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28 September 2005
Der Arbeitsalltag bestimmt zu gut einem Drittel das Leben. Die anderen zwei Drittel verbringen wir mit schlafen, putzen, einkaufen, kochen und ein bisschen Freizeit. Kein Wunder also wenn die Gewohnheiten hauptsächlich durch den Job bestimmt werden. Für meinen Teil musste ich feststellen, dass ich ohne Moderationskärtchen und Flipchart absolut nicht mehr in der Lage bin irgendetwas zu entscheiden. Manchmal denke ich sogar, ich muss zum Arzt weil ich fast alles vergesse, was ich nicht visualisiere. Wenn ich beispielsweise mit meinem Freund diskutiere, dauert es keine dreißig Minuten und mein Gehirn wischt sich alle Vorkommnisse aus dem Hippocampus. Wenn er mir bei der nächsten Diskussion sagt, wir hätten die Sache bereits besprochen und zitiert was ich dazu gesagt habe, kann ich lediglich aufgrund seiner Wortwahl rückschließen, dass ich es tatsächlich gesagt haben muss, da er sich niemals so ausdrücken würde. Ich kann mich gerade noch bremsen, meine to dos im Privatleben als Powerpointpräsentation darzustellen. Es ist grauselig. Wenn ich nicht alles in Meilensteinpläne mit Qualitygates hinterlege, kann ich Nachts nicht schlafen. Was in meinem Kopf ist, rotiert so lange bis ich es schriftlich als Checkliste festhalte. Wenn irgendwas nicht nach Plan läuft, bekomme ich ein nervöses Zucken in den Augenliedern. Termine, die nicht im Palm stehen, lassen sich nicht memorieren und ich schwöre, ich kann keine einzige Telefonnummer auswendig. Nicht mal meine eigene. Von Adressen ganz zu schweigen. Ich meine, wann schreibt man schon Snailmails? Ich kann auf Fragen nur antworten, wenn ich Internetzugang habe und google mir eine Antwort gibt. Alles was sich in meinem Langzeitgedächtnis befindet, ist aus der Zeit vor exzessiven Internetgebrauch. Ich arbeite jetzt seit 1999. Wie seltsam werde ich erst sein, wenn ich die ersten zehn Jahre hinter mich gebracht habe?

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