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29 Januar 2006
Würde, das ist abstrakt gesprochen, ein sittlicher Wert, der die Qualität des Handelns und oder als eine dem Menschen immanente Eigenschaft gesehen werden kann. Schon in den kleinen Verhaltensweisen des Alttags zeigt sich, ob ein Mensch würdevoll ist oder nicht.
Die Mehrheit der Menschen legen offensichtlich keinen Wert auf Würde. Sonst würden sie nicht öffentlichen Verkehrsmitteln hinterher laufen. Bussen, S-Bahnen und U-Bahnen nachlaufen ist nämlich absolut würdelos.
Zumal sie in der Regel im drei Minutentakt fahren. Da lohnt es nicht, aus 800 Meter Entfernung loszulaufen, mit Taschen oder Regenschirmen, die man mitsichträgt Mitmenschen zu erstechen, sie umzurennen, um am Ende doch nur fluchend und keuchend vor der den Bahnhof verlassenden Bahn zu stehen und dann seine Umgebung spuckesprizend mit Flucherein zu beglücken. Wenn zusätzlich Treppen zu überwinden sind, so riskieren diese Verrückten ihr Leben. Gelegentlich rutschen sie nämlich aus, knicken ab und poltern Radschlagend auf den Bahnsteig. Alles, was ihnen dann einfällt, ist nach der Bahn oder dem Fahrer zu schimpfen, als habe der etwas mit ihrer unsäglichen Dummheit zu schaffen.
Laufen ist würdelos. Dingen nachlaufen ist besonders würdelos.

Es gibt Dinge in meinem Leben, die kann ich einfach nicht leiden, Dudelradiosender und Autofahren gehören dazu. Allen voran in der Winterzeit ist es aber das Inhalieren, was ich wirklich, wirklich ablehne.
Letztes Jahr hat mir diese Abneigung schon ein Stirnhöhlenpircing eingebracht.
Deswegen inhaliere ich dieses Jahr bei deutlichen Anzeichen von Nebenhöhlenentzündungen. Jedoch bleibt es grundsätzlich eine Qual.
Man beugt sich über einen Bottich mit kochendem Wasser und wirft ein Handtuch über sich. Weil die Nase verstopft ist, muss man zunächst durch den Mund atmen. Es dauert keine zehn Sekunden und das Gesicht ist schweiß- und wasserdampfnass. Man erstickt fast in seinem Einkopfzelt. Doch das soll ja helfen. Also röchelt man weiter. Die Schleimproduktion des Kopfes setzt ein und aus allen Öffnungen rinnt Körperflüssigkeit.
Das alles ist höchst unangenehm.
Die verschiedenen, vermeidlich gesundheitsfördernden Inhalationszusätze geben dem Ganzen eine besondere Note. Von seltsamen Kräutermischungen bis wasserlöslichen Eukalyptuscremes habe ich alles probiert, immer in der Hoffnung, dass sie den Horror mildern.
Gestern allerdings fand ich etwas, was man nur seinen schlimmsten Feinden empfehlen kann. Minzöl. Mein Freund hatte das Teufelszeug ohne Warnhinweise im Badschrank stehen. Da ich zur Abwechslung was anderes als Kamilleteebeutel nehmen wollte, griff ich arglos nach ihnen und träufelte vier Tropfen auf fünf Liter Wasser. Genau eine halbe Sekunde konnte ich es unter dem Handtuch aushalten.
Dann tränten mir die Augen, dass ich dachte, ich erblinde. Ich spürte die Dämpfe meine Nebenhöhlen entlang ätzen und riss das Handtuch, nach Luft japsent zur Seite. Im gleichen Moment erkaltete mein Gesicht und wurde zusätzlich durch die ätherischen Öle abgekühlt, dass ich sicher war, meine Mimik friert nun für immer ein und ich muss mit weit aufgerissenen Augen und gekräuselter Nase weiterleben.
Das Inhalieren und ich, wir werden keine Freunde werden.

Ich kaufe gerne Tand. Wenn es Plus oder Tchibo es gelingt bei mir ein Werbeprospekt einzuwerfen, dann kaufe ich mindestens ein Produkt. Sehr gerne kaufe ich Wecker und Duschradios. Selbst wenn in jedem Zimmer eines steht, kaufe ich zur Sicherheit noch eines, denn eines der anderen könnte kaputt gehen.
In der letzten Woche gab es bei Tchibo Yoga-CDs. Da ich jetzt 30 bin und andauernd das Gefühl habe, gestresst zu sein, wollte ich dem allgemeinen Trend folgen und ebenfalls mit Yoga meine Lebensqualität verbessern.
Es trug sich zu, dass just in dem Moment, in dem ich mich entschlossen hatte, die bei Tchibo erstandene CD einzulegen und mit ersten Übungen zu beginnen, der Sohn meines Freundes erschien und sich interessiert an meinen Turnübungen zeigte. Ich forderte ihn auf, sich den Flurteppich zu holen und mir alles nachzumachen. Wir begannen mit dem Morgengruß. K. machte mir konzentriert und eifrig alles nach. "Fast so lustig wie Kinderturnen", lies er verlauten. Dann kam die Übung die Katze.
Wir gingen auf alle Viere, machten einen Buckel und während ich versuchte die Umgebungsenergie einzuatmen und in mich aufzunehmen, begann K. neben mir zu miauen. Dann leckte er sich seine Hände, mauzte noch einmal und lief auf allen Vieren schnurrend aus dem Wohnzimmer.
Die folgenden zwei Stunden war er nicht dazu zu bewegen, wieder ein Mensch zu sein.
P.S. Für die gestresste Businessfrau mit Palm ist das übrigens das ideale Produkt

Es fällt oft schwer, die Welt in Schattierungen wahr zu nehmen, wenn doch achtzig Prozent der Phänomene/Beobachtungen/Menschen in zwei Kategorien fallen.
Es gibt beispielsweise die, die Ingwer gerne mögen und die, die behaupten, er sei scheußlich und schmecke nach Seife. Als Ingwermöger findet man die anderen suspekt. Irgendwas kann mit ihnen nicht stimmen. Vielleicht ein nicht funktionierender Rezeptor auf der Zunge? Jedenfalls ist bei denen etwas kaputt, so viel ist sicher. Allerdings gibt es auch Fälle, bei denen man sich nicht so sicher ist, auf der definitiv richtigen und normalen Seite zu sein.
Ein Gefühl von ich-bin-falsch, habe ich oft, wenn ich bei jemanden zu Besuch bin und mir Schokolade angeboten wird. Die meisten Menschen holen nämlich die Schokolade aus der Papierumhüllung und fangen an, die Tafel in kleine Stückchen zu brechen. Dabei lösen sie aber die Aluminiumverpackung nicht. Erst wenn alle Rippen in kleine Rechtecke zerteilt sind, schlagen sie die Folie zur Seite.
Dem entgegen, wenn ich meinen Gästen Schokolade anbiete, mache ich die Schokolade einfach auf und breche die Stücke direkt mit der bloßen Hand auseinander. Ja manchmal breche ich sie sogar gar nicht, sondern jeder kann mit seinen ungeschützten Händen an die Schokolade fassen und sich ein Stück nehmen.
Wenn in der Gästegruppe einer dabei ist, der das auf die zuerst beschriebene Art handhabt, dann schaut er mich vorwurfsvoll an und packt die Schokolade wieder ein und produziert unberührte Happen. Ich komme mir im Anschluss daran schmutzig und keimig vor.

