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17 Dezember 2004
Tagebuch einer Grippekranken Nebenhöhlenentzündung ist ne super Sache. Man hat Kopfschmerzen als hätte man kürzlich eine ungewollte Begegnung mit einem LKW gemacht und man klingt wie Rudolf Mooshammer, weil man nur noch durch die Nase sprechen kann. Wenn dazu noch Bronchitis und ne Grippe kommt, dann ist die Krankheit perfekt. Zeit nach 5 Tagen heldenhaften Erdulden zum Arzt zu gehen. Da sitzt man dahinsiechend im Wartezimmer und rangiert auf der Beliebtheitsskala gleich nach Fußpilz. Jedes Mal wenn sich jemand neben mich setzt, steht er 20 Sekunden später verschämt zu Boden schauend auf und sucht sich einen neuen Platz der sich möglichst weit von mir weg befindet. So sitze ich am einen Ende des Zimmers und sieben Patienten teilen sich die Plätze neben der Tür im Durchzug. Höchst amüsant die Ärztin. Da ich keinen Hausarzt habe, gehe ich einfach zu irgendeiner. Als ich sie sehe, frage ich mich, ob Ärzte eigentlich nicht irgendwann in Rente müssen. Sie ist schätzungsweise 70, schaut einmal in meinen Mund und springt erschrocken mit den Worten: "Ach herrje is das rot!" hinter ihren Schreibtisch. Ohne weitere Fragen beginnt sie damit Medikamente en masse auf den Rezeptblock zu notieren. Während sie noch schreibt, wählt sie mit der anderen Hand eine Nummer und besorgt mir einen weiteren Termin bei einer Kollegin. Dann gibt sie mir den Rezeptpacken, die Krankschreibung und die Überweisung in die Hand und instruiert mich umgehend das Nachbarhaus aufzusuchen und der dortigen Ärztin alles zu überreichen. Sie solle das bitte prüfen und ich solle um Gottes Willen keines der Medikamente zu mir nehmen, ehe Ärztin 2 nicht zugestimmt hat. Sehr vertrauenserweckend. Die Nachbarärztin ist eine HNO-Ärztin und ich muss mich sehr zusammenreißen bei der Untersuchung nicht meine Kamera zu zücken. Mir gegenüber sitzt eine Frau, die tatsächlich so ein silbernes Ding mit Loch um den Kopf trägt wie man es aus Kinderspielarztkoffern kennt. Durch das Loch in der Scheibe schaut sie in meine Nase und verschreibt mit sechs Sitzungen Kurzwellen. Nun werde ich also täglich mit Kurzwellen beschossen. Das genaue Prinzip kann mir niemand erläutern. Ich muss mich mit dem Hinweis zufrieden geben, dass es hilft. Wenn ich mir den Ablauf näher betrachte bin ich mir nicht sicher, ob ein einfaches über meiner Nase fuchteln in Kombination mit "Hex, hex!" nicht den gleichen Effekt hätte. Zunächst muss ich alles aus dem Gesicht entfernen, was Metall ist. Die Arzthelferin sagt: "Piercings und falsche Zähne rausmachen" Ich schaue sie fragend an "Naja, Ohrringe, Brille, Reißverschlüsse und so." Nachdem ich also alle Reißverschlüsse aus meinem Kopf entfernt habe, bekomme ich eine metallene Brille bestehend aus zwei zusammengetackerten Küchensieben überreicht. Ein kleines Gerät, das aussieht wie ein Lautsprecher wird auf mich gerichtet und der Küchenwecker wird auf drei Minuten gestellt. Meine rechte Kieferhöhle wird beschossen. Ring. Meine linke Kieferhöhle wird beschossen. Ring. Die Arzthelferin ist gerade in ein wichtiges Gespräch über das Wetter verwickelt. Durch meine Küchensiebbrille luge ich auf meine Uhr. Fünf Minuten. Ich werde nervös, räuspere mich lautstark. Die Arzthelferin ist leider gerade damit beschäftigt zu berichten was sie als Weihnachtsgeschenk für Enkel sechs und sieben ausgesucht hat. Ich versuche durch das Gitter etwas an der Apparatur vor mir zu erkennen und frage mich, ob meine Kieferhöhlen nun langsam weggebraten werden. Mit dem Fuß schiebe ich das Gerät weg und drücke auf irgendetwas das nach Ausschalter aussieht. Dann gehe ich in den Empfangsraum. Die Arzthelferin sagt: - Oh waren die drei Minuten schon um? - Ja, ungefähr drei Mal schon. - Mir war auch so als hätte ich den Wecker gehört. Grummelnd verlasse ich den Raum. Meine Laune lässt ohnehin sehr zu wünschen übrig. Seit Tagen lebe ich Kaffee und Nikotonfrei. Außerdem habe ich keinen Fernseher. Krank sein und keinen Fernseher zu haben macht überhaupt keinen Sinn. Ich habe nicht mal Internet. So sind Tageshöhepunkte lediglich das mit Kurzwellenbeschossenwerden und die Sekunden in denen ich wenigstens durch ein Nasenloch frei atmen kann.

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