dann lustlos in den einzelnen Blättern rumstochern, ist mein Mitleid grenzenlos. Gelangweilte Salatpiekserei korreliert des weiteren im hohen Maße mit Vegetarismus. Vegetarismus in Kombination mit einer asketischen und phantasielosen Nahrungsaufnahme zieht seinerseits gerne Eisenmangel nach sich und gleicht damit die äußere Hülle an den innerlichen Mangel an. Diese Frauen leiden alle an dem sog. Schneewittchensyndrom. Ihre Haut ist weiß wie Schnee, hauchdünn, geradezu durchsichtig. Dies fügt sich augenscheinlich hervorrragend in das "ich bin ein kleines, hilfloses Weibchen und muss dringend von einem starken Prinzen gerettet werden"-Lebenskonzept. Wenn es jetzt bald anfängt zu schneien, wird das Leben dieser Frauen allerdings in zunehmenden Maße gefährlich. Ein weißes Wesen vor weißem Hintergrund kann schnell mal übersehen werden. Um nicht überfahren, überrannt oder sonstwie körperlich zu Schaden zu kommen, empfehle ich als erste Hilfsmaßnahme auffällig bunte Kleidung, am besten Warnwesten. Was den Eisenmangel angeht, rate ich dringend von alt bewährten Hausmitteln ab. Die unter dem Schneewittchensyndrom leidende Dame greift gerne zu einen Apfel, den sie 24 Stunden mit Nägeln gespickt hat, um ihn dann entnagelt zu essen. Leider gleicht dies nicht den Eisenmangel aus sondern erhöht lediglich das Risiko einer Bleivergiftung. Die meisten Industrienägel werden aus Altmetall hergestellt und enthalten deswegen Substanzen, die man besser nicht aufnehmen sollte - es sei denn, man plant qualvoll und langsam wie Beethoven zu sterben. Idealerweise wird das fehlende Eisen durch rohes, möglichst blutiges Fleisch kompensiert. Wem das nicht zusagt, der kann auch größere Mengen an Hülsenfrüchten zu sich nehmen. Das ist freilich für die Umwelt nicht das angenehmste, führt aber sehr effektiv zum gewünschten Ergebnis.
Mein Gehirn ist im Winterschlaf. Ich schlappe debil glücklich durch den Tag und ab 15.30 Uhr werde ich müde. Zuhause lese ich oder starre ein bißchen aus dem Fenster und beobachte meine Nachbarn. Und weil ich gerade so wirklich zufrieden bin, passieren keine seltsamen Geschichten mehr und der grobe Auflösungsgrad meiner Wahrnehmungen gibt ebenfalls nichts mehr her. Weil mich Schreiben aber so entspannt, wünsche ich mir Stichworte, Sätze und sonstige Anregungen. Wem also etwas einfällt, der möge es mir zukommen lassen und ich konfabuliere eine Geschichte dazu.
24 November 2004
Toll. Die Trefferquote der Empfehlungen, die Amazon durch die regelmäßige Bespitzelung meiner Kaufgewohnheiten gibt, ist großartig. Heute habe ich entdeckt, dass man sich ansehen kann, welche Bücher man 2004 gekauft hat. Ich wollte schon immer eine halbwegs vollständige Liste haben. Wie gut dass alles akribisch verfolgt und festgehalten wird. Martin Suter - Die dunkle Seite des Mondes Monika Maron - Die Überläuferin Stefano Benni - Es gibt keine schlechten Menschen, sagte der Bär, wenn sie gut zubereitet sind Jonathan Safran Foer - Everything is illuminated Waris Dirie - Desert flower Yann Martel - Schiffbruch mit Tiger Philip Roth - The dying animal Martin Suter - Small World Stefano Benni - Die Bar auf dem Meeresgrund Jeffrey Eugenides - Middlesex Dai Sijie - Balzac und die kleine chinesische Schneiderin Jeffrey Eugenides - Airmail Else Buschheuer - Ruf mich an Douglas Adams - Die letzten ihrer Art Khaled Hosseini - Drachenläufer Jonathan Franzen - Die Korrekturen Siri Hustvedt - What I loved Ian MacEwan - Liebeswahn Ian MacEwan - Der Zementgarten Axel Hacke - Der weiße Neger Wumbaba Ermanno Cavazzoni - Kurze Lebensläufe der Idioten Rohinton Mistry - Das Gleichgewicht der Welt Douglas Adams - Long Dark Tea Time of the Soul Jan Weiler - Maria ihm schmeckts nicht! Tom Robbins - Pan Aroma Jetzt brauche ich dringend ein neues Buch. Ich freue mich über Empfehlungen.
Liebes Christkind, zu Weihnachten wünsche ich mir eine Spülmaschine, die in meine Küche passt. Ich war das ganze Jahr über sehr artig und wenn ich nicht bald eine Spülmaschine bekomme, muss ich umziehen. Beim letzten Umzug habe ich bereits erfolglos versucht meine Spülneurose in den Griff zu bekommen. Ich habe den Großteil meiner Kochutensilien verschenkt und nur vier Teile von jeder Kategorie in die Regale gestellt. Vier Tassen, vier tiefe Teller, vier flache Teller und vier Gläser. Das hat natürlich den Nachteil, dass ich in nur begrenztem Maße Gäste einladen kann. Glücklicherweise bin ich mit den Bräuchen italienischer Großfamilien vertraut. Wenn mich mehr als drei Personen besuchen kommen, gibt es Pappteller und Plastikbesteck. Wenn die Gäste gegangen sind, packe ich die Papiertischdecke bei ihren Enden und schmeiße alles in die Mülltonne. Trotzdem bekomme ich den Spülberg nicht in den Griff. Ich wünsche mir deswegen wirklich, wirklich, wirklich eine Spülmaschine.
Die sogenannte Ironiefalle. Ich tappe ständig in sie. Das ist untertrieben. Mit einer schlafwandlerischen Sicherheit finde ich jede Ironiefalle, lege mich rein, suhle mich in ihr, aale mich geradezu und schaue dabei wie die Unschuld vom Lande (weil ichs bin!!!). Aus gegebenem Anlass bitte ich alle ironischen Bemerkungen wie folgt zu kennzeichnen: <'RED><'BOLD><36pt><'JOKERMAN><'BLINK><'IRONIE>text, text, text<\RED><\BOLD><\36pt><\JOKERMAN><\BLINK><\IRONIE>
Bislang dachte ich, es sei der Winter. Dann befragte ich Dr. Unheimlich. Image Hosted by ImageShack.us Geklaut beim Herrn Winkel.
23 November 2004
Ein Großteil des geschlechtstypischen Verhaltens ist angeboren. Beliebtes Beispiel aus dem Alltag stellt das Ausziehen eines T-shirts dar: Der Mann greift beherzt hinter seinen Kopf, bekommt das Shirt am Rücken zu greifen und zerrt es wie ein üppig gefülltes Fischernetz nach oben über den Kopf. Frau hingegen, legt die Hände überkreuzt rechts und links an die Hüfte und zieht das Oberteil elegant und nahezu unzerknittert nach oben. Diese Verhaltensweise besteht seit der Ersetzung des natürlichen Körperfells durch ein wie auch immer geartetes Kunstfell. Seit Erfindung des Restaurants gibt es eine andere erbliche Verhaltensweise. Das Weibchen bekommt die Karte und beginnt sie aufmerksam zu studieren. Die Bedienung kommt das erste Mal. Es wird verkündet, daß sich noch nicht entschieden wurde. Das Weibchen vertieft sich erneut in die Karte. Wenn der Kellner einige Minuten später wieder am Tisch erscheint, verkündet die Frau, die insgesamt dreißig Minuten das Getränkeangebot studiert hat: "Ich nehme ein Wasser." Das erstaunliche an dem Vorgang ist, egal wie oft eine Frau ausgeht, egal wie oft die Karte des Etablissements bereits gelesen wurde, sie wird in der Regel mindestens dreißig Minuten studiert und es wird sich schlußendlich immer für das gleiche Getränk entschieden. Anstrengend wird es, wenn zu dem Getränk noch eine Speise geordert wird. Die Bearbeitungszeit der Speisekarte verdoppelt sich. Unter vielem 'hach und hmmm', wird der Begleiter mehrere Male befragt, für was er sich denn entschieden hätte. Jede Wahl wird je nach Laune mit einem Seufzen oder Naserümpfen kommentiert. Wenn die Bedienung das siebte Mal am Tisch erscheint wird eine Speise bestellt, die nur als Stichwort der Speisekarte zu entnehmen ist. "Also ich hätte gerne den Salat des Hauses. Aber bitte ohne Zwiebeln und Schinken. Können sie evtl. ein Paar in Butter gedünstete Pilze dazu machen? Ach ja, das Brot hätte ich gerne geröstet und ... wäre es wohl möglich, das Dressing in einem Extragefäß zu servieren? (Blick auf den Nachbartisch) Hm. Oh! Diese Croutons da, sind die bei dem Salat dabei? Nein? Nun, könnte ich welche haben? Sagen sie, ist da Radicchio dabei? Ja? (Einsetzende Kräuselung des Nasenrückens) Können sie den vielleicht weglassen ... [...]." Bei mir ist das selbstverständlich nicht anders. Auch ich bin nur Opfer meiner genetischen Grundlagen. So liebe ich beispielsweise Grünes Curry in Kombination mit Erdnußsoße. - Hallo, ich hätte gerne die 73 und Erdnußsoße extra - Was essen mitde Erdnußsoße? - Nun, das grüne Curry - Nein - Ähm, doch - Nein, nicht gudd - Doch, ich mag das - Nicht bringe Erdnußsoße und Curry, schmeckte niche - Mir schon - Nein - Doch - Isse nich gudd - Kann ich bitte die 73 und Erdnußsoße haben? Wir starren uns gegenseitig an. Der Kellner geht wortlos. Angewidert bringt er das Geforderte und knallt es mit einem letzten "Passte niche!" auf den Tisch. Ich nehme die Schale und schütte sie, während ich ihm wütend in die Augen starre, wortlos über mein Curry. Kopfschüttelnd zieht die Bedienung von dannen. Während ich genüßlich esse, steht die gesamte Küchenmannschaft am Tresen und beobachtet mich ungläubig und zutiefst angeekelt. Mit vollem Mund rufe ich ihnen "Guten Appetit" zu.
