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06 Januar 2005
Aus der Serie: lustige Begebenheiten aus dem Leben eines Sizilianers Was gibt es romantischeres als dauer-frisch-verliebt mit seiner Frau eine Fahrt im Nachtzug zu machen? Für den Vater einer Bahnerin natürlich nichts. Also bucht mein ideenreicher Vater eine Fahrt von München nach Neapel, um dort ein wenig weiter im Landesinneren ein Paar Tage Urlaub zu machen. Kurz vor der Abfahrt kommen jedoch Sorgen auf. Fahren im Nachtzug und dann noch in der ersten Klasse UND quer durch Italien birgt natürlich Risiken, auf die man sich vorbereiten muss. Folglich wird die romantische Fahrt mit Butterfly und K.O.-Spray vor Überfällen gesichert. Natürlich spielen Präventivmaßnahmen ebenfalls eine Rolle. Als Ingenieur entscheidet sich mein Vater einen Keil mitzunehmen, welcher ungewünschte Besucher vom Eindringen in das Abteil abhalten soll. Doch weh! Der Keil erweist sich schon in den ersten Minuten als Fehlüberlegung. Die Türen gehen nach außen auf. Da Vater und Stiefmutter für eine viertägige Reise vier Koffer mitnehmen müssen, sind K.O.-Spray und Messer gut versteckt und leider im Gepäck nicht auffindbar. Am nächsten Morgen ist die Freude groß! Trotz der immensen Gefahr, erreichen beide wohlauf Neapel. Doch ha, ha! Beim Umsteigen in die Regionalbahn ist weder Gepäck noch Leben sicher. Nach längerem Suchen und Grübeln wird die Situation wie folgt gemeistert: Das Gepäck wird in ein Zwischenabteil gestellt, davor die Frau und davor der beschützende Mann mit Messer in der Tasche. So nehmen die beiden die Fahrt in Angriff und beobachten argwöhnisch die anderen Reisenden. Nach einigen Minuten stellt die Frau fest: Jugendliche geben sich geheime Zeichen. Sie reiben sich an den Nasen und kratzen ihre Köpfe. Auch mein Vater nimmt dies sorgenvoll zur Kenntnis. Er umschließt das Messer fester. Als der Zug sich dem nächsten Bahnhof nähert, werden die Zeichen häufiger und auffälliger. Meinem Vater erscheint das logisch. Was soll man auch mitten auf dem Weg überfallen werden? Natürlich wurden sie als Opfer ausgespäht und nun kommunizieren die Verbrecher heimlich wie sie die beiden am Bahnhof ausrauben werden. Nochmehr Kopfgekratze und Geräuspere. Mein Vater klappt das Messer in der Tasche auf. Der Zug ist nur noch wenige hundert Meter vom Bahnhof entfernt, als die Schufte plötzlich aufspringen. Geistesgegenwärtig zieht Papa das Messer! Doch an einem Überfall sind die Räuber nicht interessiert. Als die Türen des Zuges aufgehen, springen sie alle zeitgleich ins Freie. Eine Sekunde später betritt der Schaffner das Abteil. Die Halunken entpuppen sich als Schwarzfahrer, die sich tatsächlich Zeichen gaben, aber nicht um die beiden Unschuldigen zu überfallen, sondern um das Nahen des Fahrscheinkontrolleurs zu signalisieren. Ein Rätsel bleibt für mich, wie mein Vater mit einem Schnappmesser ein halbes Duzend junger Männer erledigen wollte. Doch was am Ende zählt, ist der Mut.

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