28 Januar 2006
Liebes Bravoteam,

ich suche einen Brieffreund und habe schon alles probiert. Einmal, da hatte ich schon einen, aber weil der voll doof zu meiner Schulfreundin war, hab ich dem nicht mehr geschrieben. Das is sowieso so ne voll ätzende Clique und die ganzen Mädchen denken, sie sind was besseres. Das sind doch alles Popperschleimer!
Kannst Du mir helfen?
Ich wünsche mir echt mal nen blonden Boy kennenzulernen, der auch romantisch ist, mit dem ich mal über alles reden kann. Damit ihr mir helfen könnt, schicke ich Euch ein Bild von mir mit. Ich bin nämlich ein fetziges Girl!


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Wenn man beginnt IKEA und H&M blöd zu finden, dann wird man wirklich alt.
Die neue H&M-Kollektion ist wirklich entsetzlich. Gestern wollte ich eigentlich endlich mal wieder die deutsche Wirtschaft ankurbeln, aber mit dem Sortiment unmöglich. Ich grübelte den ganzen Abend, wo die Designer sich zu solchen unsäglichen Roben inspirieren lassen. Diese ärmellosen Rüschenblüschen, Miniwesten, Glitzerboleros, Glockenröcke, überbundhohe Hosen mit Taillenbetonung. Das waren doch nicht die 50er, wie auf der Homepage von H&M behauptet wird!
Die Antwort fand ich an unerwarter Stelle. Beim abendlichen Schauen von DS9 fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Es ist Ferengimode!

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Ich übe jetzt lesen

Mittagskind

Originalbeitrag


27 Januar 2006
Der Mann als solches ist ein rätselhaftes Wesen. Die Mysteriosizität folgt, wie alle Naturerscheinungen einer Gaußschen Normalverteilung. Demzufolge sind alle möglichen Variationen anzutreffen.
Dem Frauenversteher diametral entgegen gesetzt ist aber nicht, wie der undifferenzierte Alltagsglaube oft irrtümlicherweise verbreitet, der Macho, sondern männliche Objekte, die sich mit Vorliebe mehr als 16 Stunden am Tag vor flimmernden Monitoren aufhalten. Nur dort fühlen sie sich wohl. Den Rest der Welt verstehen sie nicht, denn sie lässt sich weder mit Pfeilen noch Tapstoptasten vervollständigen oder steuern.
Berufliche Zwänge machen gelegentlich soziale Interaktion notwendig. Wenn sich dies überhaupt nicht vermeiden lässt, sind diese Männer kompromissbereit. Dies demonstrieren sie, indem sie ihre Drehstühle den Störquellen entgegen drehen. Das muss dem Gegenüber als Symbol von Höflichkeit genügen. Den Kopf anheben und dem stehenden Subjekt ins Gesicht schauen, das mögen diese Männer nicht. Vermutlich weil Köpfe nicht rechteckig und zwei dimensional sind.
Wenn es nun passiert, dass das algorithmenstörende Etwas eine Frau ist und der Angesprochene sich aus dem Schutze seines Monitors begibt und die Situation es sogar erfordert zu sprechen, so sprechen diese Männer nie mit dem Frauengesicht sondern mit dem Busen.
Das hat allerdings ausschließlich etwas mit deren Positionierung in Relation zur Augenhöhe des Sitzenden zu tun. Diese Koinzidenz verursacht in einem realen Lebenskontext gewisse Schwierigkeiten, denn die Betroffenen sehen selten Brüste. Also starren sie wie hypnotisierte Kaninchen auf die das Blickfeld überschattende Ausbeulungen, was fokussierte Kommunikation erschwert.
Das zielgerichtete Weibchen kennt jedoch Auswege. Es malt sich zum Beispiel freundliche Gesichter auf die Brüste. Diese signalisieren eine generelle Friedseligkeit, was die Gesamtatmosphäre entspannt.
Wenn das Weibchen die richtige Stimmung geschaffen hat, klebt es sich kleine Post-its mit den Kernbotschaften der angestrebten Kommunikation auf die Brüste. Es stellt sich erst leicht seitlich dem sitzenden Adressaten gegenüber, so dass er den ersten Zettel lesen kann. Sobald es merkt, dass die Botschaft wahrgenommen und verarbeitet wurde, wendet es seinen Körper leicht zur Seite, um die nächste Botschaft zu präsentieren. Sollte es mal mehr Botschaften als Platz auf den Brüsten geben, so kann es mit einem eleganten Einsatz des Fußes den Bürostuhl des Nachrichtenempfängers nach unten pumpen und ihm weitere Botschaften darbieten, die auf ihrem Hinterteil präsentiert werden.
In besonders schwierigen Fällen empfiehlt es sich die Botschaften mittels eines Hexeditors umzuwandeln:
000000 4b 6f 6d 6d 73 74 20 44 75 20 6d 69 74 6e 73 20 4d 69 74 |Kommst Du mit uns Mi| 00000010 74 61 67 65 73 73 65 6e |ttagessen?|
Das schafft eine wunderbare gemeinsame Grundlage. Mit dieser leicht nachzuahmenden Vorgehensweise lassen sich anfängliche Kommunikationsschwierigkeiten leicht überwinden.

