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10 März 2005
Ich möchte heute mal über ein Tabu schreiben. Damit meine ich nicht eines dieser Sex-Fetisch-ich-poppe-meinen-Nachbarn-oder-wahlweise-dessen-Hund-Talkshow-Tabus. Nein, ich will etwas über echte Tabus schreiben und in unserer westlichen Gesellschaft gibt es eigentlich nur noch zwei Tabus. Den Bändchenriß, von dem ich an anderer Stelle noch berichten werde, und Winde. Mit Winden meine ich selbstverständlich nicht Wettererscheinungen sondern die Winde, die gelegentlich unsere vier Buchstaben verlassen. Selbst wenn sie es geräuschlos tun, so ist die olfaktorische Belastung bisweilen tränentreibend. Aber was soll man tun? Nicht immer kann man zeitnah die sanitären Anlagen aufsuchen. Und ehrlich, selbst da fühlt man sich nicht frei und fröhlich und sorgt selig lächelnd und geräuschvoll für Druckausgleich. Noch größer die Pein, wenn ein Wind uns in Gesellschaft entfährt und sich stinkend hinter uns stellt. Man betet dann innerlich keine weitere Person möge sich einem nähern und doch lässt auch das sich nicht immer vermeiden. So steht man also peinlich berührt in der Miefwolke und hofft, der andere möge nichts merken oder wenn er es denn merke, so möge er wenigstens nicht denken: Oh Gott das ist ja ekelerregend! Da ich gestern Besuch von zwei jungen Müttern samt frischen Nachwuchs hatte, kam mir endlich eine Lösung für das nasenbetäubende Problem. Man sollte in Zukunft immer dafür sorgen, daß Babys in der Nähe sind. Denn bis ins windelfreie Alter eigenen sie sich hervorragend als Sündenbock. Wenn der Darm rebelliert, einfach schnell zum Baby rennen und dem Druck nachgeben. Dann das Baby mitleidig und die Mutter ein bißchen vorwurfsvoll anschauen und sich unversehens aus den Gestankzone entfernen. Damit die Tarnung nicht auffliegt, ist jedoch auf eines zu achten. Mütter können den Unterschied zwischen fleischlosen und fleischvollen Stinkerein erschnüffeln. Daraus folgt, daß der Vegetarier neben allen Winderträgerklassen pupen, der Fleischesser jedoch nur in Gegenwart von Babys, die mindestens sechs Monate alt sind, pupen kann. Wenn man dies im Hinterkopf zu halten vermag, ist das Windelassen kein Tabu mehr. Mehr noch! Man kann sich sogar verständnisvoll mit der peinlich berührten Mutter des blähenden Zöglings unterhalten und ihr empathisch versichern, daß furzen eine höchst menschliche Sache ist.

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