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12 Mai 2005
Pfingsten ist Kuhschau. Ich, die Kuh, werde geschaut von den Eltern des zukünftigen Ehemanns. Traditionell passieren zu solchen Anlässen die unmöglichsten Peinlichkeiten. Ich bin gespannt, ob ich meine TOP 3 übertreffen kann. Platz 3 Die Eltern sind dafür bekannt, dass sie gerne scharf essen. Ich hingegen bin eher sensibel, wenn es um gut gewürzte Speisen geht. Mein Freund hat dies glücklicherweise im Vorfeld bekannt gegeben und man versprach sich zurückzunehmen. Bis zur abschließenden Käseplatte lief alles gut. Dann machte ich den Fehler und biss in eine Peperoni. Schmerzen durchschießen meinen Körper. Meine Augen tränen, mein Mund brennt wie die Hölle. Ich unterdrücke das abgebissene Stück wieder auf den Teller zu spucken. Mir wird heiß, ich schwitze, die Tränen rollen mir die Wangen herab. Ich röchle, werde rot, will meine Augen reiben, reibe mir noch mehr Schärfe rein. Kann nichts mehr sehen, die Wimperntusche bildet schwarze Bäche, ich will mir die Augen mit einer Serviette abreiben. Taste blind nach ihr und bekomme überglücklich einen Zipfel der vermeintlichen Stoffserviette zu greifen, die ich erleichtert zu meinen Augen führen will. Es klimpert und scheppert, ich beuge mich ein wenig und reibe meine Augen. Als ich wieder sehen und atmen kann, sehe ich mich hilflos, mit einem schwarzgefleckten Stück Tischdecke in der Hand in fassungslose Gesichter lächeln, während in Zeitlupe vor mir das letzte Glas umfällt. Platz 2 Vorspeise Salat. Konzentriert säble ich die einzelnen Salatblätter in mundkompatible Teile. Ich bin stolz, dass sich weder Blätter im Mundwinkel verfangen haben, noch Dressingreste über das Kinn laufen. Hauptspeise Reis mit Gemüse. Ich will etwas sagen, verschlucke mich, eine nicht unerhebliche Menge Reis landet in meiner Nase. Nachspeise Pudding. Ich muss schrecklich niesen, halte mir in letzter Sekunde die Hand vor den Mund. Die Finger sind nicht hundertprozentig geschlossen. Reiskörner schießen mit 267 Kilometer pro Stunde über den Tisch in den Teller des potentiellen Schwiegervaters. Ich erröte. Es ist still am Tisch. Platz 1 Die neue Familie will mit mir gemeinsam essen gehen. Man bricht auf, der Tisch ist für 19.30 Uhr bestellt. Die Uhr zeigt 19.20 Uhr. Alle haben es furchtbar eilig. Ich muss dringend Lulu und eile zu den sanitären Anlagen. Wie jedes ordentliche Mädchen trage ich Rock und Nylonstrümpfe. Beim Versuch nach verrichteten Geschäft den Tanga wieder hoch zu ziehen, stelle ich fest, dass sich Tanga und Nylonstrumpfhose untrennbar ineinander gerollt haben. Erst geduldig, dann nach mehr als fünf Minuten, deutlich gereizt, zerre ich an dem Nylon-Höschen-Ball. Aus der Strumpfhose komme ich nicht raus, weil ich die Schuhe darüber trage. An die Schuhe komme ich nicht dran, weil ich so verknotet bin, dass ich sie nicht erreiche. FÜNFZEHN Minuten später, den Tränen nahe, entscheide ich, dass nur rohe Gewalt hilft. Die Strumpfhose und der Tanga reißen. Ich entsorge sie im Toilettenmülleimer und trete völlig entnervt ohne Hose und Strümpfe in den Flur zurück, wo eine sechsköpfige Familie seit zwanzig Minuten darauf wartet endlich los zu gehen.

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