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17 Juli 2005
2. Sanitäre Anlagen und Frauen auf Campingplätzen Campen ist ein wenig so wie die Vorstellung einer Blumenwiese. Wenn man mit dem Auto an ihr vorbei fährt, findet man sie wunderschön und man möchte in einem bunten Sommerkleid über sie laufen, die Hände in die Luft werfen und dabei ein Liedchen trällern. Täte man es, so stellte man schnell fest, dass eine Blumenwiese alles andere als ein freudiger Spaß ist. In Blumenwiesen lauern Käfer, Spinnen und Zecken, die sich in Beine und Körperfalten verbeißen wollen, gelegentlich Kuhfladen oder andere, stinkende Anhäufungen. Die Gräser und Blumen zerkratzen einem die Beine, verschiedene Samen kletten sich an die glatte Haut und reißen alles blutig und wenn man endlich wieder aus der scheußlichen Blumenwiese heraustritt, erinnert man sich plötzlich, warum man so selten liedchenträllernd über Blumenwiesen läuft. Würde man jedoch umdrehen und noch vier weitere Male über die Wiese rennen, so fände man zweifelsohne Gefallen daran. Mit dem Campen verhält es sich ähnlich. Man denkt an die Natur, an die Abwechslung zum sonstigen Alltag und an all die freundlichen Menschen, die man kennen lernen kann. Spätestens wenn man die fußpilzverkeimten Duschen aufsucht und sagratonumsichsprühend den ersten Toilettengang hinter sich gebracht hat, kennt man die schmutzige Realität. Am ersten Tag bin ich noch brav, wie die anderen Frauen am Platz, morgens zu den sanitären Anlagen gepilgert und habe versucht mich aussehen zu lassen, wie während meines Stadtlebens. Dabei beobachtete ich seltsame Verhaltensweisen. Ein Teenagermädchen bekämpfte die in der freien Natur zwangsläufig vorzufindende Insektenplage indem sie eine gesamte Dose Haarspray in ihr Haar versprühte. Ich nehme an, dass sich die nervenden Mücken in der klebrigen Haarmasse verfangen sollen oder sie selbige in absoluten Notfällen einfach entzündet und den kleinen Biestern so den Garaus macht. Gleichermaßen faszinierten mich einige Damen, die mit blond gesträhnten und zerstrubbelten Bürstenschnitt aus der Dusche kamen, ihre Föhnrundbürsten zückten, eine gute halbe Stunde stylten, um dann exakt so wie sie die Dusche verließen, ins Freie zu treten und dabei Gesichter zu machen, als hätten sie irgendetwas erreicht. Jedenfalls war der Campingplatz wirklich sehr, sehr schön. Einziger Nachteil waren die sehr, sehr langen Wege zu den oben erwähnten und übelriechenden Stätten. Schon am Morgen des zweiten Tages hatte ich entdeckt, dass man Zähne auch mit Mineralwasser vor dem Zelt putzen kann und der Körperhygiene ausreichend durch das tägliche Bad in der Ostsee genüge getan wurde. Die Ameisen werden einfach vom Frühstücksbrötchen geschnipst und die Käfer kann man in der Mittagssuppe mitschlürfen, da sie durch die Hitze ausreichend desinfiziert wurden. Den verkrümmten und schmerzenden Rücken renkt man sich gegenseitig wieder ein, dann packt man Decke und Wasserflaschen und läuft über Blumenwiesen und Felder zum Meer.

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