So manches aus dem fernen Asien ist mir wirklich fremd. Allem voran die verschiedenen Modeerscheinungen. Letztes Jahr waren beispielsweise Zahnspangen trendy.
Ich erinnere mich an die Zeit in der ich Zahnspange tragen musste, weil ich eine ein Zentimeter große Zahnlücke zwischen den oberen Vorderzähnen hatte, nicht gerne zurück.
Zum Glück hatte ich nur eine herausnehmbare, die ich lediglich sporadisch trug. Wunder der Medizin, trotz des unregelmäßigen Tragens stellte meine Kieferorthopädin enorme Verbesserungen zwischen den einzelnen Besuchen fest.
Bah! Wenn ich an diese Frau denke. Sie roch grauenerregend nach Knoblauch und hatte riesige, schwarze Mitesserkrater auf der Nase und ihre Damenbarthaare bogen sich über das obere Ende ihres Mundschutzes. Wenigstens hat sie einen getragen. Ich denke, wenn sie das nicht getan hätte, hätte ich mich von der Knoblauchfahne übergeben und wäre daran und nicht an der verschluckten Zahnspange gestorben.
Das Mundteil der Zahnspange hat stets leicht muffig oder metallisch gerochen, wenn man es gerade mit einem Kukidingens gesäubert hatte. Ich erinnere mich auch, dass es irgendwann glitzernde Gaumenteile gab. Meines war dunkellila.
Im Schullandheim hatten alle ihre Zahnspangendöschen dabei. Manche trugen die Teile doch tatsächlich den ganzen Tag um den Hals. Obwohl ich nicht mal elf war, wusste ich dass es sich dabei um ein modisches No-Go handelt.
Ach ja. Die späten Achtziger. Die Zeit in der wir alle sprachen, dann eine kurze Pause machten und die Spucke, die sich im Mundraum und Gaumenraum der Zahnspange angesammelt hatte aufsaugten und runterschluckten.
"Hallo, ich bin Nuf .... zzzzzwwwwwww *gulp*" Gott sei Dank musste ich nicht so ein Hannibal-Lector-artiges Teil tragen, was mit einem Gummiband um den Kopf herum befestigt war und bei Mädchen mit langen Haaren diesen Frankensteinbeulenhinterkopf machte, weil die Haare kontinuierlich nach oben geschoben wurden.

P.S.
Auch für Hunde gibt es Zahnspangen


Mozart, der heute offensichtlich Geburtstag hat, geht mir seit Anbeginn des Mozartjahrs auf die Nerven. Mozart, das ist Klassik für Kleinkinder. Interessanter finde ich, dass Mozart ein Markenname, der jährlich 5,4 Milliarden Euro einbringt. Es gibt um die 150 Mozartprodukte. Das Schöne: Der Name Mozart ist markenrechtlich nicht geschützt, was jedem Interessierten ermöglicht Mozartprodukte auf den Markt zu werfen. Der Phantasie ist da kein Einhalt geboten, so kommt es dass ein Metzger aus dem Raum Salzburg, die allerorts dringend benötigte Mozart-Dauerwurst in Geigenform erträumte.
Auch sollte jeder Haushalt, der geschmacklich etwas auf sich hält, eine Mozartgardine im Wohnzimmer hängen haben. Für den Kleinen gibt es die Mozartaktionpuppe.
Für die Mama gibt es dann die original Mozartzauberflöte, mit der sie spielen kann, während Papa sein Mozartbier trinkt.

Inspiriert durch einen Beitrag auf Radio Eins
26 Januar 2006
Pfft!
Daraus lernen wir: Walerbrochenes nie achtlos liegen lassen.

Meine französische Freundin sagt, wenn Schuhe nicht weh tun, sind es nicht die richtigen Schuhe.
Ich bewundere ihren Ehrgeiz dem Paradigma "Wer schön sein will, muss leiden" zu folgen. Doch Vorsicht! Das ist nur nachahmenswert, wenn man tatsächlich eine zierliche, modebewusste Französin ist.
Die deutsche Frau hingegen, muss bei der Präsentation ihres Modebewußtseins vorsichtiger sein. Denn Modebewußtsein hat nicht ausschließlich etwas mit im heimischen Fernsehprogramm erspähten Modetrends zu tun. Wer sich mit der aristotelischen Syllogistik auskennt, der weiß:
Wenn der Schuh gut aussieht, tut er weh
- ist nicht in -
Wenn der Schuh weh tut, sieht er gut aus
- zu wandeln.
Das ist der Grund warum nicht jeder in ein Glitzerschühchen gepfropfte Plattsenkspreizfuß hübsch aussieht. Im Gegenteil, da fühlt man sich schnell an die beiden Stiefschwestern von Aschenbrödel erinnert, die wiederum nicht für ihren Liebreiz in die grimmsche Geschichte eingingen.
Auch ist die Herausforderung nicht zu unterschätzen, wenn das deutsche Modeopfer sich abends nach all den Plagen des Tages im heimischen Sofa suhlt und einen Stoßseufzer ausstoßend mit Hilfe eines Schuhlöffels das vakuumisierte Leder vom Körper zu stemmen sucht.
Das wäre am Ende alles zu ertragen, würde das Modeediktat die Frauenwelt nicht zusätzlich zum Tragen spitzer Schuhe zwingen. Hat der Fuß nämlich nicht Schuhgröße 36, dann dauert es kaum zwei Tage und der elegant geschnittene Neuschuh läuft nicht mehr aerodynamisch spitz zu, sondern beult an den Zehenseiten zunehmend aus. Ich frage mich, ob die meisten Frauen an psychogener Blindheit leiden, denn offensichtlich können sie nicht sehen wie unästhetisch es ist, die 43er Füße durch eine 15 cm lange Schuhspitze zu verlängern. Die Wahrheit ist: es hat den Anmut von angschnallten Saugpümpeln.
Das sieht nicht nur hässlich aus, das ist ungesund!
Fußdeformationen sind kein Spaß!
Durchblutungsstörungen durch eingequetschte Zehen ziehen Krampfadern nach sich!
Kauft runde Schuhe!
Befreit Eure Füße!
Befreit meine Seele!

25 Januar 2006
Was ich wirklich empfehlen kann ist, bei -20 Grad auf dem Weg in die Arbeit brüllend laut Calexico zu hören.

