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16 August 2005
Es gibt einen neuen Trend in der Blogwelt - das Ausplaudern und Berichterstatten des Privatlebens inklusive aller pikanten Details. Natürlich war ich beim Lesen zunächst entsetzt. Nur wenige Zeit später klickte ich jeden Tag auf die Seiten und verfolgte das Geschehen. Selbstverständlich nicht ohne geistig den Kopf zu schütteln und mich zu fragen: Warum tun die das? Zwar habe ich keine Antwort auf diese Frage gefunden, doch möchte ich zur Feier des Tages auch mal was Persönliches schreiben. Es ist nämlich genau ein Jahr her, als ich meinen jetzigen Freund zu einem Kuss überreden konnte. Ich hatte den Herren schon Monate vorher kennen gelernt und es war die ungefähr siebenunddreißigste Verabredung. Der junge Mann hatte sein Interesse noch in keiner Weise bekundet und ich konnte lediglich durch die Häufigkeit und Länge der mit mir verbrachten Zeit schließen, dass er mich evtl. sympathisch finden könnte. Innerhalb von zwei Monaten haben wir uns vom freundlich distanzierten Händedruck zu einer Begrüßungsumarmung hochgearbeitet. Nach weiteren zwei Monaten haben wir uns mal einen Kuss auf die Wange gedrückt. Es war einer dieser verrutschten Küsse, die eigentlich auf dem Mund landen sollen, dann aber doch nicht entschlossen genug sind und sich mit einer schleimigen Spuckespur an einer anderen Zielposition manifestieren. Es war der 16. August 2004 als er mir beiläufig vorschlug, wir könnten uns im Park treffen und ein kleines Picknick abhalten. Nichtsahnend packte ich noch meine Lieblings Peng-Peng-Schläger ein, schließlich muss man sich im Park auf irgendeine Art und Weise beschäftigen. Das Peng-Peng-Spielen gestaltete sich ein wenig schwierig, da ich vergessen hatte, dass der junge Mann nicht räumlich sehen kann. So wurde ich wie ein Hündchen quer durch den Park gejagt und als ich erschöpft genug war, durfte ich mich hechelnd auf die Decke setzen. Dort gab es Ciabatta und getrocknete Tomaten. Mein Da-noch-nicht-Freund packte sogar ein kleines Behältnis mit selbst angerichteten Dressing aus, um den Rucculasalat zu veredeln. (Das löste einen kurzen Moment des Schreckens aus >>OHGOTT! Ist er schwul?<<) Dann packte er den Rotwein aus und ich war mir sicher: Aha, jetzt will er doch konkreter werden. Wir tranken folglich den Rotwein, legten uns nebeneinander auf die Decke und betrachteten den abendlichen Himmel an dem immer wieder Sternschnuppen zu sehen waren. So verharrten wir fast regungslos und ich wartete, was passieren würde. Nichts. Weiter warten. Nichts. Hmmm. Nichts. Um 23.30, alle anderen waren schon gegangen, die Decke klamm und ich langsam ungeduldig, drehte ich mich leicht zu ihm und grinste ihn an. Nichts. Um 23.32 drehte ich mein Gesicht wieder gen Himmel. Nichts. Verdammt, ich hatte extra Rotwein getrunken obwohl ich Rotwein nicht mag! Nichts. Außerdem wurde mir kalt. Nichts. Ich entschloss mich mit den Zähnen zu klappern. "Ist Dir kalt?" "Hmmm" "Willst Du meine Jacke?" >>Daskannjawohlnichwahrsein<< "Ne, danke!" Nichts. Dann schließlich wurde mir das zu blöd und ich küsste ihn. Immer muss man alles alleine machen! Liebster Freund, nun ist ein Jahr vergangen und wir haben so viel Schönes erlebt. Ich würde das gerne um weitere fünfzig Jahre verlängern. Mit 80 verlasse ich Dich vermutlich wegen eines 76jährigen, der noch Zähne und einen elektrischen Rollstuhl hat, aber ich werde mir Mühe geben, die Jahre bis dahin nicht zu lang erscheinen zu lassen, Dir vorher Deine Söhne Polytetrafluorethylen, Pneumatosis und Deine Tochter Galactic gebären, immer freundlich zu Deiner Familie sein, weiterhin über Kalauer lachen, Dich nie "Häschen" in der Öffentlichkeit nennen, uns eine Spülmaschine kaufen, damit Du Dich nicht für meine mangelnden Geschirrreinigungsfähigkeiten schämen musst und mich stets bemühen, dem Drang Deines Sternzeichens nachzukommen und mindestens einmal im Monat die Wohnung verlassen. Herzlichst Deine Freundin

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