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21 August 2005 langweilige betrachtungen
es gibt viele dinge, die ich stundenlang, fast regungslos betrachten kann ohne mich zu langweilen oder hunger zu bekommen. ein kamin- oder lagerfeuer zum beispiel, das wechselspiel aus glut und flammen, wie sie züngeln und das holz langsam zerfressen. oder das meer, wie es sich auf einen sandstrand erbricht. auch grossbaustellen, mit lauter behelmten ameisen osteuropäischer herkunft, die an 400 verschiedenen stellen scheinbar wilkürlich werkeln, schweissen und schwitzen, faszinieren mich oft stundenlang, bis ich aufs klo muss. apropos klo, ich kann auch weisse leinwände, die im dunkeln mit licht- und toneffekten bespielt werden stundenlang betrachten, bis sich die blase meldet. sehr gerne und betrachte ich auch spatzen, also nicht die kastelruther, sondern die sperlinge. spatzen treffen sich oft an den gleichen orten wie menschen zum gemeinsamen essen; biergärten, öffentliche plätze oder auf den oberdecks von touristenschiffffffahrtskapitänsmaschinen (das schreibt man doch jetzt mit sechs f?), zum beispiel auf der spree. ich bin immer völlig fasziniert davon wie sich spatzen fortbewegen, wie sie die bewegungen von diesem blechspielzeugvögeln aus meiner kindheit nahezu perfekt imitieren (nur viel leiser und schneller), wie ihr leben scheinbar in zwei- bis dreifacher geschwindigkeit als meines abläuft. ich habe zumindest immer den eindruck, dass das leben eines spatzes viel schneller ablaufen muss als meines, weil sie sich so schnell bewegen und eine unglaubliche reaktionsgeschwindigkeit haben. faszinierend wie sie ihre köpfe in fünf ruckartigen, in sich abgeschlossenen bewegungen, innerhalb einer halben sekunde, um hundertachtig grad drehen und ihre gesamte umgebung abchecken. wie sie innerhalb einer sekunde mit drei sprüngen eine treppenstufe rauf, wieder runter und wieder hoch springen. wie sie einer taube, die ihr haupt zu einem brotkrumen senkt, den brotkrumen nicht nur wegschnappen, sondern auch nocheinmal die ganze taube umrunden bevor der kopf der taube am boden anlangt, wo der brotkrumen einst lag. ausserdem, glaube ich, aktivieren spatzen beim menschen eine art kindchenschema wenn sie scheinbar arm- und hilflos auf dem boden umherhüpfen. jeder weiss natürlich dass spatzen nicht wirklich armlos sind, aber sie erwecken geschickt den eindruck, indem sie ihre flügel geschickt und völlig unsichtbar in ihr gefieder einfalten. ausserdem habe ich eine theorie, dass spatzen ein indikator für die grösse einer stadt sind. bis jetzt habe ich nur in london und berlin spatzen erlebt, die aus der hand fressen. in köln oder stuttgart habe ich soetwas noch nie gesehen. wo fressen spatzen noch aus der hand?

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