Seit mehreren Jahrzehnten erzählen mir meine Eltern, dass ich das einzige Kind war, das am ersten Tag im Kindergarten geweint hat, als es abgeholt wurde.
Das ist nicht verwunderlich. Im Kindergarten gab es nämlich etwas, was ich aus meinen ersten drei Lebensjahren, die ich mit meiner Mami verbracht hatte, nicht kannte. Es war das andere Geschlecht.
Jungs fand ich klasse. Ich denke, seitdem ich sie entdeckte, war ich stets in mindestens einen verliebt. Meine erste große Liebe hieß Thorsten. Unsere Liebe wurde jedoch von unsensiblen Eltern auseinandergerissen. Sie zogen in das Nachbardorf. Ich sah Thorsten nie wieder.*
Ungefähr siebenunddreißig große Lieben später lernte ich L. kennen.
Er war der Freund meiner zickigen Schultheatergruppenkollegin. Während sie sich selbst handküsschenzuwerfend ihre gelbblond gefärbten Haare vor dem Spiegel hinter der Bühne kämmte, saß er gelangweilt auf einem Sportmatratzenstapel, rauchte Zigaretten und zwinkerte mir zu.
Ich arbeitete ein Jahr auf ein Date mit ihm hin. Ich fing dafür zu rauchen an. Das war sehr anstrengend und es brauchte mehrere Anläufe bis ich ohne Hustenanfälle inhalieren konnte. Ich rauchte dafür wochenlang ohne Publikum.
Ich versuchte mich optisch aufzubessern, indem ich meine Haare mit Henna fuchsrot färbte und ich zertrat wutentbrannt mehrere Kajalstifte bei dem Versuch mir den perfekten Lidstrich zu ziehen. Es war die Zeit in der man sich mit Häkeltops und Trompetenarmen aufhübschte.
Kein Wunder dass es so lange dauerte, bis ich sein Interesse wecken konnte. Immerhin war er schon zwanzig. Ich traf ihn Monate nach unserer ersten Begegnung, als mich meine beste Freundin zu einer WG-Party mitnahm.
Landeiig wie ich war, war ich mir sicher, dass "Mensch, der in WG wohnt" mit Terrorist gleichzusetzen war. Die Party offenbarte mir, dass er nicht nur illegal in Schulturnhallen rauchte sondern auch WG-Mitbewohner war. Seine Gefährlichkeit trieb mir leise Wellen der Erregung durch den Körper.
Ich weiß nicht wie, aber ich schaffte es, dass er mich nach Hause brachte. Als wir uns meiner Tür näherten, beschleunigte sich mein Puls. Ich wurde immer aufgeregter. Ich nestelte im Rucksack nach meinem Haustürschlüssel. Mein Herz klopfte dabei wie eine kleine Taschenuhr. Klopf klopf klopf klopf klopf klopf.
Mein Mund war ganz trocken. Meine Hände umso feuchter. Jetzt standen wir im Gang zu meiner Wohnung. Ein langer, enger Gang. Ich mit dem Rücken zur Wand. Verlegen von einem Fuß zum anderen tretend. Er vor mir. Viel größer als ich. Leicht vorgebeugt. Langsam kam er mir näher. Mir wurde schwindelig. Mein Magen rumorte. Noch näher. Ich konnte seinen Atem spüren. Noch näher. Ich hielt die Luft an. Noch näher. Jetzt stand er fast Nase an Nase vor mir und schaute mich an.
Mir wurde so ... so ... ich kann es nicht beschreiben. Mir wurde schwummerig. Er verlagerte das Gewicht und berührte mit seiner Hand sanft meinen Bauch. Lehnte sich an mich und setzte gerade zum Kuss an, als mir schlagartig einfiel woher ich dieses schwummerige Gefühl kannte. Doch da war es zu spät. Der leichte Druck auf meinen Unterbauch hatte schon den schlimmsten und lautesten Furz meines Lebens gelöst, der sich unaufhaltsam seinen Weg in die Freiheit erkämpfte.
In den wenigen Millisekunden die mir bis zu seinem Austritt blieben gingen mir verschiedenste Alternativen ihn wenigstens akustisch zu übertönen durch den Kopf. Laut singen? Etwas scheppernd auf den Boden fallen lassen? Einfach weglaufen?
Doch es war zu spät.
PrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRTTTTTTttttttttttttttt!


*Thorsten, wenn Du mitliest, bitte melde Dich!
Ich freue mich außerordentlich in aller Dezentheit auf DAS Medienereignis des Jahres hinweisen zu können:


24 Januar 2006
Geisha, der
Huftier - halb Ziege, halb Hahn. Kommt nur in Nordbayern vor.
Zuchtstier, das
Genetisch gut ausgestattetes Lebewesen, mit dem man züchten kann.

Echauffierte ich mich bereits über ePlus? Nein? ePlus macht in puncto Kundenfreundlichkeit der Telekom massive Konkurrenz.
Ich bereue es zutiefst Kunde geworden zu sein.
Leider interessiert das dort niemanden, denn die Callagents haben eine Zusatzausbildung "In Stasis verfallen, wenn der Kunde nervt" und "100 dämliche Antworten, wenn der Kunde was will".
Im November habe ich mir Vertrag und Handy bestellt. Es hat vier Wochen gedauert, bis ich mein Handy endlich hatte.
Als ich nach zwei Wochen anrief, wurde mir mitgeteilt, man mache gerade Inventur und man könne nicht so genau sagen, wo das Handy nun sei und wie lange es dauere, das könne man schon gar nicht sagen. Das einzige was der Callagent für sicher hielt war: Naja, zwei Wochen warten ist doch nicht so viel ...
Als das Handy kam, musste ich eine weitere Woche auf die Karte warten und dann noch zwei Tage auf den Aktivierungscode.
Derjenige, der mich angeworben hat, hat seine Prämie nicht bekommen.
Auch das interessiert niemanden.
Die Rechnung ist nicht einsehbar, weil ePlus den Service verbessert:
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[Was ist die Botschaft? Wir haben die Seite versteckt und leiten Dich nicht an die neue Stelle. Such selbst, Du Arsch?]

Das alles ist ärgerlich genug. Was mich aber wirklich, wirklich ausflippen lässt, ist die unmögliche Seitenführung auf ePlus und dass es dort nur dieses ver******* Formular gibt und keine E-mail-Adresse an die ich schreiben kann.
Wenn man kein Handy hat und sich bei ePlus gerade eines bestellt hat, ist es nicht möglich etwas zu fragen, denn man soll eine Handynummer eingeben. Tut man das nicht (WEIL MAN JA KEINE HAT), kann das Formular nicht abgeschickt werden.
Gibt man irgendeine Nummer an, bekommt man eine Nachricht, dass man nicht erreicht werden konnte, weil die Handynummer nicht stimmt.
Wenn man auf diese Nachricht antworten will, sieht man unten lediglich "Bitte antworten Sie auf diese Mail nicht. Wenden Sie sich bei Rückfragen bitte an unseren Kundenservice auf unserer Webseite."
Da will ich wie Tarzan schreien und in die Tischkante beißen.
Wer weiß, vielleicht wurde ePlus ja von Roland Hagenbüchle und Paul Geyer beraten?

23 Januar 2006
"Mamaaaa, ich will meine Holothurien* nicht essen!"**
**Kind zu chinesischer Mutter, während eines Festtagsschmauses.

*Seewalzen (Holothurien)
wurmförmig gestreckte Stachelhäuter mit lederartiger Körperhülle, in der kleine Kalkkörperchen lose liegen, und einem Hautmuskelschlauch. Atmung auf Kiemenbasis in den "Wasserlungen"; oft mächtige, baumförmig verzweigte Ausstülpungen des Enddarms, die der Ausscheidung von Stoffwechselabfallprodukten dienen. Die Seewalzen leben in der Tiefsee oder in Küstennähe im Sand, wo sie sich wurmartig fortbewegen.
Man kennt rund 600 Arten, darunter in Amerika die zwittrige Lebendgebärende Seegurke, Synaptula hydriformis, deren Eier in die Leibeshöhle gelangen und sich dort entwickeln. Durch Einreißen der Leibeswand in der Nähe des Afters gelangen die Jungen ins Freie.
Quelle: wissen.de
Meinem freundlichen Freund und mir alles Gute zum 1. Jahr rauchfrei.