22 November 2004
Als Frau werde ich das Prinzip einen Rechner zu installieren höchstwahrscheinlich nie verstehen. Am Freitag kam mein neues Schätzchen. Ich hab mich gleich verliebt und ihm leise in eines der Laufwerke geflüstert: "Schätzchen, ich werde Dich gut behandeln. Du wirst aufgeräumt und ordentlich sein. Nur das Wesentlichste sollst Du haben. Ich werde Dich nicht so zumüllen wie Deinen kleinen Bruder!" Festplatte partitionieren, formatieren, Betriebssystem drauf und alles scheint perfekt. Zur Feier des Tages will ich ihn behutsam mit einer X-Man-DVD entjungfern. Sie läuft. Leider ohne Ton. Die Fehleranalyse ergibt, daß ich vergaß den Treiber für die Soundkarte zu installieren. Ich wühle also in der Kiste mit den Treiber-CDs und komme irgendwann drauf, daß die Karte auf dem Mainboard sitzt, der Treiber sich folglich auf der zugehörigen CD befindet. Klick, klick. Fertig, denke ich. Ist aber nicht so. Es fängt an mich zu fragen: will ich da Stereolautsprecher installieren oder einen Kopfhörer oder beides oder sonst ein externes Device? Was weiß ich? Irgendwie alles. Also drücke ich im Zweifel immer "ja". Wunderbar. Der Ton geht, leider nur deutsch. Also installiere ich mehr Tonkalibrierungssoftware. Acht Programme später geht der Ton einwandfrei in allen Sprachen. Klasse. Leider wackelt das Bild und ich beginne alles zu installieren auf dem das Wort "DVD" vermerkt ist. Nach fünf Neustarts ist alles perfekt. Wenig später möchte ich im Internet etwas nachsehen und installiere schnell den Smartsurfer, Norton, eine Firewall, mein Modem und ICQ. Dabei fällt mir ein, daß ich auch Scanner, Drucker, Webcam, die beiden Digicams, MP3-Player und meinen elektronischen Terminkalender vergaß. Ich beginne also die Wohnung nach Treiber-CDs zu durchsuchen, die ich in den letzten 5 Jahren keines Blickes gewürdigt habe. So geht das den ganzen Abend und als ich mich entschließe ins Bett zu gehen, zeigt die Programmleiste wieder vierzig Programme, deren Sinn mir bei mindestens fünfzig Prozent für immer verschlossen bleiben wird. Es ist ein Elend!
21 November 2004
Diese spanische Schnellgrippe ist mir ein bißchen unheimlich. Pünktlich Freitag Abend streckte sie mich dahin und packt Sonntag Abend langsam wieder ihre Sachen. Bekämpft habe ich sie hauptsächlich mit Tee. Ich hasse Tee. Erstens schmeckt Tee nur bei einer ganz bestimmten Temperatur bekömmlich. Diese Temperatur ist genau ein halbes Grad nach dem Punkt an dem man gerade ohne mittelschwerere Verbrennungen davon kommt. Zweitens gibt es eigentlich keinen Tee, den ich aufgrund des Geschmacks in größeren Mengen mit Begeisterung zu trinken vermag. Also beginne ich mit Kräutertee. Nach drei Kannen kann ich ihn nicht mehr sehen. Ich gehe zu Fencheltee über, weil mir mittlerweile schlecht ist. Dann flöße ich mir Hagebuttentee ein und schließlich mehrere Kannen frisch zubereiteten Chaitee. Dazu ernähre ich mich hauptsächlich von Aspirin und diversen Grippedragees. Grippe führt aus verschiedensten Gründen zur sozialen Isolierung. Zum einen möchte sich natürlich niemand anstecken. Zum anderen führt das Geniese, Geschneuze und Gehuste beim Gegenüber zu Wahnvorstellungen von explodierenden Virenherden, die sich zeitlupenartig im Raum verteilen. Persönlich glaube ich aber, daß vor allem das Olfaktorische die größte Zumutung darstellt. Durch die Einnahme diverser Eukalyptuspräparate rieche ich wie ein Koalabär.
20 November 2004
Wie immer bin ich im Trends verfolgen die letzte. Immerhin ist die Grippe dann doch noch einmal quer über die Straße gekrochen und ich kann jetzt mitmachen. Tee- und Aspirinorgien, schlafen und Fieberträume. Zumindest das hat einen gewissen Unterhaltungswert. Gestern bekam ich meinen neuen Rechner, den ich erst noch installieren muss und natürlich werde ich nach Fertigstellung des Systems umgehend DVD und Simssüchtig werden. Als Vorgeschmack träumte ich die ganze Nacht ich sei ein Sim.
19 November 2004
Zuckerzieges Domain ist ca. 3.000 Euro wert. Knutschpups.de hingegen nur knapp 800 Euro, Bahn.de nich mal 2.000 Euro. Interessant.
Am 26.11.2004 besuche ich ein wunderbares Seminar. Überhaupt bietet das Zentrum für Weiterbildung in Bremen entzückende Seminare an. Mir gefällt v.a. die Reihenfolge (z.B. 25.11. und 26.11.).
17 November 2004
Gestern war ich auf einem Bewerberseminar der Sparkasse. Schaden kann es nichts und kostenlos ist es auch, dachte ich, als mir jemand die Werbekarte „Ich bin eine Marktlücke“ in die Hand drückte. Also meldete ich mich kurzerhand an. Als ich dort erschien, hätte mir schon in der ersten Sekunde klar sein müssen, daß ich nicht zur Zielgruppe gehörte. Ich betrat im grünen Anzug einen Raum voller pferdegezopfter Blondinen in anthrazitfarbenen Kostümchen. Im Eingangsbereich erhielten wir alle Namensschilder, damit der lockere Bänker Gerhard uns ebenfalls beim Vornamen ansprechen konnte. Motto war, wie auf der Karte angekündigt: Ich bin eine Marktlücke. Den Vormittag verbrachten alle hochgespannt den verschiedenen Marketingansätzen lauschend, während ich verzweifelt versuchte meine Zukunft aus dem kläglichen Rest Filterkaffeesatzes meiner Tasse zu lesen. Dann mußten alle der Reihe nach aufstehen und sagen, warum sie Marktlücken sind. Schon drei Blondchen vor mir, wurde mir gewahr, daß die Menge Kaffee, die ich zu mir genommen hatte eindeutig mein Blasenfassvermögen überschritt. „Nuf, jetzt bist Du dran! Du bist eine Marktlücke weil ...“ (gespannte Pause) „Ich muß mal.“ Der Bänker schaut mich fragend an: „Du mußt was?“ Obwohl ich die Frage etwas indiskret fand, antwortete ich wahrheitsgemäß mit „Pipi“. „Oh, nun, dann machen wir schon mal weiter mit Sarah“ Den Raum verlassend, höre ich noch, daß Sarah eine Marktlücke ist, weil sie irgendwie anders und auch irgendwie kreativ ist. Als ich von der Toilette zurückkehrte, bin ich noch tief beeindruckt, daß die Spiegel dort so aufgestellt waren, daß ich meinen eigenen Hintern bewundern konnte. Außerdem stellte ich bei einem Blick aus dem Fenster fest, daß die Sonne außergewöhnlich hell und warm schun. Ich entschließe mich, das Seminar abzubrechen. Das Ganze kommt mir vor, wie eine Misswahl. Die Veranstaltung führt mir eine Szene aus einem Film vor Augen, in dem jede potentielle Miss-Sonstwas-Anwärterin am Ende ihrer Körperpräsentation was besonders geistreiches sagen soll, damit die Jury zur Kenntnis nehmen kann, daß sie ein ganz besonderer Mensch ist. Ich schleiche mich leise in den Seminarraum und greife unauffällig nach meiner Handtasche, als mich Gerhard doch noch erwischt. „Nuf, Du warst noch nicht dran. Komm doch schnell noch nach vorne, damit Du die Übung auch mitmachen kannst.“ Ich will eigentlich nicht, aber alle blicken mich so erwartungsvoll an. Also gehe ich in den Kreis der Klonweibchen und sage voller aufrichtiger Begeisterung: „Ich wünsche mir Weltfrieden!“ Stille. Ich verlasse gutgelaunt den Raum.
16 November 2004
Ich frage mich schon all die Jahre, die ich am Potsdamer Platz arbeite, woher sie den ganzen Strom bekommen. Heute entdeckte ich die Antwort. Mitten auf dem Platz steht ein kleines Rondell. Der Boden des Rondells ist mit Eis überzogen. Im Zentrum befindet sich ein überdimensionales Drehkreuz von dem sternförmig lange Balken weggehen. An den Balken hängen kleine Kinder. Genauer gesagt, sie müssen die Balken mit Muskelkraft antreiben. Dann dreht sich die Achse ganz langsam und ich bin mir sicher im Untergrund befindet sich ein Stromgenerator. Die Eltern zahlen für den Einsatz ihrer Kinder auch noch Geld. Ein famoses Konzept! Man gaukelt den Ahnungslosen vor, die Kinder lernten so das Schlittschuhlaufen. Man schnallt ihnen der Unauffälligkeit halber auch noch Schlittschuhe an. Das erschwert natürlich das Antreiben des Rades, was verständlich ist, denn ansonsten wäre es einfach zu offensichtlich.
