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02 Februar 2005
Manche Berliner Wahnsinnige machen mich wirklich wahnsinnig. Als Psychologin darf ich das natürlich nicht, hätte ich aber sehr gerne und zwar laut geschrieen: "Verdammte scheiße, leben sie ihre Zwangsneurose doch woanders aus!" Heute bin ich ihm das dritte Mal begegnet. Das erste Mal war eigentlich fast ein nettes Erlebnis. Es ist acht Uhr zwanzig. Ich befinde mich in der U 2 Richtung Ruhleben sitze, glücklich einen Platz ergattert zu haben, und lese. Märkisches Museum. Ein Mittfünfziger, optisch unauffällig mit grauem Parka betritt das Abteil und setzt sich auf meinen Schoß. Es saßen bereits fünf Leute auf der Bank und ich anscheinend da, wo der Herr sitzen wollte. Also setzt er sich auf mich! Ich habe erst geschaut wie ein verdutztes Kaninchen und musste dann sehr lachen. Der junge Herr gegenüber lacht ebenfalls und wir zwinkern uns zu. Schöner Start in den Tag. Jemand steht auf und wir rutschen alle wieder in Position. Unsere zweite Begegnung. Wieder U 2, aber anderer Wagon. Märkisches Museum. Wir sitzen zu viert auf der Bank. Mr. Ichpassdasuperhin schlendert auf die Sitzbank zu, dreht sich in Zeitlupe, wackelt einmal mit dem Gesäß und platziert sich wieder zwischen die Sitzenden. Dann heute: Ich sitze, höre Musik, neben mir ist frei. Der Herr im Parka erscheint erwartungsgemäß an der Haltestelle Märkisches Museum, kommt auf mich zu und wedelt mit den Händen. Ich ignoriere ihn. Er fuchtelt wilder, spricht lauter, ich höre durch meine Musik den Befehl. "Rutschen!". Ich denke, rutsch Du doch und zwar mir den Buckel runter und verstehe nicht, wieso er sich nicht einfach neben mich auf den freien Platz setzen kann. Stressresistent wie ich bin, konzentriere ich mich wieder auf Musik und regelmäßiges Atmen, reißt mir dieser neurotische Mann die Kopfhörer vom Kopf und brüllt "RUTSCHEN!". Entgeistert schau ich ihn an: "Wie wäre es denn, wenn Sie sich einfach auf den freien Platz neben mich setzen und ich bleibe, wo ich bin?" "RUHUUUUTSCHEN!", brüllt er und schiebt seinen Arsch zwischen mich und meine Sitznachbarin. Dann breitet er seine Zeitung aus, so dass ich die eine und meine ehemalige Sitznachbarin die andere Seite lesen kann und ich bin wieder kurz davor eine Wollmütze zu verspeisen.

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