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02 Januar 2005
Was die Emanzipation aus Männern gemacht hat, erschreckt mich zunehmend. Zwar interessieren sie sich weiterhin für Autos und Computer – jedoch verwenden sie diese, um ihre alltäglichen Pflichten zu erledigen. So sah ich am Freitag beispielsweise einen Mann, der seine Einkaufsliste auf dem Computer geschrieben und diese Aufzählung mit kleinen, abhakbaren Kästchen versehen hatte. Auch scheint dieser durch Geschäfte initiierter Punktesammelwahn in erster Linie Männer anzusprechen. Mein Ex-Mitbewohner häufte seinerzeit zum Beispiel die kleinen Preismarken von Plus an. Jetzt hat mein Freund damit begonnen die Herzen von Kaisers zu sammeln. Für jeden Einkauf im Wert von fünf Euro bekommt man ein Herz. Insgesamt kann man bis Februar maximal hundert sammeln. Wenn man das schafft, kann man sie gegen eine Kasserolle eintauschen. Aus unerfindlichen Gründen hat mein Freund beschlossen sich diese Kasserolle zu ertreuepunkten. Wenn ich also einkaufen gehe, schreit er mir durchs Treppenhaus hinterher: "Vergiss nicht die Treuepunkte!". Also vergesse ich sie nicht und rechne beim Füllen des Einkaufswagen mit, so dass ich auf keinen Fall aus Versehen für 14,95 Euro einkaufe und somit um fünf Cent ein Herz verpasse. Das war der Anfang. Jetzt, da die Zeit knapp wird, ruft er mir hinterher: "Und wenn jemand vor dir die Herzen nicht nimmt, dann frage ihn, ob du sie haben kannst!". So stehe ich also an der Kasse und freue mich, wenn die Leute vor mir Großeinkäufe erledigen und giere nach ihren Sammelpunkten. Meistens bin ich sehr enttäuscht und böse, wenn sich herausstellt, dass sie auch Sammler sind. Jetzt ist Januar und es fehlen immer noch fünfzig Herzen. Wir haben schon verschiedene Szenarien durchgespielt, wie wir diese ergaunern könnten. Eine unserer Lieblingsvarianten ist, dass wir scheinbar getrennt hintereinander einkaufen gehen und das außergewöhnliche schauspielerische Talent seines dreijährigen Sohnes einsetzen, um die restlichen Marken zu ergattern. Dafür müsste sich mein Freund samt Sohn zum Bezahlen vor mich in die Reihe stellen und der Sohn würde auf ein Zeichen hin beim Bezahlen an der Kasse ein herzzerbrechendes Drama mit Geheule und Bodengewälze inszenieren. Der alleinerziehende Vater würde sich dann hoffnungslos überfordert zeigen und somit die Aufmerksamkeit der Kassiererin auf sich ziehen, so dass ich, die Gunst der Stunde nutzend, die ganze Rolle mit Treueherzen an mich reißen könnte. Dies scheint uns im Moment die einzige Alternative rechtzeitig an die hundert Herzchen zu kommen.

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