Es gibt ja diverse 200-Dinge-die-man-mal-gemacht-haben-sollte-Listen . Die Idee ist ja lustig, nur leider völlig untauglich, da ich von diesem ganzen Mist so gut wie nichts gemacht habe, noch vor habe, etwas davon zu machen. Es gibt eben wirklich wichtige Dinge im Leben, wie: 1. Eine Portion Obatzten im kühlenden Schatten einiger Bäume auf einem Keller in Franken verspeist haben 2. Die Haare als Teenager mittels Henna unwiederruflich in einen fuchsroten Wischmopp verwandelt haben und von der Mutter aufgrund des ausgesprochenen Haarfärbverbots zwei Stunden ausgelacht worden sein 3. Einen Hund vor dem Ertrinken gerettet haben 4. Erfolgreich bis zum Abitur unbeliebter Streber gewesen sein 5. Bis zum 30. Lebensjahr nie ernsthaft irgendeinen Sport betrieben haben 6. In Krakau seinen Rücken an einen der Chakrensteinen gerieben zu haben 7. Tatoo und piercingfrei sein 8. Halebob komplett verpasst haben, obwohl man älter als 15 war 9. Bei einem Konzert direkt vor der Box eingeschlafen 10. Sich beim Trabrennen gewundert haben, warum die Pferde nicht endlich galopieren 11. Mit einem Trabbi im Auftrag der SPD ein CSU-Wahlplakat umgefahren haben 12. Jemanden glaubhaft gemacht zu haben, man sei Millionär 13. Täglich per Anhalter in die Schule gefahren sein 14. Bei einem Theaterstück von der Bühne gefallen sein 15. Mit zwei Freunden gleichzeitig auf einem Ball erscheinen, ohne dass sie es am Ende des Abends bemerkt haben weitere to dos: Nach Norwegen fahren und einem Fjord applaudieren Mit einem kleinen Segelboot über das Cornatiarchipell segeln Robbie Williams küssen Flic-Flac lernen Berühmt werden Zusammenfassend lässt sich sagen, sollte ich noch einige Jahre leben, werde ich ein sehr erfülltes Leben gehabt haben.
15 November 2004
Heute ist es schon wieder passiert. Im Trance komme ich von der Arbeit nach Hause, zücke meinen Hausschlüssel und stelle fest, er paßt nicht. Ich werde nervös, schaue Richtung Klingelschild und sehe: mein Name ist verschwunden! Adrenalin durchströmt meinen Körper, hundert absurde Theorien schießen durch meinen Kopf. Ich bin heimatlos. Mein gesamtes Hab und Gut wurde auf die Straße geworfen. Bin mittellos, habe keine Erinnerung an meine Vergangenheit mehr, Tränen füllen meine Augen, ich hypervetiliere. Meine Nachbarn sind Bestien, die mich monatelang beobachteten, um meine Gewohnheiten kennenzulernen. Dann eines morgens als ich die Wohnung verlasse, klauen sie alles was ich habe, tauschen die Schlösser aus. Sie lesen meine Tagebücher, verbrennen hysterisch kreischend meine geliebten Fotos, vergehen sich an meiner Espressomaschine, zerfleddern meine Bücher und ... dann merke ich, daß ich mal wieder vor der falschen Haustür stehe. Ich sehe mich um, will sichergehen, daß mich niemand beobachtet hat, laufe eine Tür weiter und husche in das richtige Haus.
14 November 2004
Eine Vergangenheit als Landei schüttelt man nicht einfach ab. Man trägt die erlernten Verhaltensmuster wie Gehirntätowierungen mit sich. So keimt in mir an freien Wochenenden ununterdrückbar der Wunsch auf mal in die Stadt zu fahren. Ohne überheblich wirken zu wollen, denn das Problem ist rein praktischer Natur: Wo fahre ich hin, wenn dieses Verlangen sich in mir regt, ich aber in Berlin-Mitte wohne? Die Erleuchtung kam beim morgendlichen Einkauf als ich aus einem fremden Fenster den Radiosender Kiss FM hörte, der mir vier Mal innerhalb weniger Sekunden die Gropiuspassagen anpries. Als ich brötchenbepackt an den Frühstückstisch zurückkehrte, verkündete ich meinem Freund: „Schatz, mach dich schick, ich habe eine Überraschung!“ So warfen wir uns in Flanierschale, ich packte meinen Freund an der Hand und wir zogen los. Spätestens als wir am Herrmannplatz umstiegen, wurde er skeptisch. (Zu erkennen an dem Flattern seines rechten Nasenflügels.) Angekommen in Britz verdunkelte sich seine Mine. Für mich war es dennoch sehr aufregend. In den labyrinthartig angelegten Gropiuspassagen gibt es Geschäfte, die ich in meinem Leben noch nicht gesehen habe. Eines davon (Claire’s Accessoires), war ohne Zweifel DAS Geschäft für modebewußte junge Leute, die Abends Clubs aufsuchen, um dort tanzen zu gehen. Wir durchforsteten Laden für Laden, irrten einige Male im Kreis, entgingen knapp drei Schlägereien, weil wir im Gedrängel junge Herren anstießen ohne knierutschend um Verzeihung zu bitten, speisten im neonbeleuchteten Pizza Hut und bestaunten schlussendlich die Modenschau von WE und forever18, in der wir mundgeöffnet erfuhren "was diesen Winter modetechnisch alles möglich ist." Hochzufrieden kehrten wir fünf Stunden später nach Mitte zurück.
Abends mussten wir natürlich ausgehen, da das ungeschriebene Gesetz bestimmt, abends auszugehen, wenn man morgens ausschlafen kann. Also warteten wir nasepopelnd auf 24 h, um das Haus erneut zu verlassen. Vor 24 h geht man nämlich nur weg, wenn man uncool ist, jedenfalls war das so, als ich jung war. Die erste Lehre, die ich aus dem Abend zog, war die, daß sich die Zeiten geändert haben und man im 21. Jahrhundert ziemlich uncool ist, wenn man schon um Mitternacht in einen Club geht. Wir waren Gast 6 und 7. Wobei das etwas übertrieben ist, denn 1 und 2 waren Bardamen, bei Nummer 3,4 und 5 handelte es sich um DJs. Zusätzlich zum Tanzangebot war in einem 2. Raum eine Band zu bestaunen. Das merkte ich aber erst als ich die sanitären Anlagen aufsuchte. Denn die Bandmitglieder standen gelangweilt im Gang und warteten, daß die Bühne vorbereitet wurde. Sie riefen jeder 2. Frau "I love you!" hinter her und ich muß gestehen, als ich händewaschend im Bad stand, war ich etwas beleidigt, daß ich zu jenen Frauen gehörte, denen sie dies nicht zugerufen hatten. In meiner Gutmütigkeit beschloß ich ihnen dennoch zu lauschen. Unerfreulicherweise war der Tontechniker taub und so konnte man lediglich fünf Lieder der sicherlich im Grunde talentierten Band anhören ohne größeren Schaden davonzutragen. Beim Beobachten der Menschen auf der Tanzfläche, fiel mir der Nachmittag in den Gropiuspassagen wieder ein. Denn die Damen trugen vornehmlich Accessoires, welche sie zweifelsohne dort erstanden hatten. Meistgetragene Extras des Abends waren neonfarbene Netzhalbhandschuhe und pastellfarbene Moonboots. Beides Kleidungsstücke, die nicht nur grandios schmücken sondern auch ein Muss auf jeder 60 Grad heißen Tanzfläche sind. Ich notiere mir das Stichwort fashion victim auf einem Zettel und gehe dazu über das Tanzverhalten schriftlich festzuhalten, um mich angemessen in die deutsche Kultur des Tanzens integrieren zu können. Füße möglichst wenig bewegen (macht Sinn, wenn man so schwere Schuhe trägt), Oberkörper stakkato-artig erschüttern, Bierflasche mit doppelseitigem Klebeband in die rechte Handfläche kleben, Haare ins Gesicht fallen lassen und gegenläufig zum Körper wiegen. Das probiere ich im Anschluß gleich aus, gebe aber drei Minuten später entkräftet auf, da meine Brüste mehrere Male Bekanntschaft mit den Ellebogen eines zwei Meter großen Mannes machen. Meine Ausgehlaune hat mittlerweile den Nullpunkt erreicht. Als ich aus dem Club komme und mich ein Rudel junger Männer mit einem "Hey – geht da was ab, ey?" begrüßt, gehe ich schweigend weiter. "Alter, bist Du taubstumm odda wie? Ha, ha!" Ich bleibe stehen, atme tief durch, drehe mich um und gehe zu dem Pulk zurück: "Meine Herren, sie werden es verzeihen, wenn ich ihnen nicht geantwortet habe. Ich ging von der irrigen Annahme aus, daß sie nicht auf ein längeres Gespräch zielten. Die Antwort auf ihre freundlich gestellte Frage, ließe sich auch ohne Worte aus dem Kontext erschließen, sofern sie bereit wären, ihr Oberstübchen zu bemühen. Da dem nicht so ist, erläutere ich es ihnen gerne. Schauen sie hier die lange Schlange vor dem Club. Das sind Menschen, die, vermutlich wie sie, begehren, die Tanzlokalität zu besuchen. Ich hingegen, komme gerade AUS dem Club. Daraus können sie schließen, daß ich mich im Inneren befand. Wie sie ebenfalls beobachten konnten, bin ich gerade AUS dem Club nach draußen gegangen, um mich, sie ahnen es, auf den Heimweg zu machen. Diese beiden Beobachtungen mit ein bißchen Menschenverstand verknüpft, ergeben folgende Ableitung: Weder Lokalität, noch musikalische Beschallung, noch Publikum sagen mir zu. Würden sie mich tatsächlich nach meiner Meinung fragen, ich würde ihnen raten, investieren sie das Geld in ein schönes Buch, gehen sie nach Hause, lesen sie es. Sollten sie es nun im Anschluß wünschen, kann ich ihnen liebend gerne noch eine Buchempfehlung aussprechen." Nachdem ich prüfend feststellte, daß es keinen weiteren Diskussionsbedarf gab, empfahl ich mich und machte mich auf den Nachhauseweg.
12 November 2004
Jetzt mal im Ernst. Immer wenn ich derartige Diskussionen verfolge, muss ich mich doch stark wundern. Da werden Ängste mit Argumentationen verwechselt. Ich frage mich bei solcherlei Debatten als aller erstes: Wer oder was ist bitte ein Ausländer? Wer kann das definieren? Bin ich als Halbitalienerin Ausländerin? Ist es mein Vater mit deutscher Staatsangehörigkeit, weil er in Italien geboren ist, Ausländer? Mein Großvater der mit italienischer Staatsangehörigkeit in Deutschland lebt? Was wäre, wenn wir Afrikaner wären, was wenn wir Australier wären? Wenn wir gar eine anderen Religionsgemeinschaft angehörten? Was ist bitte ein GASTLAND? Bin ich hier zu Gast, mein Vater, mein Großvater? Müssen wir alle zurück? Und wohin dann? Was ist bitte deutsche Kultur und an was muss ich mich anpassen? Darf ich jetzt nur noch schweinebraten- und sauerkrautessend Wagner hören, weil ich mich sonst der deutschen Kultur und meinem Gastland nicht anpasse? Es regt mich wirklich maßlos auf.