Alle, die darüber klagen wie kalt es in Berlin ist, sollten sich überlegen was wirklich kalt ist und spenden.
Z.B. hier, hier oder hier.
Oder eben gleich so:
Begünstigter: Berliner Stadtmission
Spenden-Kontonummer: 5444
Kreditinstitut: Bank für Sozialwirtschaft
BLZ: 100 205 00
Verwendungszweck: Kältehilfe

22 Januar 2006 21 Januar 2006
Wer kennt sie nicht?
Die Glücksbärchi mußte jeder kennen lernen, der in den achziger Jahren kleine Geschwister hatte.
Was bis heute unbekannt blieb: Es gibt ein Bärchi, welches sein Leben im Schatten seiner Geschister Schmusebärchi, Hurrabärchi und Harmoniebärchi verbringen mußte.
Sein Name ist Klabusterbärchi. Seine Geschichte ist tragisch. Weil Klabusterbärchi keine Freunde hatte, nahm er sich vergangenes Jahr das Leben.
Auch das entging der Presse. Ich möchte ihm an dieser Stelle dennoch gedenken.

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20 Januar 2006
Da wo ich herkomme, wird Schnee geschippt.
Man nimmt eine große Schaufel und schaufelt den Schnee rechts und links des Weges auf kleine bis mittelgroße Haufen.
In Berlin werden Gehwege nicht geschippt sondern gewalzt.
Es schneit und schon kurze Zeit später sind überall kleine Walzenwagen zu sehen und plätten den frisch gefallenen Schnee zu festen Schneedecken (in Fachkreisen auch Firnfelder genannt).
Wenn es das nächste Mal schneit, wird einfach die nächste Schicht darüber gebügelt. Für Nichtberliner: Man geht hier ganz ähnlich vor wie bei der Erstellung von Blätterteig.
Am Anfang fand ich das blöd, weil ich oft hingefallen bin oder im Schnee stecken geblieben bin. Allerdings ist mir jetzt aufgegangen, dass uns die Stadt hier Gutes tut.
Die Stadt Berlin macht sich einfach Sorgen, dass die Einwohner zu wenig Bewegung haben und damit zu wenig Kalorien verbrauchen und damit langsam verfetten, was das Bluthochdruck-, Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko enorm erhöht, was das Gesundheitssystem belastet, was die Stadt Berlin nicht zahlen kann, weil die Stadt Berlin ohnehin, seit kurz nach der Gründung 1267 pleite ist.
Das Gehen auf den plattgewälzten Schneefeldern muss geübt werden. Man rutscht und schlittert, rotiert mit den Beinen wie eine Comicfigur, wedelt mit den Armen und verlagert den Schwerpunkt schwappend während man sich um die eigene Achse dreht. Dabei werden große Mengen Adrenalin ausgeschüttet und das verbraucht Energie ohne Ende.
Straßen werden wie in anderen Bundesländern geschippt. Das bedeutet dass es an Straßenübergängen zu beinahe kartografierenswerten Schneebergen* kommt. Für die Erklimmung eignen sich vor allem hochhackige Schuhe, die in ihrer Beschaffenheit Spikes sehr ähneln und deswegen in den Läden als Monospike erhältlich sind. Auf dem Weg nach oben trifft man allerlei lustige Leute. Einmal bin ich in einem Schneeberg stecken geblieben. Glücklicherweise hat mich ein junger Mann kurz vor Sonnenuntergang entdeckt, raus gezogen und über den Gipfel geworfen. Leider in die falsche Richtung, aber es war ohnehin zu spät, um in die Arbeit zu gehen.
Aus besonders hohen Schneestraßenrandgebirgszüge stecken Landesfahnen der Erstbesteiger. Das gibt dem trüben Winter Farbe und fördert das interkulturelle Verständnis.
So ist Berlin eben.


*Berliner glauben auch fest daran, dass der Teufelsberg ein Berg ist

19 Januar 2006
Keine Zeit, keine Zeit
Aber für Weltfrieden muss Zeit sein.
Beteiligt Euch an der Kette, die ich hiermit beginne.
Ich will sehen, wie weit eine solche Kette geht und natürlich will ich auch was für den Weltfrieden tun (der sofort eintritt, wenn die Kette 1.000 überschreitet).
Weltfrieden!

17 Januar 2006
Wenn man vier Stunden wartet weil man sich als braver Bürger ummelden will, liest man alles, was rumliegt. Alles. ALLES!

