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23 Mai 2005
Inspiriert durch den Malorama-Beitrag, den ich neulich postete, erinnerte ich mich an meine erste persönliche Erfahrung mit Wunderreinigungsmitteln. Diese ereignete sich kurz nach meinem Studium. Bis zur Jahrtausendwende gab es nur ein Produkt im Wunderreinigungsbereich: Quick n Brite. Es wurde ausschließlich im Werbefernsehen feilgeboten und konnte in keinem Geschäft gekauft werden. Das Superdoppelpack mit irgendeinem Extrafirlefanz kostete, wenn ich mich recht erinnere, über 40 DM. Hanebüchen. Ich schloss mein Studium erfolgreich ab und zog dann nach Berlin, um erst mal das zu machen, was die meisten machen, wenn sie nach Berlin ziehen: arbeitslos sein. Arbeitslosigkeit eröffnet ungeahnte Möglichkeiten was das Konsumieren von Teleschrott angeht. Da ich dafür sehr empfänglich bin und damals noch ein Fernsehgerät besaß, verfolgte ich das TV-Treiben durchschnittlich zehn Stunden am Tag. In den Werbepausen der Talkshows und brandneuen Richtersendungen zappte ich mich in das Werbefernsehen. Dort wurde 80% der Zeit Quick n Brite gewidmet. Das Besondere war, dass man den Zuschauern nicht die Schmutzkatastrophen zeigte, die das Publikum heutzutage bei z.B. Cillit Bang zu sehen bekommt. Nein, man ging hinterhältig und subtil vor. Man zeigte Schmutz, den jeder hatte und hasste. Für jeden war etwas dabei. Für mich waren es die Grauschleier in den Fugen zwischen den weißen Badkacheln. Sie waren unästhetisch und verkeimt und sie flüsterten meinem Freund jeden Abend, wenn er von der Arbeit nach Hause kam und duschte, ein: „Dein Weibchen taugt nichts! Schau die Fugen sind grau. Wenn Du weiße Fugen haben willst, musst Du Dir ein besseres Weibchen suchen!“ Mittellos Verliebt wie ich war, wollte ich das natürlich vermeiden. Eines Nachmittags als ich in der Drogerie Waschpulver kaufen wollte, entdeckte ich Quick n Brite im Regal. Es kostete nur noch zehn Mark! Als vernünftiger Mensch lies ich es dort stehen. ZEHN Mark?! Da ich aber Sternzeichen Krebs bin, drehte ich auf dem halben Weg nach Hause um und kaufte es doch. Zuhause stellte ich fest, dass man nicht einfach losputzen konnte sondern das Produkt auf eine besondere Art und Weise anrühren musste. Und zwar mit Hilfe einer Mikrowelle, die ich leider nicht besaß. Ich ging also zur Nachbarin und mixte mir eine Tinktur zusammen, die ich dann sofort auf die Badkacheln und Fugen sprühte. Aufgeregt wartete ich die vorgeschriebenen fünfzehn Minuten. Man sollte nicht schrubben oder irgendwas. Das Produkt musste lediglich mit Wasser abgesprüht werden. Voller Erwartungen nahm ich den Duschkopf und begann mit der Bewässerung. Ich konnte meinen Augen kaum trauen! Eine widerwärtige braune Brühe floss meine Badwände herab. Jahrhunderte von Fugendreck zerflossen, Milliarden von Bakterienstämmen schieden dahin, Schimmelsporen und Unrat rannen den Abguss hinab und verschwanden in der Kanalisation. Als ich meinen Kopf wieder hob, musste ich leider feststellen, dass sich weder an Kacheln noch an Fugen optisch wahrnehmbare Veränderungen feststellen ließen. Ich vermute, das einzige was dieses Dreckszeug tat, war oxidieren und zwar sich selbst. Kein Wunder dass mein Freund mich verlassen hat!

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