11 November 2004
Heute hat meine Oma Geburtstag. Oma heißt in Italien nonna. Vor einiger Zeit besuchte mich ein Freund, der eine italienische Freundin hat und begutachtete die Fotos an meinen Wänden. Vor einem, welches meine Oma und mich zeigt, blieb er stehen und fragte: "Wer ist das?" Ich antwortete: "Meine Nonna, ähm, ich meine, meine Oma." Da erstrahlte und sagte: "Ach! So ein Zufall! Die Oma meiner Freundin heißt auch Nonna!" Dieser Zufall war schnell aufgedeckt. Schwieriger war es für meinen Vater, der seinerzeit meine Mutter, namens Marita, der italienischen Verwandtschaft vorstellte. Auch hierzu ist es vorteilhaft zu wissen: Ehefrau heißt in Italien marita und so fragten ihn alle: „Wie heißt deine Ehefrau?“ - "Marita!" - "Schon klar, aber wie heißt sie?" - "Na eben Marita." - "Ja, das ist deine Ehefrau, aber wie lautet ihr Name?" - "Marita!" Es dauerte Wochen, bis verarbeitet wurde, daß es in Deutschland Ehefrauen gibt, die Ehefrau heißen. Hätten meine Eltern Humor gehabt, sie hätten mich Bambina genannt.
Ich hab da mal ne Frage. Wer kann es sich eigentlich leisten, Klamotten woanders als bei H&M zu kaufen? Es gibt nichts deprimierendes als wenn man bei H&M schon alles gekauft hat, was einem zusagt und man dann nichts mehr kaufen kann, weil es bei den anderen viel zu teuer ist.
Heute habe ich auf Fremdanregung begonnen meine Spammails aufmerksam zu lesen und bin auf allerlei Großartigkeiten gestoßen, die mir bislang bedauerlicherweise entgangen sind. So zum Beispiel folgende: Hi nuf! We have a new product that we offer to you, Cialis soft tabs, Cialis Soft Tabs is the new impotence treatment drug that everyone is talking about.Soft Tabs acts up to 36 hours, compare this to only two or three hours of Viagra action! Simply disolve half a pill under your tongue, 10 min before sex, for the best erections you've ever had! Soft Tabs also have less sidebacks (you can drive or mix alcohol drinks with them). --> Habe umgehend eine Packung bestellt. Suche nun Freiwilligen, der sich die Tabletten in alkoholhaltige Getränke mischen will und seine Erfahrung mit einer 36stündigen Erektion schildert. Außerdem habe ich Anschluß einen Verteiler aller Sexangebote zusammengestellt und mich beschwert, daß ich unter 600 Mails kein einzig auf die Frau abgestimmtes Angebot finden konnte
Ich fürchte, der Mann als solches muß sich bald eine neue ökologische Nische suchen. Gestern Abend entsorgte ich fachmännisch und nur unter mittelschweren Qualen meine erste Spinne. Um es präzise zu formulieren, mein erstes Spinnentier, denn es handelte sich um einen Weberknecht. Dabei stellte ich fest, daß auch hier ein geordnetes Vorgehen ein wesentlicher Aspekt zur Zielerreichung darstellt. Die aufkeimende Panik beim Erblicken des Ungetüms, rationalisierte ich zunächst. Evolotionsgeschichtlich macht es durchaus Sinn, Spinnen zu fürchten. Jedoch beruht die empfundene Angst in der Regel auf einer stark pauschalierten Sichtweise der Gattung Spinne. Als ich den Weberknecht an meiner Schlafzimmerwand entdeckt hatte, sprang ich auf und recherchierte schnell alle notwendigen Informationen. Dabei stellte sich heraus „Die Weberknechte verfügen weder über durchbohrte Kieferklauen und Giftdrüsen noch über Spinndrüsen.“ Die Lebensgefahr bei der Beseitigung dürfte, so schlußfolgerte ich, minimal sein. Eigentlich wollte ich es konsequent angehen und das Tierchen am Bein schnappen und aus dem Fenster werfen. Ob der mangelnden Spinndrüsen, wäre es sicherlich bei dem Fenstersturz verendet, was ich als leidenschaftliche Tierfreundin nicht verantworten wollte. Außerdem können Weberknechte bei Gefahr einzelne Beine abwerfen, was das am Beinpacken auch suboptimale Lösung darstellt. So griff ich auch die mehrmals beobachtete Glas-Karten-Methode zurück und setzte den Weberknecht ins Treppenhaus. Den Rest der Nacht verbrachte ich dennoch wach. Ich grübelte, welchen Sinn Männer nun noch in meinem Leben machten. Glücklicherweise kam mir in den frühen Morgenstunden das Vögeln in den Sinn, was ein unbesorgtes Einschlafen dann noch ermöglichte.
10 November 2004
Herr Qwert outete mich heute. Es mag den Leser enttäuschen, aber ich bin lediglich ein Protein, das schreiben kann.
Als ich heute Nacht exakt um 02.00 Uhr erwachte und bis zum Morgen nicht mehr einschlafen konnte, erinnerte ich mich an folgendes seltsame Ereignis, welches sich letzten Winter zutrug. Mein Vater rief mich kurz nach Weihnachten an und berichtete, daß er beim Tanken von einem Mann meines Alters angesprochen worden sei. Der wollte wissen, ob er rein zufällig mein Vater sei. Mein Vater bejahte und wollte wissen, warum er dies zu wissen wünschte. Der junge Herr sagte, er kenne mich von früher. Die beiden plauschten eine Weile, mein Vater übertrieb in seinen Schilderungen über mein Tun in Berlin gewohnt maßlos und die beiden trennten sich. Das erste merkwürdige an der Geschichte ist der Umstand, daß mein Vater an öffentlichen Plätzen als selbiger zu erkennen ist. Das zweite Wunder offenbarte sich, als ich meinen Vater fragte, wie der Herr denn hieße, denn er hatte sich entgegen seines Habitus den Namen gemerkt. Als er den Namen aussprach, tat sich eine große Leere in meinem Hirn auf. Der Name verhallte echogleich ohne daß ein Engramm angestoßen worden wäre. Keine Assoziation. Nichts. Der Zwischenfall lies mir keine Ruhe und so arbeitete es offensichtlich in den tieferen Ebenen des Hirns weiter und schätzungsweise eine Woche später rückte mein Gedächtnis endlich raus mit der Sprache. Thomas Müller, das war ein Junge aus der 7. Klasse der Realschule, der eine einzige Woche Kontakt zu mir hatte, als ich selbst noch in die 5. Klasse ging. Wir trafen uns 1986 im Schulbus und nach einer kurzen Konversation, fragte er mich, ob ich mit ihm gehen wolle. Ich hatte keine Ahnung, was diese Frage bedeutete und bat um Aufschub der Beantwortung. Zuhause angekommen, fragte ich sogleich nichtsahnend meine Mutter, ob ich mit Thomas Müller gehen dürfe. Sie antwortete, ohne vom Kartoffelschälen aufzusehen, mit „nein“, was ich umgehend an Thomas weiterleitete. Die Enttäuschung war groß und wir trafen uns noch einige Male am Nachmittag an den Mülltonnen unseres Mietshauses. Dann war Thomas Müller verschwunden. Fast zwei Jahrzehnte (!!!) später, trifft Thomas Müller meinen Vater und erkundigt sich nach mir. Das ist unglaublich. Erstens: wieso erinnerte er sich noch an mich und zweitens was mag ihn innerlich getrieben haben nach solch einer Zeitspanne einen wildfremden Mann auf mich anzusprechen? Für mich gibt es nur zwei Erklärungen. Die erste ist sehr naheliegend – nach seiner 1986 entflammten Liebe hat er nie mehr eine bessere als mich getroffen. Diese Erkenntnis trägt er seit Jahren mit sich herum und ist todunglücklich. Die zweite Erklärung könnte so lauten: Mein Vater, der bis zu meinem Auszug stets bemüht war, meine Ehre unbefleckt zu halten, hatte sich das Bürschchen irgendwann einmal gehörig zur Brust genommen und ihm überzeugend dargelegt, daß seine Tochter vor ihrer Hochzeit weder gedenke, mit einem Mann zu gehen noch schlimmeres zu tun. Dies hat ein solches Trauma bei dem jungen Mann ausgelöst, daß er es nur verarbeiten konnte indem er sich erneut mit dem Auslöser konfrontierte. Seltsam bleibt es trotzdem. Leider kann ich keinen Kontakt zu Thomas aufnehmen. Der Depp hat sich seinen Namen ja so gewählt, daß ein googeln völlig sinnlos wäre.