Wer hat eigentlich meinen Zeilenumbruch geklaut?
16 Januar 2006
Wenn ich groß bin, werde ich Superheld. Meine derzeitige Superkraft ist: Mit einem Niesen 6.000.000 Bakterien pro Kubikmeter Luft verbreiten. P.S. Das war aber nicht das Neue. Nicht dass wieder Beschwerden kommen.
13 Januar 2006
Bald wird es was Neues geben. Ich reibe geistig meine Hände.
12 Januar 2006
Hmmm...
11 Januar 2006
Das wollte ich noch ergänzen: 7.057 nicht gerauchte Zigaretten. Image Hosted by ImageShack.us Macht komischerweise immer noch keinen rechten Spaß. Stinkt aber nicht.
Drei unlösbare Probleme habe ich: 1) Wo bekomme ich einen weißen Fadenvorhang her? 2) Wer hilft mir mal ein bißchen meinen Blog technisch zu tunen, so tags, Kategorien und so nen Kram? 3) Wo bekomme ich für 2 Wochen Webspace her um gelesene Beiträge abzulegen?
Erfreut stelle ich fest, dass es Menschen mit recht ähnlichen Problemen gibt. Seit neustem muss ich, während ich telefoniere, schnell und viel mitschreiben. Ich kann wahnsinnig schnell schreiben. Eine DinA4 Seite pro Minute bekomme ich problemlos hin. Nach dem Telefonat schaue ich entgeistert auf meinen Zettel und kann, wenn ich Glück habe, ca. 15% entziffern. Aus diesen 15% lassen sich allerdings nur in den seltensten Fällen alle wichtigen Informationen ziehen. Ich spielte also kurz mit dem Gedanken eine Sekretärin einzustellen, die des Steno mächtig ist. Ein Unterfangen, welches nicht mit Erfolg gekrönt war. Es gibt einfach keine Menschen mehr, die Steno können. Dabei ist das eine überaus nützliche Fähigkeit. Natürlich habe ich nicht aufgegeben und mir den Arbeitsmarkt weiter angesehen und nach Alternativen gesucht. Und siehe da: wo ein Wille, da auch ein Weg. Seit gestern arbeitet ein Kryptograf für mich. Er ist sehr glücklich, dass er endlich wieder einen Job hat. Ich meine, immerhin hat er einen Master-Abschluss in Informatik sowie einen Bachelor in Physik. Nach seinem Studium hat er sich doch seinem Hobby dem Alphabetum Kaldeorum zugewandt und hat am Lehrstuhl für Klassische Archäologie in Bremen promoviert (Die Arbeit "Zur Interpretation der Obeloi im Lichte sanskritschen Kultur" wurde ein bahnbrechender Erfolg). Folgend hat er einige Jahre am DAI Athen gearbeitet von wo er mehrere wichtige Arbeiten zum Thema Kryptografie veröffentlicht hat (u.a. "Applied Cryptography - a Transfer from the Ancient World to Modernity"). Jetzt steht er vor einer seiner größten Herausforderungen. Er bekommt Abends den Stapel Blätter, den ich tagsüber bekritzelt habe und dann kann er zeigen was ein Meister der Dechiffrierkunst tatsächlich kann. Wenn er seinen Job das erste halbe Jahr ordentlich macht, werde ich ihm vermutlich auch ein Gehalt zahlen. Jetzt macht er das erst mal als unbezahltes Praktikum.
10 Januar 2006
Die GEZ ist schon eine wundersame Organisation. Sie schafft, was für andere unmöglich ist. Sie greift auf Daten des Einwohnermeldeamtes zu und verwertet diese weiter. Das ist bemerkenswert, denn offensichtlich gibt es dementgegen keinerlei Verbindungen zwischen Einwohnermeldeamt und Finanzamt, was ich sehr begrüßen würde. Als braver Bürger meldet man sich nach dem Umzug natürlich um und schon zwei Wochen später bekommt man Post von der GEZ. "Hallo, wollen Sie nicht ihre tollen Rundfunkempfangsgeräte anmelden? Wenn ja, kreuzen Sie ja an, wenn nein, kreuzen Sie trotzdem ja an. Wenn noch jemand mit eigenem Einkommen bei Ihnen wohnt, tragen Sie seinen Namen und die Namen seiner Rundfunkempfangsgeräte ein. Wenn Ihr Kind aus ehelichen oder nicht ehelichen Gemeinschaften stammt und eigenes Taschengeld bekommt, tragen Sie hier den Namen ein. Wenn einer aus ihrer ehelichen oder nicht ehelichen Gemeinschaft ein oder mehrere Autos hat, tragen Sie hier die Namen ein." Das macht mich echt wütend. Ich hab nicht mal nen Fernseher, auch kein Auto oder sonst was, seit Jahren. Die sollen mich in Ruhe lassen! Von mir aus eine Kopfpauschale von 5 € pro Einwohner abziehen. Mir egal. Dann ist das nicht so aber witzig teuer. Das einzige was mir bei Gedanken an diese Unverschämtheit wieder Ausgeglichenheit verschafft, sind die Gedanken an die Prügel, die der GEZ-Yo-Man-Obercool-Junge aus dem Kinowerbespot bezieht, wenn er bei den anderen krassen Hip-Hoppern den Ghettoblaster anzeigt. Image Hosted by ImageShack.us
09 Januar 2006
Ich spiele im Moment mit dem Gedanken eine Selbsthilfegruppe für Erwachsene mit Kindern, die Kassetten- und CD-Spieler besitzen, zu gründen. Erste Schäden nahm ich als Teenager durch meine acht Jahre jüngere Schwester, die 16 Stunden am Tag "Bibi Blocksberg" anhörte. Jedoch hörte sie verschiedene Folgen, was das Ganze einigermaßen erträglich machte. Der Sohn meines Freundes hat hingegen ein erhöhtes Interesse einzelne Hörspiel-CDs erst auswendig zu lernen, bevor er dazu übergeht eine neue anzuhören. So kommt es, dass ich bereits 765 Mal Däumelinchen gehört habe. Wenn mein Gehirn zu Erholungszwecken auf Stand By geht, sagt es in einer immer währenden Schleife: "Quarks, quarks kekekeck!" (So wie der garstige Sohn der Unke, die Däumelinchen schlafend aus ihrem Zuhause entführt, um sie zwangszuehelichen). All das wäre auch noch zu ertragen, wenn das arme Kind nicht völlig abhängig von dieser CD wäre. Er kriecht morgens mit schlafverkrusteten Augen aus dem Bett und stellt zuerst den CD-Player an. Wenn er zum frühstücken kommen soll, dreht er die Lautstärke auf. Wenn wir uns darüber beschweren, schiebt er sein Essen weg und sagt: "Ich habe keinen Hunger mehr!" und geht wie ein kleiner Automat in sein Zimmer zurück. Anziehen kann er sich nicht, weil er dann wenige Millisekunden einen Pullover über den Ohren hätte. Zähne putzen kann er nicht, weil er dafür das Zimmer verlassen müsste. In den Kindergarten will er nicht, weil er dort kein CD-Abspielgerät hat. Wenn wir mit ihm sprechen wollen, schlägt er die Tür zu oder stellt den Ton lauter. Wir sind jetzt dazu übergegangen ihn schweigend in Tücher zu wickeln. Irgendwas muss der arme Junge ja anziehen. Wir bringen ihm sein Essen an die Türschwelle und klopfen artig. Dann öffnet sich die Tür einen Spalt, eine Kinderhand kommt raus und holt den