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02 Dezember 2004
Ich glaube nicht, dass Frisöre während ihrer Ausbildung auf die unglaubliche Verantwortung vorbereitet werden, die sie bei der Ausübung ihres Berufes zu tragen haben. Auch sind sie ihm Gebiet psychologische Betreuung nur sehr unzulänglich ausgebildet. Deswegen werde ich mich bald selbständig machen und eine Seminarreihe für das Frisörhandwerk anbieten: Teil 1: Die Tücken der Kommunikation. Wittgensteinsches Kommunikationsmodell, nicht was ich mit einem Ohr höre sondern was der Kunde sagt, ist wichtig. Teil 2: Ziele in Etappen erreichen. Warum ich nicht erst zehn Zentimeter abschneide und dann erkenne, dass ich einen Fehler gemacht habe. Teil 3: Mit Katastrophen umgehen lernen. Wie ich meinem Kunden nach Verschneiden der Frisur doch noch ein Lächeln aufs Gesicht zaubere. Der gewiefte Leser mag es bereits ahnen: ich war gestern beim Frisör. Bis auf die letzten beiden Male war ich immer äußerst zufrieden. Die Auswahl an Frauenzeitschriften war groß, die Öffnungszeiten für die stressgeplagte Bürofrau hervorragend geeignet und die Damen und Herren FrisörInnen bestens qualifiziert. Jedenfalls bis auf eine. Die lernte ich bereits das letzte Mal kennen. Mareike hat sich in den Kopf gesetzt jeden Kunden in weniger als fünf Minuten abzuwickeln. Dementsprechend ist ihr Haarschneiderepertoire etwas begrenzt. Unabhängig davon, was die Kundin wünscht, Mareike schneidet die selbe Frisur. Die steht dem einen besser und dem anderen schlechter. Letztes Mal hat sie sich jedoch beherrscht und ich konnte die Frisur am Ende noch durch geschicktes Hin- und Herkämmen retten. Gestern setze ich mich also um 20 h in den Frisörladen, sammle vorher noch alle Galas und Brigittes und zähle sieben Damen, bevor ich an der Reihe bin. Mareike hat drei von meinen Vorgängerinnnen unter die Schere bekommen und so war ich sehr bereits voller Hoffnung, dass ich diesmal nicht zu ihren Opfern zählen würde. Weit gefehlt. Mareike ist ja vier Mal so schnell wie die anderen und so schaue ich als ich endlich an der Reihe bin, von meinem überaus interessanten Galaartikel hoch, als Maraike sich langsam in Gang setzt. „Nein, nein, nein! Bitte nicht die, nicht die, bitte, bitte“ „Wer ist der nächste?“ Ich halte meine Nase noch tiefer in meine Zeitschrift, hoffe inständig eine andere möge sich vordrängeln. Doch in Deutschland herrscht Zucht und Ordnung und so rufen die Mitwartenden im Kanon: „Die da!“ und zeigen auf mich. „Oh, mein Artikel ist grad so interessant, wollen sie nicht zuerst?“ Kollektives Kopfschütteln. „Mist!“ Ich stehe auf und folge der Frisörin opfergleich auf die Schlachtbank. „Wie willstes denn haben?“ „Ähm, ja. Also ich hab da ein Bild dabei von dem einen Mal, wos mir so gefallen hat“ Ich zücke das Bild. Mareike nimmt sich fünfzehn Millisekunden Zeit das Bild zu betrachten und beginnt zu schneiden. Noch ehe ich protestieren kann, ist die Hälfte vom Pony ab und sie sagt: „So?“ „Ha, ha, ne länger.“ “Naja, länger geht ja nun nich mehr.“ “Ach, wär ich ja nie drauf gekommen.“ Diskussion beendet. Frisur drei Minuten später auch. Das ich völlig verhunzt aussehe, zeigt der nachfolgende Gesprächsverlauf. 22.30 h. Ich besuche meinen Ex-Mitbewohner, um ein Buch abzuholen. Ich trete ein. Er: „Oh warst DU beim Frisör?“ Ich, denkend: „OMG! Er kann es sehen, das heißt nichts Gutes.“, sagend: „Ich seh aus, wie n Rehpinscher.“ Er NICKT, sagt: „Naja, ganz so schlimm ist es (Pause der Überwindung) nicht...“ Die Wahrheit ist – es ist grauenhaft. Ich sehe aus wie ein Monster. Am liebsten würde ich mich mindestens acht Wochen krank schreiben lassen, die Schlampe wegen Körperverletzung verklagen und mir Hausarrest verpassen.

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