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Heute morgen beim Anziehen bin ich mal wieder auf ein unerklärliches Phänomen gestoßen. In der Welt der Modedesigner und Kleidungshersteller scheint es die Kombination schlank und Busen nicht zu geben. Der Pullover als solches, ist lediglich in zwei Varianten zu erstehen: Labberig und busentauglich vs. eng und bauchfrei. Es ist nun wirklich nicht so, daß ich gigantische Brüste besäße. Nein, sie sind völlig normal. Ebenfalls bin ich nicht besonders schlank – eben normalgewichtig*. Dennoch kann ich mich beim Kauf eines Pullovers nur zwischen den oben genannten Varianten entscheiden. Mir ist es ein Rätsel, wie dies entstanden sein könnte. Denn es widerspricht allen Beobachtungen, die ich in puncto Modedesign machen konnte. Führe ich mir das Durchschnittsmodell vor Augen, so fällt mir folgendes auf: Es ist überlang und überdürr. Dies wiederum bedeutet, es trägt sehr lange, sehr enge Pullis. Trüge ich einen solchen Pulli, so müßte er mir nach allen Regeln der Logik passen. Denn meine mangelnde Größe wird kompensiert durch eine Ausbeulung im Oberkörperbereich. Der Stoff müßte also sowohl für groß ohne Busen als auch für klein mit Busen ausreichen. Tut er aber nicht. Wenn man es beispielsweise wagt, eine Schaufensterpuppe von hinten anzusehen, fällt ein weiteres Detail auf. Pullover an Schaufensterpuppen sind grundsätzlich am Rücken durch Stecknadeln fixiert, die den überschüssigen Stoff zusammenhalten. Um auszusehen, wie eine Schaufensterpuppe (selbstredend proportional aufgeblasen), müßte ich logisch folgernd die Pullis in M kaufen und hinten abstecken. Das wäre aber eine nur begrenzt handhabare Möglichkeit. Erstens kann ich mir mein Oberteil am Rücken nicht selbst abstecken und zweitens würden mich die Nadeln unter dem Blazer wahrscheinlich an den Rande des Nervenzusammenbruchs bringen, da sie akupunkturartig gewisse Areale meines Körpers stimulieren würden, die vielleicht gar nicht gereizt werden wollen. Für das Thema Hosen ist hier seitens der Modelabels bereits eine Lösung entwickelt worden. Beinbekleidung ist in fast allen Geschäften in normal und extralang zu haben. (Das dies überhaupt keinen Sinn macht, ist ein anderes Thema). Deswegen fordere ich hiermit die Modemacher auf, jegliche Oberbekleidung in normal und mitbrüste anzubieten! *Den Herren sei an dieser Stelle gesagt: Verwenden Sie niemals, wenn Sie mit einer Frau über ihr Gewicht sprechen, die Worte normalgewichtig oder alternativ die Kombinationen nicht dick, nicht dürr; dieses Vokabular ist ausschließlich dem weiblichen Geschlecht vorbehalten, wenn es über sich selbst spricht)
09 November 2004
Online Platformen wie finya & Co bieten doch immer wieder eine hervorragende Möglichkeit interessante Männerbekanntschaften zu machen. Auch gibt mir das immer wieder Hoffnung, daß ich nach Erreichen meines 30. Lebensjahres noch Geschlechtsverkehr haben kann. hi nuf! i wanna ask , do u hate young guys? coz right here, am not seeing u as old as u think u are coz u are so pretty, can we be friends 4 reall? anwer me right coz u might see me beside u 4 reall, i may meet u there.i need u to reply me soon or if possible send a number to call u with, i will call ok?dont mind my pics coz they are not clear images of mine , i will send u my good pics later ok?i planned coming over to germany
Es ist eine Unverfrorenheit, daß Frauen bei Versicherungen grundsätzlich höhere Beiträge zu zahlen haben. Versicherungen geben für diesen Sachverhalt fadenscheinige Gründe an: dies läge zum einen an der höheren Lebenserwartung, zum anderen seien Frauen tickende Erkrankungsgefahrenquellen. Ich verstehe das, wenn es um die gelangweilten Hausmütterchen geht. Sechsundachtzig Prozent aller Unfälle ereignen sich bekanntermaßen im Haushalt. Da steigen die Weibchen lebensmüde auf wackelnde Fensterbänke und stützen in die Tiefe oder sie schneiden sich unglücklich mit Kartoffelschälern und verbluten. Im Jahre 2004 ist es erforderlich umzudenken. Immerhin sind mancherorts fast vierzig Prozent der weiblichen Bevölkerung erwerbstätig! Das bedeutet zum einen Streß – insbesondere Dystreß. Dies verursacht in direkter Folge frühzeitiges Ableben, was die Kosten unleugbar senkt. Zudem sitzen geldverdienende Frauen mindestens zwölf Stunden vor ihren Rechnern oder starren in Meetings ihre Fußspitzen an. Was soll da passieren? Sie bekommen vielleicht schlechte Augen. Aber welche Krankenkasse zahlt noch Brillenzuschüsse? Das kann es also nicht sein. Karrierefrauen wollen auch keinen Nachwuchs austragen. Zeitgleich zur Beförderung zur Teamleiterin verabschieden sie sich ohnehin von ihrem Sexualleben. Was soll das also? Ich schlage vor, die Bewerbungsbogen für Zusatzversicherungen zu erweitern. Verdienen Sie Ihr Geld selbst? ja [ ] nein [ ] Erstellen Sie beruflich hauptsächlich Powerpointfolien? ja [ ] nein [ ] Streben Sie eine Führungsposition an? ja [ ] nein [ ] Drei Mal „ja“ bedeutet Senkung der Beiträge um zwanzig Prozent.
Also: ich war so weit. Ich hatte all meinen Geiz überwunden, meinen Sparstrumpf bereits von der Unterseite meiner Matratze ans Tageslicht geholt und das freundliche Serviceunternehmen mit unwissenden Fragen an den Rande des Nervenzusammenbruchs gebracht. Die Entscheidung für das komplette Innenleben meines ersten neu und selbst erstandenen Rechners war gefällt. Aber da gab es einen Haken: meine XX-Chromosomen. Die flüsterten meinem Gehirn ein, daß ein Computer, der Unmengen an Geld kostet, gut aussehen muß. Schließlich ist das Äußere, das einzige was ich sehe. Der ganze Technikquatsch kümmert mich nicht. Es zählt einzig und alleine, daß der elektronische Kasten sich optisch angemessen in meine Einrichtung integriert. Das kann er leider nur wenn er weiß ist. Und in diesem klitzekleinen Detail sitzt er Teufel. Er sitzt da und lacht mich aus und mir kommen langsam die Tränen. Ich kann so lange nicht bestellen, bis ich mich nicht für einen Tower entschieden habe. Geld spielt mittlerweile keine Rolle mehr. Ich zahle jeden Preis. Hauptsache das Teil sieht gut aus. Weiße Cases gibt es offensichtlich genau fünf. Doch hier findet das Drama noch lange nicht zum Happy End. Denn wenn ich erstmal ein Laufwerk in das Kästchen baue, so zerstört es die ganze Optik und stört das Gesamtbild auf unerträgliche Art und Weise. Also brauche ich einen weißen Midi-Tower mit zuziehbarer Klappe. Gibt es nicht. Ich brauche Lösungen*!!! Ich rufe hiermit alle Airbrusher auf, sich bei mir zu melden. Dann kaufe ich eine mausgraue Hülle und lasse sie umsprühen. * Wehe, jetzt kommt ein Clown von der Mac-Fraktion und rät mir beizutreten.
08 November 2004
Lieber Robbie, daß Deine so hoffnungsvoll vor einem Monat begonnene Beziehung zu Deiner Bewährungshelferin auseinander gegangen ist, tut mir sehr leid. Ich hab auch gehört, daß Dir Berlin ganz gut gefällt. Wenn Du also mal vorbei kommen magst, ich würde Dich gerne trösten. Ehrlich. Ich kann sehr verständnisvoll sein. Ich würde sogar über Deine dämlichen Schwalbentatoos hinweg sehen. Über Deine übermäßige Körperbehaarung müßten wir auch noch mal sprechen, aber das soll jetzt ja nicht das Problem sein. Neben meinem Einfühlungsvermögen, bin ich auch für meine Toleranz bekannt. Herzliche Grüße Deine nuf
Eines der ungelösten Rätsel der Menschheit sind die Baggypants. Genauer gesagt der Umstand, daß Hosen, die kurz vor Kniehöhe hängen, durch einen mir unbekannten Zauber an der besagten Stelle bombenfest sitzen bleiben. Ich laufe oft hinter kleinen Hip-Hoppern her und staune leise in mich hinein. Dieses Mysterium kommt knapp hinter dem Wunder des Lebens. Ich möchte mich an dieser Stelle ausdrücklich davon distanzieren, daß ich mich über diese Art von Beinbekleidung lustig machen würde. Das Gegenteil ist der Fall: Ich möchte, daß alle Männer diese Hosen tragen. Vor allem die Bürohengste. Es gibt kaum unsexieres als Bundfaltenhosen, die bis zum Kinn hochgezogen werden. Der einzige Anblick der dieses Grauen übertrumpfen kann, ist der Anblick eines in der U-Bahn breitbeinig sitzenden Mannes in Businesshosen. Der gemeine Preßsack sitzt da, beide Beine in entgegengesetzte Himmelsrichtungen gespreizt, die Hose schnürt das männliche Gemächt samt Anhang, geteilt durch die Hosennaht, an beide Schenkelinnenseiten. Der Kritiker mag mir raten, wegzusehen. Aber das geht nicht. Ich bin machtlos. So ein gepreßtes primäres Geschlechtsorgan ist einfach unübersehbar. Ich starre krampfhaft in die Luft, aber die Unästhetik liegt unignorierbar in der Luft und drückt sich leise hechelnd von allen Seiten an meinen Körper. Ich will mich dann schütteln und schreien: Nein, nein, bitte nicht!
In Mitte gibt es fortwährend Ausstellungseröffnungen und in Anbetracht meiner Fehlernährung in Kombination mit meiner täglichen Unfähigkeit einkaufen zu gehen, hatte ich neulich die spontane Idee mich nur noch von Bufetts zu ernähren. Eigentlich wollte ich mir gerade ein Falaffel holen und hatte mich bereits in Schale geworfen, da ich beabsichtige im Anschluß, eine Freundin auf eine Party zu begleiten, als ich an einer Galerie vorbei kam, die gerade einen jungen Künstler aus Hamburg präsentierte. Die Galerie war klein und ziemlich voll, also entschied ich, daß ich nicht auffallen würde. Der Höflichkeit halber schaute ich mir erst die unästhetischen Bilder an und futterte mich sodann durch die verschiedenen Speisen und unterhielt mich mit dem Sektträger. Das hat mich wohl etwas übermütig werden lassen. Vor dem nächsten Discobesuch verspürte ich wieder Appetit, als ich an einer weiteren Galerie vorbei kam. Die Bilder waren diesmal besser und ich war leicht überdreht. Gerade stand ich am Bufett und machte mich an die Sushiröllchen, als mich ein junger Mann ansprach, wie es mich wohl an diesen Ort verschlagen hätte. Da eines meiner Hobbys unleugbar das Konfabulieren ist, erfand ich, daß ich die Freundin des Vetters des Künstlers sei und extra aus Köln angereist sei, mein Freund nachkomme. Wir unterhielten uns ganz prächtig und ich sollte mir wirklich angewöhnen, nicht irgendwas zu fragen sondern genau die gleichen Gegenfragen zu stellen. Es stellte sich nach einem einstündigen Gespräch heraus, dass der breit grinsende Herr der Künstler war. Da bleibt einem schon mal das Kanapee im Halse stecken.
