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09 Februar 2006
Der Deutsche an sich liest gerne Ratgeber.
Ich lese diese Art von Büchern nur unter Zwang und habe deswegen dieses 80/20 Buch nicht gelesen. Habe aber gehört, dass man 80% der Ergebnisses in 20% der Zeit erreichen kann und weitere 80% der Zeit dafür verwenden muss, um die restlichen 20% des Ergebnisses zu erreichen. Meine Alltagsbeobachtungen verifizieren diese Regel.
Leider verhält es sich in der Realität nicht so linear. In dieser Regel wurde nämlich nicht die Bewertung und Wahrnehmung des Ergebnisses mitberücksichtigt und v.a. dass es A und B Menschen gibt.
A Menschen, geben sich mit dem achtzigprozentigen Ergebnis zufrieden.
B Menschen, geben sich nur mit dem hundertprozentigen Ergebnis zufrieden.
Darüber hinaus gibt es Mischvarianten und Varianten wie: B Menschen, die lediglich die letzten 20% des Ergebnisses bewerten. (Natürlich gibt es noch andere Kombinationen, aber die entsprechende Matrix möge jemand erstellen, der sich für Permutationen interessiert.) Viel wichtiger ist: Was bedeuten diese Einsichten für das Alltagsleben?
Nehmen wir beispielsweise an, ein Mensch A und ein Mensch B leben zusammen. Dann wird Mensch B grundsätzlich unzufrieden sein mit dem was Mensch A produziert. Schlimmer noch, er wird den Großteil seiner Zeit darauf verwenden, die fehlenden 20% des Ergebnisses von Typ A zu produzieren. Dabei wird er zunehmend frustrierter, denn er erreicht mit sehr hohem Einsatz nur 20% des Gesamtergebnisses, was Typ A ohnehin egal ist. Die positive Rückmeldung bleibt also aus.
Nehmen wir ein Beispiel: Mensch Typ A macht morgens für Typ B einen Kaffee. Der Kaffee ist gerade aufgebraucht und die Milch reicht auch nicht mehr. B schneidet die Kaffeetüte auf und holt eine Tüte Milch aus der Vorratskammer. Er sucht die Filter, nimmt einen, legt ihn in die Kaffeemaschine, schüttet Wasser und Kaffee dazu, wartet, fertig.
A und B trinken gemeinsam Kaffee, dann geht A in die Arbeit und B bleibt zurück, denn er/sie muss später los. B geht in die Küche und findet vor: Eine halbvolle Kanne, einen Filter mit Kaffeesatz, eine leere Kaffeeverpackung, eine herumliegende Schere, ein abgeschnittener Milchtütenschnipel, eine leere Milchtüte vor dem Kühlschrank, verschiedenste Kaffeepulver- und Milchspuren auf der Arbeitsplatte und zwei leere Kaffeebecher.
B räumt alles weg.
Am Abend meckert B über das Verhalten von A. A ist genervt, B ist genervt.
So ist das. Leider gibt es keinen Ausweg aus einer solchen Situation. Es ist nämlich so, dass falls A sich entschließen sollte, alle von B genannten Punkte zu erfüllen, dann wird A völlig aus seinem/ihrem Lebensrhythmus geworfen und z.B. zu allen Terminen zu spät kommen, denn weitere 80% Zeitaufwand im Zeitressourcenmanagement sind nicht vorgesehen. Selbst wenn A es schaffen sollte, die Planungsgewohnheiten B zuliebe nachzukalibrieren, wird B einfach die 100% umdefinieren.
Armes A!
Armes B!


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