Teller rein. Die Kommunikation wird zunehmend schwerer, denn er kann noch nicht lesen oder schreiben. Er schiebt uns deswegen manchmal kleine Memorykarten raus, die uns, richtig gedeutet, anzeigen, was er braucht. Limonade zum Beispiel. Er trinkt aber sehr wenig, denn dann müsste er zu oft pullern und pullern bedeutet, das Zimmer verlassen. Mein Freund vermisst seinen Sohn sehr. Er hat ihn schon seit zehn Tagen nicht gesehen. Ich habe hin und her überlegt, um eine Lösung zu finden. Wir haben uns nun entschieden eine CD aufzunehmen, die wir ihm dann rein legen. Irgendwann wechselt er die CD. Das haben wir schon beobachtet. Es fing ja alles mit dem tapferen Schneiderlein an. Wir haben ihm eine Botschaft auf die CD gesprochen. "Hallo Kind, hier sind die Erwachsenen, mit denen du zusammenlebst. Wir vermissen dich sehr und wenn du raus kommst, gibt es jeden Tag Pfannkuchen und Schokolade. Du darfst Kindercola trinken und vier Stunden am Tag fernsehen. Aufräumen musst du bis 14 nicht mehr und Papa macht die ersten sechs Jahre deine Hausaufgaben. Du darfst täglich mit Taucherbrille baden gehen und dich vom Beckenrand in die Fluten werfen, so dass das Wasser über den Rand schwappt und das Bad flutet. Wenn du weitere Forderungen hast, schiebe die entsprechenden Memorykärtchen unter der Türschwelle durch. Wir warten dort und sind verhandlungsbereit. In Liebe, Dein Papa und Nuf."
Gestern zum zweiten Mal auf einer Bloglesung gewesen und es hat sich auch dieses Mal gelohnt. Allen voran, der Text des Herrn Mequito. Absolut grandios. Wenn ich sowas höre, bekomme ich eine siebentägige Schreibhemmung. Wenn nicht sogar neun Tage dieses Mal. Sehr charmant auch Lyssa, die von ihren Erfahrungen als Aushilfe jeder Art berichtete. Es gab köstliche Sahneschnittchen und Kuchen, was mir über meine Enttäuschung hinweg holf, dass Felix den Text vergessen hatte, den er mir doch ins Ohr flüstern wollte. Wenn es eines Tages eine Bloglesung in einer Lokalität gibt, die einen nicht zwingt fremden Menschen auf dem Schoß zu sitzen, dann werde ich vermutlich sogar ein bißchen länger bleiben und evtl. mit anderen Menschen sprechen. Schätze ich. Könnte ich mir vorstellen. Naja, habe ich mir jedenfalls vorgenommen.
06 Januar 2006 05 Januar 2006
Ergebnis der Umfrage: Apricot ist die schlimmste Farbe. Ich hatte recht, Schatz! Männer Platz 1: gelb (38,12%) Platz 2: grün (26,73%) Platz 3: rot (13,86%) n= 212 Frauen Platz 1: lachs (11,84%) Platz 2: apricot (9,87%) Platz 3: schwefelgelb (9,54%) n= 304
Bestimmte Berufsstände ziehen Menschen mit einem bestimmten Aussehen an. So sind Frisörinnen stets gertenschlank, haben Apfelpopos und sind nie größer als 1,60 m. Ähnlich verhält es sich mit den Angestellten von Fitnesstudios, die jedoch gut 10 cm größer sind und insgesamt eher drahtig als zierlich erscheinen. Das ist die eine Seite der Skala Attraktivität/Berufsstand. Auf der anderen Seite befinden sich schnurrbärtige Polizisten mit Kullerbäuchen, die nach kaltem Rauch riechen und die Fleischereinfachverkäuferinnen. (Nicht umsonst gibt es den Witz von der fetten Groben.) Jedenfalls, das Aussehen an sich macht es mir nicht so schwer in einer Metzgerei einkaufen zu gehen. Kalten Angstschweiß treiben mir eher die Latexhandschuhe auf die Stirn. Nicht weil ich mich generell vor Latexhandschuhen fürchte. Es ist nur die Unart zwar einen Latexhandschuh an einer Hand zu tragen, ihn aber nicht für das Geld sondern abwechselnd für das Geld, die Wurst und zur Eliminierung von Schweißperlen auf der Stirn oder unter den behaarten Achseln zu benutzen. Um jetzt wieder auf das Aussehen zurück zu kommen. Ich beobachte in letzter Zeit vermehrt, dass Fleischereifachverkäuferinnen auf ihr Äußeres achten und sich deswegen die Haare auberginrot färben. Zudem suchen sie regelmäßig Nagellagmodellöre auf und lassen sich lange Fingernägel aufkleben, die an den weißen Enden mit glitzernder Ringsalami oder Metallicbratwürsten verziert sind. Diese Fingernägel bohren sich dann durch die Fingerkuppen der Schutzhandschuhe und bieten bei 37 Grad Körpertemperatur ein lauschiges Zuhause für allerlei pathogene Bakterien. Es seien hier nur Darmbakterien, Eitererreger und Hefepilze genannt. Diese werden mit Staphylokokken, Mikrokokken, Sporen bildende Keime gemischt, die sich auf Geld besonders wohl fühlen. Drum merke: Niemals kurz vor 18 Uhr Wurst kaufen gehen, denn da gären die Bakterien-, Keim und Pilzherde seit acht Stunden bei Körpertemperatur unter den Plastikhandschuhen wie in einem Agar-Agar-Schälchen. Wenn die Fleischereinfachverkäuferin dann um 17.55 Uhr die Handschuhe abgezogen hat und freundlicherweise noch schnell den letzten Kunden bedient, schmiert sie das Bakteriengemisch "Kannseinbißchenmehrsein?" fiepend auf die gekaufte Wurst und reichen dem arglosen Kunden ein Paket, in dem sich ein kleines Universum mitochondrienreibender Einzeller befindet.
04 Januar 2006 03 Januar 2006
Es gehört nicht zu meinen Lieblingshobbys, anderen Leuten beim Popeln zu zuschauen. Wie leider so oft im Leben - zum schnöden Fingerindienasestecken gibt es eine Steigerung, die mir den Ekelherpes wie Blumenkohlröschen über das Gesicht wachsen lässt. Nasenpopeln mit Nasenring. Der Nasenring als solches ist schon unästhetisch genug. Der Anblick eines Nasenring mit verkrusteten Rotzresten, die sich von schwefelgelb bis khaki (mit leichten malvefarbenen Sprenkeln) erstrecken, entzieht mir die Atemluft. Man darf schließlich nicht vergessen, dass es sich beim Nasenschleim um ein klebriges Sekret handelt, das dazu dient die eingeatmeten Schmutzpartikel, Bakterien und Viren vor einem Eindringen in den extranasalen Raum hindert. Doch im Winter sind die Flimmerhärchen schon mal überfordert und da bedarf es zusätzlicher Bemühungen den Nasenrachenraum zu säubern. Eine gepiercte Nase braucht zudem eine besondere Pflege, da der Nasenvorhof nicht frei zugänglich ist. Die beobachtete Technik soll im folgenden näher beleuchtet werden: Erst wird die Nase durch kräftiges Schnauben grundgereinigt. Man kann im zweiten Durchgang gerne auch mal Daumen und Zeigefinger benutzen, um grobe Reste abzukratzen. Das