07 November 2004
Das ist einer der Abende, an denen ich sehr glücklich bin, nicht mehr in Bamberg zu leben. Ich besuchte heute mit Frau Zucker auf dem Festival des Nacherzählens im HAU 1. Ich kehre wieder mit einer Mission: Nächstes Jahr werde ich ebenfalls teilnehmen. Ich habe mich fast schon für einen Film entschieden. Derzeit schwanke ich zwischen Dirty Dancing und Top Gun. Beides Filme, die ich deutlich häufiger als fünf mal gesehen habe. (Vom Winde verweht wurde bedauerlicherweise bereits zu Besten gegeben) Ich bin allerdings jetzt schon ein wenig aufgeregt. Das Publikum ist sehr exquisit. Der Ansager eröffnete mit: "Es freut mich, daß dieses Jahr mehr Zuhörer wie letztes Jahr willkommen zu heißen". Das Publikum rief im Chor "Als!". Vorgestellt wurden unter anderem: Das Krokodil und sein Nilpferd, Ghost, Susi und Strolch, Lola rennt, Die Mörder sind unter uns, Die Bettwurst und Showgirls. Ganz groß, der Gewinner des 3. Preises, ein im Alter sehr fortgeschrittener Herr, der den Film Adoptiertes Glück vorstellte. Zitat: "Ich bin mir sicher, wenn hier jemand ist, der den Film kennt, ist er wohl aus dem Altersheim ausgebrochen. Sollte wider Erwarten ein Zuhörer unter ihnen sein, der den Film gesehen hat, so möge er sich nachher bei mir melden." Der 2. Preis ging an einen Herren, der Independance Day präsentierte. Wer mich kennt, weiß daß oben genannter Film Platz 2 meiner die-schlechtesten-Filme-aller-Zeiten-Liste besetzt. An diesem Abend gab ich ihm auf einer Skala von 0 (kacke) bis 9 (toll) eine 8. Frau Zuckerziege möchte nächstes Jahr einen 7 stündigen Film, der hauptsächlich vom Kricketspielen berichtet, präsentieren und ich fände es ganz angemessen, wenn Herr Zweiblum Dr. Schiwago übernähme. Die Veranstaltung begann um 18 Uhr und endete um 23.00 Uhr. Ich empfehle dringend, im nächsten Jahr dabei zu sein. Die Wettbewerbsbedingungen sind denkbar einfach. Die Schilderung darf zehn Minuten nicht überschreiten, visuelle Hilfmittel sind verboten.
Durst ist ein mir völlig fremdes Gefühl. Ich habe nie Durst. Mir ist durchaus bewußt, daß es wichtig ist zu trinken, nur Durst, den habe ich nicht. Meinen Recherchen zufolge handelt es sich bei dem Kuriosum „Durst“, um ein geschlechtsspezifisches Phänomen. Männer haben andauernd Durst. Wenn man einen Mann ins Bett bekommen will, muß man lediglich eine Flasche Wasser ans Bett stellen. Wie gesagt, auch ich nehme Flüssigkeit zu mir. Hauptsächlich in Form von Kaffee. Daß Kaffee entwässert, halte ich für ausgemachten Blödsinn. Es kann nicht sein, daß ich oben etwas einschütte und unten mehr rausläuft als ich zuführte. Wie soll das funktionieren? Kaffee ist hauptsächlich Wasser und ein bißchen braune Farbe. Ich mag als Frau unlogisch sein, doch selbst ich gehorche den Prinzipien der Osmose und da in Kaffee keine Salze enthalten sind, kann dieser mein Osmosegleichgewicht nicht stören. Das ständige Bedürfnis nach Wasser mag beim männlichen Geschlecht ganz andere Ursachen haben. So wie sie aus evolutionären Gründen gut Ball spielen können, mögen sie die Feuchte. Bekanntlich ernährte sich der Australopithecus africanus in erster Linie von Tieren, die in sumpfigen Gegenden zu finden waren (z.B. den Okawangosümpfen). Sie zogen aus, um die Schleimhüpfer, Davidhirsche und Kulanen mit ballförmigen Steinen zu erlegen. 2,5 Millionen Jahre später bleibt nur noch das Talent für Ballspiele und ein fortwährendes Durstgefühl. Es wird nicht umsonst sein, daß dem Hunger sprachlich das Sättigungsgefühl, dem Durst aber in keiner Sprache irgendein Wort gegenüber steht.
06 November 2004
Als absonderlicher Mensch interessiere ich mich für Absonderliches. Zu diesem Überbegriff zählen für mich die Ornithologen. Auf einem Flohmarkt erwarb ich vor einigen Wochen ein wunderbares Buch mit dem Titel „Vögel unserer Heimat – wie sie singen – wie sie leben – was sie bedroht“. Da lernte ich als erstes, daß es sich bei dem vornehmen Sperling lediglich um einen vulgären Spatzen handelt. Als nächstes nahm ich die Waldschnepfe unter die Lupe. Da steht: Scolopax rusticola Größe: ca. 34 cm Spannweite: ca. 55 cm Gewicht: ca. 280-320 g Gehört zur Familie der Schnepfenvögel. Überwiegend Zugvogel. Während des Frühjahrszugs beginnen die Balzflüge, die als Schnepfenstrich bezeichnet werden. Zwischen März und Ende Juni finden zwei Jahresbruten statt. In der Regel besteht das Gelege aus vier dunkel gefleckten Eiern, die in einem Bodennest 20–22 Tage bebrütet werden. Das Männchen beteiligt sich nicht am Brutgeschäft. Unterscheidet sich von der Bekassine durch das quer gebänderte Kopfgefieder. Bestand: gefährdet Noch interessanter: Sie quorrt und puitzt. Ganz im Gegensatz zur Hohltaube, die „Huhwup-huwup“ ruft und dem Kleiber, der gereihte Rufe wie »Tuit-tuittuit«, » Wiühwiüh«, » Trürrrr« ausstößt. Ich gehe also in den nächstgelegenen Wald und suche die Waldschnepfe, um das »Kworr« und »Kwitz« live zu vernehmen. Der Wald schweigt und so versuche ich es bei google und einem Vogelkundlerverein. Ich rufe dort an und frage, ob ich an einer der Vereinsversammlungen teilnehmen kann, da ich mich sehr für Vögel interessiere. Man erlaubt mir dies zögerlich und sehr verwundert. So entdecke ich an einem Mittwoch Abend den Grund der Verwunderung, weil ich versehentlich bei einem Ontologenverein anrief. Trotz viel guten Willens kann mein Schnepfenproblem hier nicht gelöst werden und ich ziehe mehr oder minder enttäuscht von dannen. Zuhause habe ich die zündende Idee. Ich gehe in einen CD-Fachhandel und erstehe einen Tonträger mit dem Namen „Vogelstimmen – so singen unsere Vögel Vol. 1“. Die überspiele ich auf meinen MP3-Player und loope die Schnepfe. Sie knorrt tatsächlich und es entspannt mich sehr, ihr zu lauschen.
05 November 2004
Neben kaltem Kaffee, verabscheue ich ineffiziente Kommunikation. Im Zeitalter des Handywahns, hat sich nicht zielführende Kommunikation eine recht breite Nische erkämpft. Als Mensch, dem es sehr wichtig ist auf jedes Trendbrett aufzuspringen, bin ich dem allgemeinen Hype zu Beginn auch verfallen. Geheilt hat mich folgende Erfahrung: Beim Durchforsten meiner Handtasche, die mit sog. schwarzen Minilöchern* durchsäht ist, (die im Übrigen auch mein Gehirn anheimsuchen), entdeckte ich eines Morgens panikerfüllt, daß ich mein Handy zu Hause vergessen hatte. Den ganzen Tag saß und rannte ich wie auf heißen Kohlen, denn niemand konnte mich erreichen. Ich war verschollen in einer schlimmeren Tiefe als dem Funkloch. Zitternd lief ich nach Beendigung meiner Pflichten nach Hause, wäre im Treppenhaus fast noch gestolpert, riß die Tür zu meiner Wohnung auf, rannte in mein Wohnzimmer, grapschte nach dem Handtelefon und starrte voller Erwartung auf das Display. SMS: 0 Entgangene Anrufe: 0 Es war erschütternd, zumal ich die Wichtigkeit meiner Person genau an oben genannten Werten festmachte. N U L L Es war also nur selbstwertdienlich, mich von dieser Definition zu verabschieden und fortan in höchster Entspanntheit mein Handy gelegentlich zu vergessen. Jetzt bahnt sich ein nervendurchsägender Trend an, dem ich an dieser Stelle den Garaus verschaffen möchte. Liebe Menschen, die ihr Themen zu diskutieren habt oder dringenden Klärungsbedarf seht. Greift nicht zum zeitaufwendigen Tastentippen, nein, besinnt Euch auf die Zeit bevor es Handys gab. Ruft an! Bitte! Ruft einfach an. Eine SMS ist kein adäquates Medium für eine abendfüllende Debatte. Sie eignet sich ebensowenig Lösungen für zeitkritische Probleme zu finden. Denkt wirtschaftlich. Ein 10 sekündiger Anruf kostet zudem viel weniger als zehn SMS. Vielen Dank für ihr Verständnis im voraus. *nachzulesen bei Steve
Weihnachten kommt unaufhaltsam auf uns zu. Gewöhnlich habe ich bereits Ende Oktober alle erforderlichen Geschenke erstanden. Dieses Jahr vereiltelten mir unbeeinflußbare externe Umstände ein solches Vorgehen. Also wache ich Nacht um Nacht angstschweißgebadet auf und frage mich: Was kann ich schenken? Glücklicherweise fiel mir folgender Link in die Hände. Dort finde ich für jedes Familienmitglied das geeignete Präsent und zwar völlig sorglos, daß einer meiner Familie bereits entsprechendes besitzen könnte. Welche Erleichterung. Danke N.!
