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10 Januar 2005
U-Bahnfahren im Winter ist schlimmer als im Sommer. Im Sommer ist es auch schon recht ekelig, weil man so viele Achselhaare sehen muss und die Leute stinken. Die Widerwärtigkeiten des winterlichen U-Bahnfahrens sind subtiler. Da wird man zum Beispiel mal unerwartet angeniest oder bekommt einen kleinen Auswurfbatzen auf die Jacke gehustet. Das stecke ich alles noch so halbwegs weg. Was mir wirklich die Nackenhaare aufstellt sind die Popler. Klar, im Winter ist die Nasenschleimhaut aktiver, die Luft trockner und so entstehen rein biologisch-umweltbedingt wesentlich mehr abschabbare Eiterreste. Trotzdem frage ich mich immer wieder, was in einem hochkomplexen Organ wie dem Gehirn vorgeht, wenn jemand anfängt unter Beobachtung sich die Popel aus den tiefsten Tiefen der Nase zusammenzukratzen und dann minutenlang zwischen den Fingern hin- und her reibt, bis er/sie sie entweder auf den Boden schnippt oder in einem Automatismus unter die Sitzbank oder an andere öffentlich zugängliche Orte schmiert. Ich schätze, ein Popel wiegt ein halbes Gramm. Ich schätze, jeder dritte Mensch schmiert einmal täglich einen Popel irgendwohin. Nehmen wir mein Lieblingstransportmittel - die Bahn. Die Bahn transportiert täglich 4,5 Millionen Menschen. Wenn ich dieses Mal ausnahmsweise richtig gerechnet habe, dann bedeutet das, das täglich 1,5 Millionen Popel durch Deutschland fahren, die ein Gesamtgewicht von 750 kg ausmachen. Und das allein im (Personen-)Fernverkehr! Von den öffentlichen Transportmitteln in den Städten gar nicht zu sprechen!

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