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01 Februar 2006
Gestern, nahm ich etwas verspätet das Geburtstagsgeschenk meiner Exkollegen in Empfang.
Ich hatte einen Gutschein für fünf Bilder meiner Wahl bekommen, die ich mir in der Artothek aussuchen und mitnehmen konnte. Die Artothek verfolgt eine sagenhafte Idee. Gegenwartskunst zum Preis von 50 Cent pro Monat dem Volk verfügbar machen. Man kommt in den Ausstellungsraum und kann mitnehmen, was immer einem gefällt. Sogar direkt von der Wand darf man Bilder nehmen. Alternativ sucht man sich eines der Bilder aus den im Raum verteilten Bilderstapeln, die zu Dutzenden dort zu bewundern sind. Sogar Skulpturen und Installationen kann man leihen.
Der einzige Haken: mehr als zwei Mal drei Monate darf man die Objekte nicht behalten. Ich sehe jetzt schon, die Trennung wird schwer. V.a. in ein Bild habe ich mich umgehend verliebt. Es zeigt in nur vier Farben einen Strand, Meer, eine Hügelkette, einen Sonnenschirm und ein Umziehhäuschen aus den 50er Jahren. Es hat ungefähr das Format 120 mal 90 Zentimeter, Öl auf Leinwand.
Die 50 Cent, die man zahlt, so muss man wissen, sind Versicherungsgebühren.
Bei der Anmeldung wurde ich überaus freundlich behandelt. Die Dame am Counter freute sich, dass ich mich freute, bis ich eine Frage stellte: „Sind die Bilder auch gegen Verschönerungsversuche von Kindern versichert?“
Ihr Gesicht entglitt ihr, wie ich noch nie ein Gesicht entgleiten habe sehen.
„Nein.“
Danach sprach sie nicht mehr mit mir. Sie schaute mich an, als sei ich der leibhaftige Teufel. Als sie damit begann mir die Bilder einzupacken, zuckte sie bei dem oben genannten Ölbild ohne schützende Glasscheibe noch einmal und zischte ihrem Kollegen zu: „DAS Ölbild auch?“


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