04 November 2004
Ich: Hallo, tschuldigung, daß ich Dich wecken muß. Ich weiß, Du wolltest schlafen, aber ich hätte da mal ne Frage. Gehirn (blinzelt, dreht sich in der Gehirnschale auf die andere Seite und schlummert wieder ein) Ich: Ne, echt mal. Wach mal auf, nur kurz, ganz kurz (sanft drücke ich an mein Auge, welches bekanntlich ein Teil des Mittelhirns ist) Gehirn: Wasn jetzt schon wieder? (zieht sich vorwurfsvoll zusammen) Ich: Ich hab da wirklich mal ne ganz wichtige Frage Gehirn: Maaaaann! Ich: Darf ich jetzt ... Gehirn: Na, mach ma (kratzt sich am Hippocampus) Ich: Welche Farbe bekommen Schlümpfe, wenn man sie würgt? Gehirn geht automatisch in Stand-by-Modus Ich: Hey! (Ich schüttel heftig den Kopf) Gehirn: Nächste Frage. Ich: Ok. Was fühlt ein Schmetterling im Bauch, wenn er verliebt ist? Gehirn (würgt aus dem Hypophysenvorderlappen) Ich: Mann! Jetzt hilf mir doch mal! Gehirn hält sich die Synapsen zu Ich: Was zählen Schafe, wenn sie nicht schlafen können? Gehirn: Ich drück mir die Medulla Oblongata ab, wenn Du jetzt nicht die Klappe hältst. Ich: *hmpf*
Vorgestern habe ich gelernt, daß Beliebtheit und Wichtigkeit sich anhand der Treffer bei google ermitteln lassen. Ich konnte diese These heute eindeutig wiederlegen, denn demnach wäre die Wahlentscheidung völlig anders ausgefallen. Auch lässt sich deutlich erkennen, welche Themen in dieser Welt eine Rolle spielen. Daraus lerne ich, ich bin nicht das Zentrum der Welt, aber immerhin wichtiger als so manch anderer Komiker. John Kerry - 6.400.000 Madonna - 6.160.000 George Bush - 6.020.000 Papst - 1.090.000 Gerhard Schröder - 544.000 Matt Damon - 413.000 nuf - 96.500 Otto Waalkes - 51.800
Samstag Abend. Um unsere Jugend zurück zu holen, beschließen wir nach unserer „wir sind fast 30-Krise“ einstimmig in eine Disco zu gehen. Vorher haben wir uns natürlich umgehört wo man hingehen kann. Bedingungen: Mit Eintritt in das Etablissement wollen wir den Altersdurchschnitt nicht um acht Jahre heben und die Musik soll irgendwie tanzbar sein. Also kein mtz mtz mtz. Uns wurde das „Abraxas“ ans Herz gelegt. Großer Fehler. Punkt 24 Uhr stehen wir vor der Eingangstür. Nach kurzer Debatte fasse ich mir ein Herz und betätige die Türsteherklingel. Ein kleines Fenster öffnet sich und wir werden von zwei Augen gemustert. Einige Sekunden später summt es und wir werden hereingelassen. Innen stellen wir fest, daß die Disco eigentlich eher eine Art Tanzbar ist. Irgendwas liegt in der Luft. Es ist Test-ost-eron! Gespielt wird etwas, das in meinen Ohren noch schlimmer als Techno ist: ein Gemisch aus Latino und Rythm ’n’ Bullshit. Bleibt also nur Alkohol und akribisches geistiges Mitprotokollieren. Auf die Tanzfläche zu sehen ist in jedem Fall spannender als der verpaßte Samstag-Abend-Fernsehfilm. Zahllose Fragen drängen sich auf: Woher beziehen die Gäste ihr Outfit? Gibt es noch Modelabels die tatsächlich auf dünne Lederschlipse, Stufenröcke und Puffärmelblusen setzen? Bin ich als Landei gegen großstädtische Fruchtbarkeitsrituale immun? Wann wird das Paar vor mir zum Hauptakt übergehen? Wird es vor meinen Augen passieren? Es war grauenhaft. In Anbetracht des gezahlten Eintritts und der zunehmenden Alkoholisierung entscheide ich mich schließlich doch ein bißchen zu tanzen. Während ich mich also bereits bewegend auf der Tanzfläche befinde, komme ich mir vor wie ein weißes Blutkörperchen, das sich gegen Antigene zu verteidigen versucht. „Wanna dance?“, fragt es da von der Seite. Ich drehe mich der Lautquelle zu, denke: „Mann ich bin schon am tanzen, Du Blindfisch“ und sage: „No thanks!“. Er „Oh common, you wanna dance with me hmmm hmmm?“ Seine Hand tätschelt meinen Hintern. Ich setze meinen Todesblick auf und unterstreiche ein zweites Mal verbal meine Ablehnung. Er geht zur nächsten Frau. Circa 30 Sekunden später höre ich etwas ähnliches wie „Seniorita ballando si si“ und starre einem Möchtegernspanier auf die gegelte Frisur. Sein Spanisch erinnert mich an die Tiefsinnigkeit einiger Ricky Martin Songs. Ich drehe mich entnervt in die andere Richtung. Aus Versehen streift da mein Blick einen anderen Typen, der sich sofort breit grinsend in Bewegung setzt. Gleichzeitig nähert sich unterleibswackelnd ein anderer aus der entgegengesetzten Richtung. Daraufhin tanze ich unauffällig in eine menschenleere Ecke der Disco und verhalte mich den Rest des Abends unsichtbar. Ich resümiere: meine Jugend ist vergangen, dennoch befinde ich mich noch nicht in der Phase der wahllosen Fortpflanzung.
03 November 2004
Internet für alle gibt es im Grunde erst seit 1980 durch die Entwicklung des TCP/IP-Übertragungsstandards. Offline schreibe ich seit 1981 Tagebuch. In einem Anfall von Langeweile begann ich meine Tagebücher zu lesen und stieß auf das ein oder andere Amüsement. Absolutes Highlight ist jedoch das von 1986. Da passierten noch wirklich dramatische Dinge und ich mußte mir nicht über die Nichtigkeiten des Alltags den Kopf zerbrechen. Image Hosted by ImageShack.us Tagebücher sind eine Art Dokumentation der kognitiven Entwicklung. In 19 Jahren habe ich meine Rechtschreibung wesentlich verbessert, kann ohne linealgezogene Bleistiftlinien gerade schreiben und habe schon lange keinen Radirgummi ausversehen kaputt gemacht.
Ich habe erneut über die Altersversorgungsproblematik nachgedacht. Daß die staatlichen Rentenkassen leer sind, ist hinlänglich bekannt. Auch die Gründe bedürfen keiner näheren Erklärung. Warum aber wird nichts gespart? Warum habe ich eigentlich nie was übrig? Ich meine, ich besitze ein vier Jahre altes Handy, einen sieben Jahre alten Rechner, keinen Fernseher, habe kein Auto, kein Fahrrad - nichts. Heute fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ursprung allen Übels ist der coffee to go. Erfunden wurde er offiziell 2000. Genau das Jahr in dem ich mein Studium niederlegte und begann mein eigenes Geld zu verdienen. Fortan mußte ich aus organisatorischen Gründen täglich mindestens einen CTG kaufen und trinken. Im Laufe der letzten Jahre hat sich die Dosis verdoppelt. Würde ich das Geld, das ich täglich ausgebe, sparen und bei 4% Zinsen anlegen, so hätte ich bereits zu meinem 60. Geburtstag wahnsinnig viel Geld*. Ich bin sicherlich kein Einzelfall sondern wie jeher lediglich Repräsentant für die Durchschnittsbevölkerung. Die Erfindung des coffee to go leitete folglich vor vier Jahren das Ende der industrialisierten Nationen ein. So lassen wir alle nicht nur unser Geld in den Togo-Ketten, nein, es ist schlimmer ... Kaffee macht impotent und unfruchtbar. Der Nachwuchs bleibt aus, die Bevölkerung schrumpft und wir sterben alle aufgrund lächerlicher koffeinhaltiger Schnabelbecherlein aus. *m=0; for(i=0;i<30;i++;) { m=m+12*84; m=m*1,04 } print m;** -------------------------------------------------------------- **Quelle: N.
Ich bin hoch erfreut. Offensichtlich ist es auch nach stundenlangem Probieren völlig unmöglich ein Phantombild von mir zu erstellen. Das eröffnet ungeahnte Möglichkeiten. Image Hosted by ImageShack.us
Berlin kann man nur lieben oder hassen. Ähnlich wie Ingwer beim Sushi. An manchen Tagen bringt mich diese Stadt an den Rande eines Nervenzusammenbruchs. Es ist Feierabend. Um exakt 20 Uhr verlasse ich das Büro und schleppe mich erschöpft in die U-bahn. Glücklich einen Sitzplatz ergattert zu haben, verfalle ich in katatonen Zustand. Mein Gehirn macht fast Urlaub als zwei Musikanten das Abteil betreten. Sie stimmen ein lustiges Lied an. Mein Hirn verkrampft sich. Wie oft muss ich in meinem Leben bitte noch „the girl from Ipanema“ gespielt auf einer Gitarre, begleitet von einer Querflöte hören? Eine Sekunde bevor ich aufspringen und schreien will: „AUFHÖÖÖREN, bitte aufhööören“, verlassen die Herren den Wagen. Ich entspanne mich wieder. Eine Station später, springt jemand zur Tür hinein und ruft: „Waaaaah, ich bin total verhaltensgestört. Ich stehe in U-Bahnabteilen und schreie rum. Das is nich normal. Normal is das nich. Das is sowas von verhaltensgestört (tbc).“ Pause „Wobei“, er erhebt wieder die Stimme „vielleicht seid auch ihr diejenigen, die verhaltensgestört sind, immerhin stehe ich hier und schreie rum und ihr, ihr tut alle so, als ob ihr mich nicht hören könnt“ Er schreit Vokale vor sich hin. Wäre ich besser gelaunt, würde ich wahrscheinlich lachen. Er steigt wieder aus. Eigentlich hätte er sich beim nächsten abklatschen können. Wieder zwei Männer, die singen. Zwischendrin noch ein Harmonikaspieler und vier bis fünf Straßenzeitungsverkäufer. Wenn das so weiter geht, werde ich bald die Überschrift in der Berliner Morgenpost.
02 November 2004
Vor Kurzem hat mich ein Kind gebissen. Ich frage: Warum tust Du das? Antwort: "Was alt ist, muss weg", und beisst wieder zu.
