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19 Oktober 2005
Mit italienischem Essen bin ich ein bisschen eigen. Es hat schon zu großer Verwunderung geführt, dass ich gesagt habe: Die Pizza war lecker, und gleichzeitig behauptete: Das ist keine gute Pizza. Das liegt maßgeblich an meiner italienischen Familie. Denn echte italienische Pizza gibt es kaum. Die meisten italienischen Restaurants sind entweder von Türken geführt und die machen leckere aber an deutsche Bedürfnisse angepasste Pizza oder einige Deutsche erfinden die Haute Cousine italiana und bieten leidlich gutes italienisches Essen mit Firlefanz zu astronomischen Preise an. Eins der Restaurants, die auf meiner Da-gehe-ich-nie-mehr-hin-Liste ganz oben steht, ist beispielsweise das 12 Apostel. Die Bedienungen sind unfreundlich, langsam, die Pizza kommt kalt auf den Tisch und eine große Saftschorle kostet 7 €. Ich habe keine Ahnung, warum die überhaupt noch Gäste haben. Letzte Woche entdeckte ich nun ein italienisches Restaurant, dass mich so begeisterte, dass ich am liebsten jeden Tag dort hin gehen würde und ganz sicher meinen Vater hinschleppen werde, sofern er mich mal besuchen kommt. Das Cenacolo in der Sredzkistraße 23 ist das erste wirklich tolle italienische Restaurant in Berlin, das ich kennen gelernt habe. Sicher ist es laut und voll dort, aber wer in Italien war, weiß, dass italienische Restaurants laut und voll sein müssen. Man kommt mit Kind und Kegel und schreit sich die neusten Skandale aus Politik und Showbusiness über den Tisch oder philosophiert darüber, was man mit dem potentiellen Lottogewinn anfangen könnte. Zudem gibt es dort Pizza aus dem Holzofen mit ausschließlich frischen Zutaten, groß wie Wagenräder und gerade so belegt, dass es nicht zu viel und nicht zu wenig ist. Serviert wird auf schönen, dickwandigen Tellern, die vorgewärmt sind und so dafür sorgen, dass man viel reden kann, bevor das Essen kalt ist. Auf dem Vorspeisenteller sind Zusammenstellungen zu finden, die ich tatsächlich nur von meiner sizilianischen Nonna kenne. Es ist alles frisch gemacht und man kann in die Küche schauen und sehen wie die Gasherde Stichflammen schlagen und die Köche eifrig die Zutaten in großen Töpfen kochen oder in Pfannen schwenken. Gestern musste ich noch ein zweites Mal hingehen und die Muscheln probieren, die wirklich sehr gut waren. Das Muschelfleisch war fest, alle Muscheln frisch und geöffnet, die Soße hervorragend und es war kein einziges Sandkorn zu finden, so wie es in anderen Restaurants oft der Fall ist. Die Kellnerinnen kümmern sich um ihre Gäste, lächeln, machen Platz am Tisch und bringen unaufgefordert zusätzliche Servietten, wenn man sich beispielsweise mit Muschelsoße besudelt hat. Insgesamt tolle, rustikale italienische Hausmannskost. Kein Schnickschnack aber die Details stimmen.

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