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14 Februar 2006
Scharf, scharf und scharf, das sind sehr unterschiedliche Sachen.
Die Menschen reagieren da nicht alle gleich. Mein Ex-Freund, ansonsten gar nicht so verweichlicht, bekommt schon beim Anblick von Curry Hustanfälle.
Ich war deswegen mal in einem Asiatischen Supermarkt und habe gefragt, ob sie was hätten, was weniger scharf als grünes Curry sei. Der Angestellte hat die Augen zusammen gekniffen und lauthals gelacht: "Ha, ha, ha. Ehs gibs nix was is wenigel schalf. Ha, ha, ha. Vielleicht mal probielen gar nicht su wülzen? Ha, ha, ha!"
Schön sind auch die Gesichter, die man zu sehen bekommt, wenn die Pole von Schärfeempfinden aufeinander treffen. Ich war mal bei einer Freundin zu Gast, die als Vorspeise thailändische Nudelsuppe gekocht hatte. Wir wünschten uns fröhlich guten Appetit und nahmen den ersten Löffel. Wenige Millisekunden später husteten, tränten und erröteten alle Gäste. Die Gastgeberin schaute verwundert: "Hm? Ist das zu scharf?"
Was ich daraus gelernt habe ist, wenn es schon beim Europäer gefährlich wird, dann niemals die Gerichte beim Asiaten auswählen hinter denen zwei oder GOTTBEWAHRE mehr Chillischoten abgedruckt sind.
Ach ja: Und hüte Dich vor Papadam.
Das knabbert man arglos den ganzen Abend, bis irgendwann eine gewisse Konzentration überschritten ist und die Schärfe logarithmisch im Mund explodiert. Von den Schmerzen nach kompletter Auswertung des Metabolismus und der Rückgabe von Stoffwechselendprodukten an die Umgebung gar nicht zu sprechen...
Warum ich das alles schreibe, ist übrigens folgendes. Als Befürworter des technischen Fortschritts, probiere ich gerne technisch verbesserte Nahrungsmittel aus. Ich war ohne Zweifel eine der ersten, die sich an der Tankstelle selbstaufwärmenden Kaffee geholt hat. Ich habe keine Angst vor Chemie (Meine Leibspeise in den späten Achtzigern waren Rindermarkklöschen, für mich ist ohnehin alles gelaufen) in Nahrungsmitteln.
Deswegen probierte ich neulich im Büro eine asiatische Tütensuppe Geschmacksrichtung Garnele.
Super Sache! Man zerbröselt die Nudeln im Paket, füllt sie dann in eine Schale und gießt kochendes Wasser darauf. Danach beginnt das Gemisch zu schäumen und zu brodeln. Es entwickeln sich große Blasen, die zerplatzen und ein wunderbares Aroma verbreiten. Wenn man dabei ganz still ist, dann hört man beruhigende sphärische Klänge, die mit Meeresrauschen vermischt sind.
In der Tüte finden sich neben den Nudeln noch drei Tütchen. Das mit der aufgedruckten Chillischote habe ich gleich weggeworfen. Als genaue Beobachterin meiner Umwelt war mir bereits aufgefallen, dass unsere Bürowände mit diesen Tütchen tapeziert sind.
In der Zweiten befand sich rote Paste. Die habe ich ebenfalls sofort weggeschmissen. Die Dritte roch harmlos nach Brühe. Ich entschloss mich die Hälfte davon zu benutzen.
...
Ich denke, so in einer Woche werden meine Augen aufgehört haben zu tränen und ich werde wieder sprechen können. Vielleicht. Hoffe ich jedenfalls. In der Zwischenzeit klemme ich mir Küchenpapier unter die Achseln und hoffe, dass ich wenigstens aufhöre zu schwitzen.


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