Selbstversuch in zwei Akten: Der Besuch eines Fitneßstudios Das Holmesplace verteilte kürzlich Gutscheine zum Probetraining. Ich fand die Bilder ansprechend und da ich bis zu diesem Zeitpunkt meines Lebens noch nie oben genannte Institution von innen besichtigt hatte, entschloß ich mich anzurufen und einen Termin zu vereinbaren. Sonntag 15 Uhr war es soweit. Etwas aufgeregt melde ich mich am Empfang. Eine stark untergewichtige Barbie, namens Peggy erklärt sich zuständig für meinen Aufenthalt und ich werde zunächst in den Keller geführt, um dort die Kleidung zu wechseln. Sie befahl mir im Anschluß direkt in die 2. Etage zu fahren und sie dort wieder zu suchen, damit sie mir die Folterapparate vorstellen könne. Unten kämpfte ich mich durch ein Spindlabyrinth und war stark abgelenkt durch die ganzen Gerätschaften, die sich schon in den Umkleidekabinen fanden. Überall gab es 4 mal 1,5 Meter große, beleuchtete Vergrößerungsspiegel, versehen mit einer ganze Batterie an Spendern (Kosmetiktücher, Handcreme, Abschminkflüssigkeit, Gesichtscreme, Körpercreme und Haarfestiger). Besonderes Interesse zog der mechanisch betriebene Badewäschetrockner auf sich. Bis ich alles ausprobiert hatte, war deutlich mehr als eine halbe Stunde vergangen, was offensichtlich zu lange war, denn Peggy empfing mich etwas schnepfig und befahl mir mich auf einem Stepper warm zu machen. Ich folgte brav den Anweisungen und hatte großen Spaß die verschiedenen Programmierungen auszuprobieren. Vorwärts, rückwärts, langsamer, schneller, noch schneller, rückwärts. Als ich fertig war, meldete ich mich ordnungsgemäß wieder bei Peggy, die mich daraufhin befragte, welche Problemzonen ich angehen möchte. Problemzonen? Hm. Ich war etwas ratlos und überlegte offenbar etwas zu lange, denn Superbarbie betrachtete mich naserümpfend und entschied „Bauchbeinepo“. - „und Fledermausärmel und Kniespeck“, ergänzte ich. Sie hörte mir aber gar nicht mehr richtig zu und stellte mir das erste Gerät vor. Sie schlängelte sich in eine nach meinem Gefühl zunächst als körperunintegrierbare bewertete Maschine und führte die Übung vor. Ich folgte ihr sehr konzentriert und machte alles nach. Meistens war mir aber entweder nach der dritten Wiederholung sehr langweilig oder aber, ich war mir sicher, daß mein Körper entsprechende Muskelpartie leider nicht besitzt und mir die Übung somit unmöglich macht. Peggy lies sich auf keine Diskussionen ein. So langweilte ich mich ca. eine Stunde zu Tode, bevor ich muskelzitternd in die Schwimmbad-Whirlpool-Sauna-Zone entlassen wurde. Der Whirlpool war leider zu laut, um dort länger als fünf Minuten zu verbringen, das Wasserbecken eindeutig zu kalt und naß, also entschied ich mich für Sauna. Sauna ist super. Um dort verweilen zu können, muss ich nämlich meine Kontaktlinsen entfernen. Mit einem Scharfsichtbereich von ca. 10 cm begebe ich mich also in die Hitzehölle. Da sitze ich dann abscheugeplagt wie in einem Horrorfilm. Glücklicherweise sehe ich nicht scharf, jedoch sitzen an einigen Ecken Damen und Herren mit schwarzen Pelztieren im Schoß. Ich wünschte jemand würde die Tierchen mit einem lauten kscht, KSCHT verscheuchen! Zurück in der Umkleidekabine notiere ich: Fitneßstudio muß die nächsten 29 Jahre nicht mehr ausprobiert werden.
Ich berichte einer Freundin einige Tage später von meinem Aufenthalt. Sie bestätigt mir den empfundenen Langweiligkeitsgrad und mahnt mich, nächstes Mal einen Kurs zu besuchen. Eine Befragung meiner anderen Freundinnen ergibt, daß Yoga total Spaß macht, also rufe ich mit neuem Namen im Holmesplace an und sage, ich würde gerne mal einen Kurs ausprobieren. Die darauffolgende Woche erscheine ich nach der Arbeit punkt 19 Uhr im Yogakurs. Wir sind zu acht und offensichtlich ist meine lila-orange Kombination die falsche, denn alle anderen erscheinen in hellen Erdtönen. Das hätte mich schon skeptisch machen müssen. Augenscheinlich ist Yoga eine sehr ernste Sache, denn die Damen gehen es sehr verbissen an. Den Verrenkungen kann ich folgen, Kopfzerbrechen bereiten mir lediglich Anweisungen über die Atemtechnik. Ich soll aus und in alle möglichen Körperteile atmen. Beispielsweise in den Kopf. Leider ist der nicht hohl und so habe ich meine liebe Mühe überhaupt entspannt und regelmäßig zu atmen. So lange die Anweisungen konkret bleiben, kann ich mich wenigstens noch ein wenig in die Zielvorgabe eindenken. Richtig schwierig wird es, wenn ich tief in mein „Zentrum“ atmen soll. Welches denn nun? Während ich grübele, beobachte ich meine Mitstreiterinnen, die einen zunehmend seligen Gesichtsausdruck bekommen. Nach einigen Minuten beginnen sie zu stöhnen. Es klingt sehr obszön und ich wundere mich welche Stellen wohl stimuliert werden. Wahrscheinlich haben sie mittlerweile ähnliche Schmerzen wie ich. Ich bin hundert Mal verspannter als zu Beginn der Übungen. Mein Rücken knackst einige Male protestierend in die Stöhnkonzerte. Wahrscheinlich funktioniert der ganze Esoterikmist bei mir nicht, weil ich keine eigene Yogamatte besitze. Yoga scheidet für mich zur Bewältigung meiner Dreißigerkrise eindeutig aus. Gruppenschwitzen und -stöhnen finde ich ohnehin unziemlich. Glücklicherweise gibt es ja noch die Alternative das Ganze zu überwinden, indem ich einen Motorradführerschein mache.
01 November 2004
Schon letztes Jahr konnte ich am 31. Oktober beobachten, daß der deutsche Einzelhandel es irgendwie fertig gebracht hatte, Familien mit Kindern davon zu überzeugen, daß es viel Spaß mache und wichtig sei an der uns völlig fremden Tradition des Halloween teilzunehmen. Auf dem Nachhauseweg gestern abend, bemerkte ich, daß es v.a. übergewichtige Mütter sind, die ihre Kinder dazu zwingen albern verkleidet in der Eiseskälte von Tür zu Tür laufen. Auch bei mir wurde im Verlaufe des Abend mehrere Male die Türglocke betätigt. Ich öffne und vor mir stehen Mullbindenmunien, Bettlakengespenster und dilettantisch geschminkte Hexen. "Süßes, sonst gibt‘s Saures!", schreien sie und ich bin etwas enttäuscht, daß es offensichtlich genau einen, nämlich diesen, Spruch gibt. Aber ich bin vorbereitet! Im Vorfeld von Halloween habe ich mir mehrere hundert Ernährungsbroschüren des Bundesgesundheitsministeriums bestellt und einige Kopien der norwegischen „Karius und Baktus“-Geschichten gebrannt, die ich nun großzügig verteile. Ich bitte die Kinder anschließend in meine lediglich durch Kerzen beleuchtete Wohnung und erzähle ihnen den wahren Hintergrund von Halloween. (Im 2. Jahrhundert vor Christus versuchten sich irische Kelten vor den umherirrenden Seelen Verstorbener zu schützen. Dazu brachten sie dem Totengott Samhain Ende Oktober ein Menschenopfer. Diese Opfer waren meist Kinder, da nichts so unschuldig und rein ist, wie ein kleines Kind, welche die Druiden von der verängstigten Bevölkerung forderten. Traditionellerweise wurden diese nach Ablieferung in Weidenkörbe eingesperrt und verbrannt. Vor die Häuser derer, die das Opfer bringen mußten, wurde eine ausgehöhlte erleuchtete Steckrübe (später auch Kürbis) gestellt. Nachdem das Kind abgeliefert war, blieb die Rübe zum Schutz des Hauses zurück. Verweigerte die Familie das Kind, beschmierten die keltischen Priester die Tür mit Blut. Dies war wie ein Todesurteil für alle dort Wohnenden.) Nach der Aufklärung bekommt jedes Kind als Bonus einen knochentrockenen Vollkornreispuffer in die Hand gedrückt. Abends lege ich mich zufrieden in mein Bett. Ich habe mal wieder sowohl etwas für die Allgemeinbildung als auch für die Gesundheit der Nation getan. Außerdem bin ich mir sicher, daß meine Klingel nächstes Jahr unberührt bleibt.
Als ich Samstag Abend Ex-Mitbewohner und Altnachbar besuchte, befragte mich mein Nachbar leicht entsetzt, ob The Bourne Supremacy tatsächlich so schlecht sei. - Ja. Natürlich wollte er mir einen schlechten Geschmack andichten. Jedoch bestehe ich darauf, daß ein Film, der Authentizität beansprucht, entweder Inhalt oder charakterliche Entwicklung braucht. Was mir Kopfzerbrechen bereitete, war der Umstand, dass ich mittlerweile nicht mal mehr eine Top-5 der unerreichbar attraktiven Männer zusammenstellen konnte. Es blieben nur noch Heath Ledger, Hugh Jackman und Gert Scobel. Glücklicherweise lieh ich mir beim Nachbarn zum wiederholten Male "Bube, Dame, König, GrAs" und bin dabei erneut auf Jason Statham gestoßen. Jason war mir als potenzielles Sexobjekt bereits am 7. Juni aufgefallen. Aus unerfindlichen Gründen hatte ich ihn im Juli schon wieder vergessen. Jason ist zwar etwas klein (1.80), aber er ist Sternzeichen Jungfrau. Ich bin Aszendent Jungfrau und von daher würden wir sicherlich hervorragend harmonieren. Außerdem bietet sein Name gute Anknüpfpunkte an wirre Träume. Heute Nacht beispielsweise, befand ich mich mit Jason Statham und vierzig Argonauten auf einem großen Segelschiff. Gottlob machten wir lediglich eine Karibikkreuzfahrt und kümmerten uns nicht um das goldene Vlies. Wer will schon einen Bettvorleger haben, wenn er sich alternativ an weißsandigen Stränden aalen kann? Die Argonauten spielten Beachvolleyball und Jason, seines Zeichens olympiagekrönter Turmspringer, demonstrierte mehrere Salti und andere Kunststücke, während ich mit einem Strohhalm Kokosnußmilch schlürfte. Das ist, was ich einen guten Start in die Woche nenne!

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