hat den Vorteil, dass ergatterte Krustenreste durch die Anwendung der richtigen Fingerhaltung umgehend durch Wegschnipsen entsorgt werden können. Danach benutzt man ein zweites Taschentuch, welches man a) sich um den Zeigefinger rollt oder b) ohne Zuhilfenahme weiterer Finger an einer Ecke turmartig auf faltet, um bis zu den Siebbeinzellen vorzudringen. Danach verwendet man einen lauwarmen Kamilleteebeutel, um die in der Zwischenzeit getrockneten Nasensekretreste am Nasenring einzuweichen. Nach nur zwei Minuten sind sie eingeweicht und können mit einem Pfeifenreiniger abgebürstet werden. Sollte der Nasenring eher groß sein, empfiehlt sich ein Flaschenreiniger, wie man ihn beim Erwerb eines SodaMax oder WasserMax meist mitgeliefert bekommt. Danach ein Silber bzw. Goldputztuch, welches das Schmuckstück trocken poliert und schon ist die Nase sauber! Denn merke: Die richtige Nasenpflege unterstützt die Reinigung des Nasenganges und verhindert somit Borkenbildungen. Wunderbar!
02 Januar 2006
Das wollte ich mir noch merken: Prüms und Prümszessin. Der Compüter. Tropsdem! Praprika. Lansam. Reder darf! Schlell, schlell! Lesen meine Eltern eigentlich mit? Was hab ich so gesagt als Kind? Papa? (Papa, es würde meine Leserzahlen exorbitant in die Höhe schnellen lassen, wenn Du auch mal was sagtest!)
Mein Freund ist nicht sehr streng. In manchen Sachen läßt er allerdings nicht mit sich spaßen und spricht schon mal ein klares Verbot aus. Z.B. hatte ich eigentlich ein Verbot "Der Schwarm" zu lesen. Ich wollte aber nicht hören und kaufte es mir heimlich für die Zugfahrt von Berlin nach Franken und zurück. Durch die ersten 400 Seiten hab ich mich ganz schön gequält. Die nächsten 200 Seiten fand ich beschissen geschrieben und glaubte die ganze Zeit noch daran, dass es sicherlich an der blöden Übersetzung lag - bis mir auffiel dass Frank Schätzing leider nicht auf Englisch geschrieben hat. Danach habe ich das Interesse gänzlich verloren. Sollen die Yrr doch machen was sie wollen. Der Plot ist wirklich selten dämlich. Erst wühlt man sich durch Hunderte von Seiten pseudowissenschaftlichem Blala über Walforschung, Killeralgen, Methanfelder und Ölplattformen. Dabei werden mühsam die langweiligen Charaktere aufgebaut, damit diese dann einer nach dem anderen sterben und nicht mehr erwähnt werden. (Er hätte es sich viel leichter machen können, wenn er sie auf Seite 423 nach Frankreich zu einem Hummeressen eingeladen hätte ...) Meine Lieblingsszene ist die, bei der ein nacktes Paar auf den Steinen am Strand vor Long Island kopulieren möchte, als sich die erste von 7 Milliarden Killerkrabben auf den Weg an Land macht und just das zarte Knie der rosigen Dame erklettert. Da schaut die barbusige Frau auf das augenlose Tierchen, um dann wenige Sekunden später mit ihrem bebrillten Junganwalt auf einer Harley (immer noch nackt) zu fliehen. Auf der Flucht entkommen sie knapp einem Unfall mit einem Pickup und denken: Hey sowas gibts doch nur im Film. Das Ganze wird von zwei Kampfjetpiloten beobachtet, die gerade Fotos von Walen machen sollten, sich aber mehr für die Titten der Blondine interessieren, was den Leser in den glücklichen Genuss der folgenden Konversation kommen lässt: "Was Du liebe Scheiße ist das?" "Verdammt, ich glaubs ja nicht!" "Was denn Mike (!)?" "Das sind verdammte Scheißkrabben!" "Wow! Johnny, das kann doch verfickt nicht wahr sein!" "Doch, Mike, es ist verdammt noch mal wahr!!! Das sind Millionen von den Mistviechern!" Drum merke: Wenn der Freund sagt - nicht lesen - dann unbedingt auf Freund hören.
Nehmen wir an, ich läse irgendwo öffentlich. Rein hypothetisch. Was sollte ich dann bitte vorlesen? Gäbe es da Wünsche?
Ich denke, Bulette ist an gebrochenem Herzen gestorben, weil sie immerzu ignoriert wurde.
Alle schreiben wir egoistisch unseren eigenen Jahresrückblick. Dabei ist etwas viel wichtigeres passiert. Unsere Kanzlerin hat zu uns gesprochen. D.h., ich bin mir nach wie vor sicher, dass eigentlich die Heuschreckenparasiten zu uns gesprochen haben. Während ich ihr zuhörte, erinnerte ich mich an meine Kindergartentante Kassandra. "So eine schöne Matschsandburg! Da hattest Du aber eine tolle Idee, Du kleines Nuffi-buffi! Ja fein! Du hast schon letztes Jahr so tolle Ideen gehabt. Jetzt musst Du Dich aber trotzdem noch mehr anstrengen [ernster Blick]. Du musst noch mehr Ideen haben, ja? Die erzählst Du der Tante Angie und dann tut die Tante das umsetzen und dann geht es Deutschland wieder gut, jedenfalls wenn deine süßen kleinen Freunde das auch alle machen. Jooohhhhh! [Kopftätscheln] Aber jetzt trinkst Du erst mal Deinen Kamilletee aus [Nuf schaut tapfer, kneift sich die Nase zu und kippt den ekeligen Kamilletee runter] Ja fein! Jaaah fein, dudududu!" [Orginalzitat: "Ich wage es dennoch noch einmal: Ich möchte uns ganz einfach ermuntern herauszufinden, was in uns steckt! Ich bin überzeugt, wir werden überrascht sein!", Angela Merkel am 31.12.2005] Es ist schon eine Leistung eine Neujahresrede mit so wenig Elan zu halten. Man kann hier fast schon von Inverselan sprechen. Angela Merkel ist was Leidenschaft angeht so etwas wie ein schwarzes Loch. Eine Singularität, die alles Mitreißende, Motivierende und Begeisternde in sich aufsaugt und nicht das kleinste Quäntchen wieder raus lässt. Saug. Saug. Saug. Nicht anders kann ich mir die monotone, fast schon mandalaartige Vortragsweise von Angie erklären. (Ich will nichts schimpfen, immerhin weckt Frau Merkel durch ihre Reden nostalgische Erinnerungen an die Zeit in der mein Commodore zu mir gesprochen hat. Sie klingt nicht ganz so blechern, trägt aber ohne jeden Zweifel das gleiche Feuer in sich.) Um nicht einzuschlafen und die Rede bis zum Ende zu verfolgen, habe ich den Ton abgestellt und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Seit der Kohlära überlege ich, an wen mich Angie, die jetzt da sie Kanzlerin ist, tatsächlich viel öfter glücklich ist [Mundwinkel nach oben!], erinnert: "Mein Name ist Drops, wer mich ärgert geht hops!" Image Hosted by ImageShack.usImage Hosted by ImageShack.us

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